Städtevergleich Bremen bei Abwassergebühren im Mittelfeld

Die Abwasserrechnung kann sehr unterschiedlich ausfallen - je nachdem wo man wohnt. Bremen liegt dabei im Mittelfeld. Es gibt Kritik an den Unterschieden. Die Anbieter entgegnen, sie hätten gute Gründe.
18.06.2020, 20:25
Lesedauer: 3 Min
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Von Burkhard Fraune

Mit 700 Euro lassen sich ein neues Fahrrad kaufen oder die Urlaubskasse aufbessern. 700 Euro ist aber auch der Betrag, den eine Familie beim Abwasser sparen kann, wenn sie von Potsdam nach Worms umzieht. So groß sind die Unterschiede bei der jährlichen Gebührenrechnung, wie das Institut der deutschen Wirtschaft Köln ausgerechnet hat.

Worms steht mit 240 Euro ganz oben auf der Rangliste der größten 100 Städte, die der Eigentümerverband Haus und Grund am Donnerstag präsentierte, und ist damit die Stadt mit den niedrigsten Gebühren. Potsdam rangiert mit 940 Euro auf dem letzten Platz. „Viele Bürger zahlen damit Jahr für Jahr zu viel an Gebühren“, kritisierte Verbandspräsident Kai Warnecke. Für einen Vierpersonenhaushalt im Einfamilienhaus kämen über die Jahre Tausende Euro zusammen. Während viele Städte im Süden Abwasser günstig entsorgten, hätten vor allem Städte an Rhein und Ruhr die Kosten kaum unter Kontrolle.

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Gute Nachrichten gibt es für Bremer Haushalte: „Die Abwassergebühren sind günstiger geworden“, fasste Ingmar Vergau, Geschäftsführer von Haus und Grund in Bremen, die Ergebnisse des Rankings zusammen. In der Hansestadt muss eine Familie nun 545,97 Euro zahlen (Platz 53), 2017 waren es noch 577,30 Euro (Platz 70). „Insgesamt ist Bremen aber leider immer noch mehr als doppelt so teuer wie Worms“, so Vergau.

Der Grund für die gesunkenen Kosten in Bremen ist laut Ranking, das sich auf Angaben der Stadt bezieht, vor allem das niedrige Zinsniveau, das dazu führe, dass Bremen weniger Geld an den Versorgungsbetrieb Hansewasser zahlen müsse. Bremen und Bremerhaven (Stand 2020: 734,26 Euro, Platz 89) sind den Angaben zufolge die einzigen Städte im Wettbewerb, in denen noch eine allgemeine Abwassergebühr erhoben wird.

Abwasserentgelt ist nur eine von vielen Abgaben und Gebühren

Wegen der Abwasserrechnung sollte allerdings niemand den Umzugswagen bestellen. Denn das Abwasserentgelt ist nur eine von vielen Abgaben und Gebühren. In einer Reihe von Städten, die den Bürgern beim Abwasser günstige Tarife bieten, ist die Müllabfuhr überdurchschnittlich teuer – auch dies lässt sich in Ranglisten von Haus und Grund ablesen. Berliner zahlen bei Abwasser und Müll eher viel. Dafür können sie ihre Kinder gebührenfrei in die Kita bringen.

Bleibt die Frage, warum sich der Abwassertarif so deutlich unterscheidet, hier berechnet für die Jahresmenge von 185 Kubikmetern. Die Stadtwerke meinen, dass Äpfel mit Birnen verglichen werden. Die Unterschiede lägen in den besonderen Bedingungen vor Ort begründet, erklärt der Verband kommunaler Unternehmen. So haben manche Städte weit auseinander liegende Siedlungen, andere Berge. Dort sind lange Leitungen und Pumpwerke instand zu halten, das ist teuer. Auch der Verbrauch sei regional sehr unterschiedlich. „Abwasserkanäle sind kein Massenprodukt von der Stange, sondern ein Maßanzug“, sagte ein Verbandssprecher.

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Das gestehen auch die Auftraggeber der IW-Studie zu. Sie erkennen an, dass in wachsenden Städten Gebühren sinken, allein weil sich die Kosten auf mehr Einwohner verteilen lassen – während es in schrumpfenden umgekehrt ist. Wie teuer es ist, Abwasser zu reinigen, hängt zudem auch von Industrie und Landwirtschaft in der Region ab.

Auf Strukturunterschiede ließen sich die enormen Preisunterschiede aber nur zum Teil zurückführen, sagte Warnecke. Es gebe Anbieter, die trotz nachteiliger Struktur günstige Tarife anböten. Bei anderen werde „extrem schlampig“ zulasten der Bürger gearbeitet, kritisierte IW-Forscher Hanno Kempermann.

Günstiges Abwasser im Süden

Auffällig ist, dass die Gebühren im eher wohlhabenderen Süden Deutschlands geringer sind. Worms, Ludwigsburg und Karlsruhe führen die Rangliste an. Zu den günstigsten zehn zählen auch Hanau, Freiburg oder Frankfurt am Main. Im Osten und im Ruhrgebiet schneiden dagegen mehr Städte schlecht ab.

Am unteren Ende der Tabelle finden sich neben Potsdam Mönchengladbach und Wuppertal. Insgesamt sind die Gebühren seit dem letzten Vergleich durch Haus und Grund 2017 jedoch nicht stark gestiegen. Im Durchschnitt fällt die Rechnung heute etwa fünf Prozent höher aus als vor drei Jahren. Das entspricht in etwa der allgemeinen Preisentwicklung.

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