Bremerhaven Bremenports verkauft Immobilien in Weddewarden

Bremerhaven. Den Fuß wieder aus Weddewarden nehmen: Das will die Hafengesellschaft Bremenports nach mehr als 20 Jahren. Sie verkauft Häuser und Wohnungen, die der Stadt Bremen gehören. 'Wir benötigen sie nicht mehr', sagt der Bremenports-Chef Stefan Woltering.
20.10.2010, 05:00
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Von Frank Miener

Bremerhaven. Den Fuß wieder aus Weddewarden nehmen: Das will die Hafengesellschaft Bremenports nach mehr als 20 Jahren. Sie verkauft Häuser und Wohnungen, die der Stadt Bremen gehören. 'Wir benötigen sie nicht mehr', sagt der Bremenports-Chef Stefan Woltering. Und beendet damit auch eine Drohgebärde, die an das Dorf in Bremerhavener gerichtet war.

Die ist in den Planungsphasen der Containerterminals III bis IV entstanden, berichtet Woltering. Damals habe es auch Überlegungen gegeben, das ganze Dorf im Norden der Stadt zugunsten der Häfen aufzugeben. Aus diesem Grund hatte das damalige Hansestadt Bremische Amt (HBA) damit begonnen, Häuser aufzukaufen. 'Das wurde dann auch mit Hilfe der Bürgergemeinschaft verhindert', erzählt Woltering. Damit hatte man auch einen anderen Weg eingeschlagen als Hamburg: Dort wurde für den Bau eines Terminals das Fischerdorf in Finkenwerder geopfert. In Weddewarden ist das nicht passiert.

Dorf und Hafen existieren nebeneinander. Dazu gehören auch die Immobilien, die jetzt vor den Verkauf stehen. Bremenports ist Nachfolger des HBA und hat die Häuser und Wohnungen samt Mietern übernommen: 'Jetzt bieten wir ihnen vorrangig die Gelegenheit, die Immobilien zu erwerben.' Der Kaufpreis ist dabei der sogenannte Verkehrswert.

Woltering: Hohe Wohnqualität trotz Containerterminal

'In Weddewarden gibt es eine hohe Wohnqualität', schätzt Woltering die Lage im Stadtteil ein. Trotz des Lärms, den der Betrieb des CT IV nun einmal erzeuge, könne man dort gut leben. Das sehen auch die Vertreter der Bürgergemeinschaft Weddewarden (BGW) so. Sie begrüßt die Verkaufsentscheidung, da sie die Weiterentwicklung des Dorfes ermögliche. 'Der Ankauf damals war eindeutig als Störung gedacht', sagt Ulf Jacobsen aus dem Sprechergremium.

Erst wenn die Immobilien reprivatisiert seien, ist das geforderte Signal aus Bremen endlich da: 'Das historische Dorf wird erhalten.' 900 Jahre ist Weddewarden alt, ein Dorf, das von viel Grün von der Stadt Bremerhaven getrennt ist. Das hat auch die Weddewarder zusammengeschweißt, die in den vergangenen Jahren ihren Frieden mit dem Containerterminal gemacht haben. 'Allerdings', wendet Johann P. Tammen von der BGW ein, 'ist noch nicht alles erledigt. Wir stehen vor der Chance, hier alles nach vorne zu bringen.'

Wohnungen sind nicht im besten Zustand

In bestem Zustand sind die zehn Einfamilien-, je drei Zwei- und Dreifamilienhäuser sowie Wohnungen allerdings nicht. Bremenports hat sich zwar um die Instandhaltung und Reparaturen gekümmert, mehr aber nicht. 'Wir sind eine Hafen- und keine Immobiliengesellschaft', sagt Woltering, 'daher hat es keine strategische Entwicklung gegeben.' Die Gesellschaft sei als öffentliches Unternehmen gesetzlichen Wirtschaftlichkeitsvorgaben unterworfen, die irgendwann zu Abrissen geführt hätten. Das wird durch den Verkauf jetzt vermieden.

'Vorrangig sprechen wir die jetzigen Mieter an', erläutert Woltering. Erst dann gehen die Häuser an den Markt. Wie die BGW ist er der Auffassung, dass Immobilienspekulanten Weddewarden nichts zu suchen haben. 'Unser Interesse ist der Zusammenhalt, und dass wir dort leben können', betont Tammen. Die Nachbarschaft müsse erhalten bleiben. Die Bürgergemeinschaft fordert auch weitere Schritte zur Entwicklung Weddewardens vom Magistrat. 'Die Stadt Bremerhaven ist hier am Zug', sagt Jacobsen. Der Masterplan liege vor, aber nichts passiere.

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