Kommentar über den Brexit Bremen stark betroffen

Bremens Anteil an der lokalen Wertschöpfung im Handel mit Großbritannien ist deutschlandweit am dritthöchsten. Ein No-Deal-Brexit hätte gravierende Folgen für das Land, meint der Wissenschaftler Jan Wedemeier.
01.10.2019, 18:05
Lesedauer: 2 Min
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Von Jan Wedemeier

Die deutsche Wirtschaft steht an der Schwelle zur Rezession. Deutschlandweit erwartet das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) ein Wachstum von 0,6 Prozent für 2019 und aufgrund von Sondereffekten von 1,4 Prozent für 2020. Ergebnisse für das erste Halbjahr zeigen jedoch, dass Bremens Wirtschaft bislang um 0,4 Prozent geschrumpft ist, die Entwicklung also auseinandergeht.

Ausschlaggebend ist, dass die außenwirtschaftlichen Stör- und Risikofaktoren drängender wurden. Die bislang günstige und robuste Entwicklung am Arbeitsmarkt ist deshalb ins Stocken geraten. Eine Ausweitung des Handelskonflikts sowie der Aufbau zusätzlicher Handelshemmnisse würde die weltwirtschaftliche Entwicklung weiterhin dämpfen. Nach einer langen Aufschwungphase befindet sich auch die Wirtschaft in zunehmender Zurückhaltung. Die schwache globale Investitionsgüternachfrage trifft insbesondere das deutsche Exportgeschäft. Hiervon ist auch Bremen betroffen, dessen Wirtschaft eine hohe Industriespezialisierung und eine der höchsten Exportquoten Deutschlands aufweist. Als marktoffener Standort werden die Auswirkungen der Handelskonflikte weiterhin zu spüren sein. Im Oktober steht zudem eine Entscheidung im Brexit-Schauspiel bevor.

Zu bedenken gibt, dass unter anderem der Fahrzeugbau mahnende Worte hinsichtlich eines sehr wahrscheinlich gewordenen No-Deals findet. Eng verflochtene Wertschöpfungsketten und ein relativ hoher Anteil an Vorleistungen verdeutlichen die gegenseitige Abhängigkeit. Langfristige wirtschaftliche Schäden eines Brexits würden vor allem im Industriebereich und den damit verbundenen Sektoren entstehen. Bei der Regionalisierung der gesamtwirtschaftlichen Effekte eines Brexits deutet sich an, dass Bremen überdurchschnittlich betroffen wäre. Der Anteil der lokalen Wertschöpfung am Handel mit Großbritannien ist deutschlandweit am dritthöchsten.

Fraglich ist, ob Bremen auf einen eventuell kommenden No-Deal eingestellt ist. Es ist damit zu rechnen, dass sich die Entwicklung auf das Einkommen, auf die Steuern und auf die Beschäftigung auswirken wird. Hinzu kommen die weiteren schwelenden Handelskonflikte, bei denen sich keine Lösungen zeigen. Die Unsicherheiten verursachen Investitionszurückhaltungen bei den Unternehmen. Lösungsansätze sind auf bremischer Politikebene nur eingeschränkt möglich, dennoch ist es sinnvoll, dass unter anderem die Tarifpartner sowie zuständige Senatoren Handlungsansätze rechtzeitig in den Blick nehmen, um mögliche Folgen abfedern zu können.

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ist seit 2007 als Wissenschaftler am Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut tätig. Das HWWI unterhält seit 2011 auch eine Niederlassung in Bremen.

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