Unternehmen gründen maritimes Kompetenznetzwerk Bremen will mehr Sicherheit auf See

Bremen. Jedes der fünf Bremer Unternehmen für sich ist längst erfolgreich und auf dem jeweiligen Sektor Weltspitze. Jetzt wurde ein Vertrag über die Gründung des neuen Netzwerks (Clusters) 'Maritime Sicherheit' unterzeichnet.
02.03.2010, 05:50
Lesedauer: 2 Min
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Von Krischan Förster

Bremen. Jedes der fünf Bremer Unternehmen für sich ist längst erfolgreich und auf dem jeweiligen Sektor Weltspitze. Auf, am oder unter dem Wasser, in der Luft und sogar im All. Künftig wollen sie gemeinsam auf den Meeren aktiv werden: Gestern wurde unter Regie der Wirtschaftsbehörde ein Vertrag über die Gründung des neuen Netzwerks (Clusters) 'Maritime Sicherheit' unterzeichnet.

Es ist ein schlagkräftiges Bündnis, das sich da formiert: die Raumfahrtunternehmen OHB und EADS Astrium, die Rüstungsfirmen Rheinmetall und Atlas Elektronik, die Reederei 'Beluga Shipping' sowie als Koordinierungsstellen das Zentrum für Kommunikation, Erdbeobachtung und Navigationsdienste (CEON) und die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB). Sie sollen ihre Kompetenzen bündeln, mit Raumfahrt und maritimer Wirtschaft zwei ausgewiesene Stärken Bremens zusammenbringen und vom Start weg gleich im weltweiten Vergleich den Takt vorgeben. 'Wir wollen hier Europas führendes Kompetenzzentrum aufbauen', sagte gestern Wirtschaftsstaatsrat Heiner Heseler.

Beim Thema 'Containerüberwachung' ist das bereits gelungen. Das von einem Konsortium aus EADS Astrium, Hellmann und Eurogate entwickelte Überwachungssystem 'SecureSystem' ist bislang konkurrenzlos, es soll sich als Alternative zu dem von den USA geforderten lückenlosen Scannen aller Seecontainer entwickeln und gutes Geld in die Kassen bringen.

Diesem Einzelprojekt sollen möglichst viele weitere folgen. Bereits definiert wurden als zentrale Themen Hafen- und Verkehrssicherheit, Logistik, Umwelt, Schiffssicherheit und Ressourcensicherheit, jeweils eines der beteiligten Unternehmen soll dabei die Führung übernehmen. Der Fantasie sind zunächst keine Grenzen gesetzt. Neben diversen Überwachungs- und Kommunikationssatelliten im All könnten künftig auch unbemannte Flugzeuge über der deutschen Bucht kreisen oder autonome Unterwasserfahrzeuge durch die Nordsee patrouillieren. Ausgestattet mit hoch sensiblen Sensoren oder Kameras, vernetzt mit Sicherheitsanlagen an Land und auf Schiffen. Klingt wie eine Utopie, ist es aber nicht. Denn die Einzelkomponenten sind längst entwickelt.

Allerdings haben die Firmen bislang eher selten miteinander, viel häufiger dagegen in Konkurrenz zueinander gearbeitet. Wie zuletzt das Ringen von OHB und Astrium um den Zuschlag für die Galileo-Satelliten gezeigt hat. Künftig sollen sie zum beiderseitigen Wohl gemeinsame Sache machen und ihr Knowhow mit dem der anderen Partner verschmelzen. Mit der Schwergutreederei Beluga, um Schiffe auf dem Meer schneller und besser orten zu können. Das könnte im Kampf gegen die am Horn von Afrika grassierende Piraterie helfen, hieß es gestern. Oder mit Atlas oder Rheinmetall, um zum Beispiel für die gesamte Deutsche Bucht über und unter Wasser ein umfassendes Überwachungssystem zu entwickeln, das nicht nur dem Anti-Terror-Kampf oder der besseren Verfolgung von Warenströmen dienen könnte. Fortgeschrittenste Technologie mache es auch möglich, sagte OHB-Vorstand Fritz Merkle, selbst kleinste Meeresverschmutzungen zu entdecken und somit die Umwelt effektiver schützen zu können.

Es steckt aber noch mehr hinter dem Netzwerk-Gedanken: Gemeinsam soll es besser gelingen, spartenübergreifend innovative Konzepte und anwendungsreife Technologien zu entwickeln. Dafür dürften beim Bund und bei der EU auch mehr Forschungsmittel zu bekommen sein. 'Wenn sich künftig auf diesem Gebiet etwas bewegt, wollen wir ganz vorn mit dabei sein', sagt CEON-Chef Stephan Holsten.

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