Mehr als nur die Stadtmusikanten

Bremen will besser für sich werben

Tourismuszentrale und Wirtschaftsförderung erkennen, dass sie Bremens Vorzüge besser herausstellen müssen. Warum dafür allein Esel, Katze, Hund und Hahn nicht ausreichen, und was die Verantwortlichen planen.
14.01.2019, 20:01
Lesedauer: 3 Min
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Bremen will besser für sich werben
Von Stefan Lakeband

Die drei Herren sind sich einig: Bremen ist wirklich eine tolle Stadt. Lebenswert, wirtschaftsstark, attraktiv für Touristen. Trotzdem, und auch da herrscht Einigkeit, müsse sich etwas ändern. Stärken stärken, den Vorsprung ausbauen, präsenter sein – auf diese Formeln lässt sich in etwa das herunterbrechen, was Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD), Andreas Heyer, Chef der Bremer Wirtschaftsförderung (WFB), und Touristikzentralen-Chef Peter Siemering am Montag vorgestellt haben. Sie wollen das Marketing für die Hansestadt neu aufstellen und verbessern.

Grundlage für diesen Plan ist der Zusammenschluss von WFB und Touristikzentrale: Wenn im Frühjahr die Jahresabschlüsse der beiden Gesellschaften vorliegen, soll es losgehen mit dem neuen Marketing. Das zielt nicht nur auf Touristen ab. Auch Fachkräfte und Unternehmen sollen hierher gelockt werden. „Wir stehen in Deutschland in einem enormen Wettbewerb“, sagt Siemering. Immerhin gebe es 76 Großstädte in der Bundesrepublik. Deswegen brauche die Hansestadt jetzt ein starkes Profil.

„Wir wollen Bremen wie ein Unternehmen sehen“, sagt der Tourismuschef, der seit Sommer zusätzlich Geschäftsführer der WFB ist. Die Grundvoraussetzung dafür sei aber ein gutes Angebot. „Wir müssen an unseren Produkten in der Stadt arbeiten, unsere Angebote optimieren und vor allem mit einer Stimme sprechen“, sagt Siemering. Die Produkte, das sind unter anderem attraktive Museen, konkurrenzfähige Hochschulen und alles andere, was die Lebensqualität einer Stadt eben ausmacht.

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Nach Vorstellung von Heyer, Günthner und Siemering sollen auch die Bremer selbst dabei helfen, das Profil ihrer Heimatstadt zu finden und zu schärfen. „Mit ihnen werden wir uns in den nächsten Monaten auf die Suche nach der ‚Bremen-DNA‘ begeben“, sagt Siemering. Eine Bürgerbefragung solle ergeben, wofür Bremen stehe. Das könnten etwa die Stadtmusikanten sein oder der Spruch „buten un binnen – wagen un winnen“, der am Portal des Schüttings angebracht ist. Außerdem sollten Bremer, aber auch Vereine zu Markenbotschaftern werden.

„Es dauert Jahrzehnte, ein Image aufzubauen“

Mit den vier Märchenfiguren habe man schon jetzt ein einzigartiges Logo, etwas, das nur mit der Hansestadt in Verbindung gebracht werde. Siemering kann sich daher gut vorstellen, dass stolze Bremer etwa einen Stadtmusikanten-Aufkleber an ihrem Auto anbringen oder Logistikunternehmen die vier Tiere auf ihre Lkw-Planen drucken, um die Stadt in die Welt zu tragen. Schnelle Erfolge verspricht er sich aber nicht. „Es dauert Jahrzehnte, ein Image aufzubauen.“

Kurzfristiger ist hingegen eine Initiative, um die Wirtschaft der Region zu stärken. Die Hansestadt ist zum Jahreswechsel ein Teil des Northern German Innovation Office in San Francisco geworden. Das Büro wurde vergangenen Sommer von Schleswig-Holstein und Hamburg eröffnet, Bremen stößt nun etwas später dazu. Die Idee dahinter: Die drei Bundesländer präsentieren sich gemeinsam in den USA, knüpfen Verbindungen.

Vor allem geht es aber darum, Trends aus dem nahe gelegenen Silicon Valley aufzuspüren und herauszufinden, wie die Wirtschaft in der Region sie nutzen könnte. Damit unterscheidet sich der Auftrag des Auslandsbüros von dem der anderen Bremen-Dependancen. An den Standorten im türkischen Izmir, in Vietnam und Schanghai gehe es vor allem darum, den Wirtschaftsstandort Bremen zu bewerben und Unternehmen in die Hansestadt zu locken, sagt Heyer.

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Zum neuen Standortmarketing gehört aber auch, Fachkräfte in die Hansestadt zu holen. Geeignetes Personal zu finden, werde für immer mehr Unternehmen zu einer großen Herausforderung, sagt der WFB-Chef. So hatte beispielsweise vor einem Jahr ein Vorstand des Bremer Raumfahrtunternehmens OHB beklagt, es falle schwer, neue Mitarbeiter zu gewinnen.

Viele würden sich gegen einen Job in Bremen entscheiden, weil Kriminalität, unterdurchschnittliche Schulen und die Verschuldung ein schlechtes Licht auf die Stadt werfen würden. „Bremen“, hieß es damals, „ist eine graue Maus.“ Ein Vorstand der Multimediaagentur Hmmh ergänzte wenig später und sagte: „Das Marketing der Stadt verdient eine Sechs minus.“

Vorzüge Bremens bekannter machen

Eine Reaktion auf die Vorwürfe von damals sei das neue Standortkonzept aber nicht, macht Siemering deutlich. „Bremen ist keine graue Maus.“ Es ginge vielmehr darum, die Vorzüge Bremens nun bekannter machen zu wollen. Das soll unter anderem mit einem Portal für Fachkräfte geschehen. „Die Unternehmen wollen sehen, dass wir sie unterstützen“, sagt Siemering. Daher habe man in einem ersten Schritt analysiert, welche Art Fachkräfte in Bremen fehlten. Die Antwort: solche mit Kompetenz im Digitalen, also Programmierer, aber auch Personal, das auf die Digitalisierung eingestellt sei. Diese Klientel könne nun gezielt angesprochen werden.

„Daher erarbeiten wir derzeit im Auftrag des Wirtschaftssenators gemeinsam mit Verbänden, Hochschulen und Unternehmen eine Standortmarke für Bremen, die mit Marketing- und Kommunikationsmaßnahmen das Profil Bremens als lebenswerte Stadt stärken soll“, sagt Siemering. Zwei Workshops habe es bereits gegeben, weitere sollen noch folgen.

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