Nordmole und Kaje 66

Bremen investiert in neue Hafenanlagen

Die Nordmole und die Kaje 66 in Bremerhaven sollen für insgesamt 43 Millionen Euro ersetzt werden. Das hat der Senat am Dienstag beschlossen.
06.11.2018, 22:36
Lesedauer: 3 Min
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Bremen investiert in neue Hafenanlagen
Von Peter Hanuschke

Würden sie einstürzen, dann könnten die Nordmole und die Kaje 66 den Schiffsverkehr im Bremerhavener Hafengebiet erheblich beeinträchtigen. Damit es dazu erst gar nicht kommt, soll Ersatz für die zwei Bauwerke geschaffen werden. Dazu gibt es seit Dienstag einen entsprechenden Senatsbeschluss. Werden Kajen oder Schleusen gebaut, haben sie eine jahrzehntelange Lebensdauer, die sich durch Sanierungen verlängern lässt. Doch auch das ist nur begrenzt möglich und wirtschaftlich nicht immer vertretbar – auch wenn ein Ersatzbau gleich schnell zweistellige Millionenbeträge kostet. So sind aus Sicht der Hafengesellschaft Bremenports der Neubau der Nordmole für etwa 25 Millionen Euro und der Kaje 66 für 18 Millionen Euro unausweichlich.

„Der Neubau der Nordmole stärkt die Wirtschaft im Fischereihafen“, so Wirtschafts- und Häfensenator Martin Günthner (SPD). „Deshalb haben wir uns dafür entschieden, die zwingend erforderliche Baumaßnahme dafür zu nutzen, die Einfahrt in die Geestemündung neu zu gestalten.“ Künftig werden auch größere Schiffe den Fischereihafen ohne nautische Probleme erreichen können. Dies sei ein erster wichtiger Schritt, um das wirtschaftliche Potenzial des Fischereihafens künftig noch besser nutzen zu können. Zugleich verwies der Senator darauf, dass bei der Gestaltung der künftigen Nordmole städtebauliche Belange eine wichtige Rolle spielen werden. „Die Nordmole soll auch nach dem Neubau ihre stadtbildprägende Bedeutung behalten. Dies ist bei den weiteren Planungen zu berücksichtigen.“

Standsicherheit akut gefährdet

Mit der Notwendigkeit, beide Projekte zu realisieren, hatten sich bereits in den vergangenen Jahren der Hafen-, Wirtschafts- und auch Finanzausschuss intensiv beschäftigt. Die Geeste-Nordmole an der Einfahrt zum Fischereihafen soll aus dem Sondervermögen Fischereihafen und die Kaje 66, die sich im Eckbereich zwischen Columbuskaje und der Einfahrt Nordschleuse befindet, aus dem Sondervermögen Hafen finanziert werden.

Beide Hafenanlagen haben eines gemeinsam: Sie sind alt, teilweise ist die Standsicherheit akut gefährdet, und sie lassen sich zum großen Teil nicht mehr sanieren. Und sie befinden sich an sensiblen Knotenpunkten im Bremerhavener Hafenareal. Deshalb ist Robert Howe erleichtert, dass diese Infrastruktur in den nächsten Jahren komplett erneuert wird: „Das Jahr 2018 ist für den Hafen ein ausgezeichnetes Jahr“, sagte der Bremenports-Geschäftsführer. „Der Senat hat in diesem Jahr mit dem Neubau der Columbuskaje, der neuen Nordmole und der Kaje 66 drei Entscheidungen mit einem Gesamtvolumen von mehr als 120 Millionen auf den Weg gebracht.“

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Die stadtbremische Hafengesellschaft, die die Instandhaltung und die Erneuerung der Hafen-Infrastruktur zuständig ist, habe die Vorplanungen auch dazu genutzt, mit dem Neubau die Qualität der Hafenanlagen künftig deutlich zu verbessern, sagte Howe. Die nun anstehenden weiteren Planungsaufgaben und der Neubau der Kajen stelle Bremenports für die kommenden Jahre vor eine Fülle von Herausforderungen. „Wir freuen uns darauf, diese anspruchsvollen Aufgaben jetzt mit aller Kraft angehen zu können“, so der Geschäftsführer.

Die bestehende Nordmole wurde 1912 als Mauerwerkskaje auf einer Holzpfahlgründung mit Holzspundwand errichtet. Die Mole war ursprünglich Bestandteil der Ufereinfassung der Einfahrt zur Dockschleuse in den Alten Hafen. Die Dockschleuse wurde 1933 außer Betrieb genommen und verfüllt. Auf der Mole wurde ein Turm mit Klinkerverblendung, mit roter, halbkugelförmiger Eisenlaterne und Galerie als neues Backbordfeuer errichtet.

Dieses Seezeichen, das seit 2001 unter Denkmalschutz steht, wurde 1914 in Betrieb genommen und wird bis heute betrieben. Der landseitige Zugang zur Nordmole erfolgt über die Straße Am Alten Vorhafen. Hier wurde bereits 1913 unter anderem das alte Flusslotsenhaus errichtet. Aufgrund von Bauwerksschäden sowohl am Lotsenhaus als auch an Teilen der Ufereinfassung wurde zwischen 1996 und 2004 die alte, holzpfahlgegründete Ufermauer durch eine einfach verankerte Spundwand ersetzt und 2007 eine neue Lotseneinsatzstation errichtet.

Korrosionsschäden wurden verstärkt festgestellt

Die etwa 320 Meter lange Kaje 66 wurde 1964 gebaut, um sowohl die Einfahrtsverhältnisse zur Nordschleuse zu verbessern als auch um einen zusätzlichen Liegeplatz in Verlängerung der Columbuskaje zu schaffen. In den vergangenen Jahren wurden verstärkt Korrosionsschäden an der Stahlspundwand und Ausspülungen von dahinterliegendem Boden festgestellt.

Bei fortschreitender Korrosion ist laut Senatsvorlage davon auszugehen, dass es bereits vor Erreichen der rechnerischen Nutzungszeit von 80 Jahren in einigen Abschnitten zu schweren Schäden oder sogar zum Versagen der Konstruktion kommen wird und das Gesamtbauwerk nicht mehr in der Lage ist, seine Funktion als Ufersicherung der Schleusenzufahrt zu erfüllen. Die Nordschleuse ist neben der Kaiserschleuse eine von zwei Zufahrten zum abgeschleusten Überseehafengebiet. Derzeit passieren jährlich etwa 2000 Seeschiffe die Schleuse. Dabei handelt es sich insbesondere um Automobiltransporter, die die Umschlaganlagen der Autoterminals bedienen.

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