Bessere Güterverbindung für die Hansestadt

Per Albatros auf die Schiene

Seit dieser Woche ist Bremen besser an das weit verzweigte Zugnetz von TFG Transfracht angeschlossen. Welchen Vorteil das für die Hansestadt bedeutet im Zusammenspiel mit Wilhelmshaven, Bremerhaven und Hamburg.
11.09.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Florian Schwiegershausen und Peter Hanuschke
Per Albatros auf die Schiene

In normalen Zeiten werden bei Roland Umschlag im Güterverkehrszentrum täglich gut 1000 Container zwischen Lkw und Güterzug verschoben. Durch die Züge fahren in der Region täglich 450 Lkw weniger.

Florian Schwiegershausen

Um 0.59 Uhr erhält Christoph Holtkemper die wichtige Nachricht auf sein Smartphone: Der Transfracht-Güterzug ist im Bremer Güterverkehrszentrum (GVZ) auf dem Gleis von Roland Umschlag eingetroffen. Dort ist Holtkemper der Geschäftsführer und der Zug ist eine Premiere. „Ich habe auch auf unsere Webcam geschaut, von der wir einen Blick auf unsere Gleise haben“, sagt er Stunden später. Dennoch erhält er in der Nacht von den Mitarbeitern vor Ort stündlich aktuelle Updates. Um vier Uhr wird der Zug dann mit Containern beladen, spätestens um sechs Uhr ist alles fertig. Um sieben Uhr morgens kommen die Gäste ans Gleis, darunter Vertreter von TFG Transfracht mit Bernd Pahnke als Sprecher der Geschäftsführung sowie Bremens Häfenstaatsrat Tim Cordßen und Bremenports-Chef Robert Howe.

Nur die geplante Abfahrt um 7.30 Uhr verzögert sich etwas. Nachdem der Zug an die Diesellok gekoppelt worden ist, die ihn auf die Gleise der Deutschen Bahn zieht, läuft der Wagenmeister nochmals den ganzen Zug auf beiden Seiten ab, um sicherzugehen, dass alle Container fest auf den Güterwaggons sitzen. Gegen acht Uhr setzt sich der Tross schließlich in Richtung Maschen in Bewegung. Damit ist Bremen ans Albatros-Netz von TFG Transfracht angeschlossen.

Eine „Win-win-Situation“

Für das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn ist die Partnerschaft mit Roland Umschlag eine „Win-win-Situation“, sagt Transfracht-Sprecherin Agatha Sick. Roland Umschlag sei der Platzhirsch in Bremen, mit dem man schon in anderen Bereichen sehr partnerschaftlich und vertrauensvoll zusammenarbeite. „Diese Basis hat auch die neue Kooperation beflügelt, die wir mit dem Ziel verfolgen, den Standort Bremen in unserem bestehenden Albatros-Express-Netzwerk zu erschließen und zeitgleich Bremen erstmalig und flächendeckend mit über 100 neuen Verbindungen an die Länder Deutschland, ­Österreich und an die Schweiz anzubinden.“ Zudem stärke man mit diesem Güterzug den Standort Wilhelmshaven mit seinem Jade-Weser-Port. Bedeutend durch den Ausbau des Schienentransportes sei die Verlagerung weiterer Lkw-Transporte, insbesondere der lokalen Bremer-Menge, von der Straße auf die umweltfreundliche Schiene.

Christoph Holtkemper sagt: „Wenn auf dem Zug Platz ist, können wir noch bis eine halbe Stunde vor Abfahrt einen Container zusätzlich draufsetzen, wenn das gewünscht ist. So flexibel sind wir.“ Sollte es vom Zeitfenster her passen, würden sie mit der Abfahrt auch etwas warten, wenn sie wissen, dass auf einem anderen Zug, der zeitnah einfährt, ein Container drauf ist, der auf den Albatros-Zug mit drauf soll.

Bremen mit am Netz: Zur Abfahrt des neuen Zugs schneidet der Geschäftsführer von Roland Umschlag, Christoph Holtkemper (Mitte links), das blau-grüne Band zusammen mit dem Sprecher der Geschäftsführung von TFG Transfracht, Bernd Pahnke, durch.

Bremen mit am Netz: Zur Abfahrt des neuen Zugs schneidet der Geschäftsführer von Roland Umschlag, Christoph Holtkemper (Mitte links), das blau-grüne Band zusammen mit dem Sprecher der Geschäftsführung von TFG Transfracht, Bernd Pahnke, durch.

Foto: Fotos: Schwiegershausen

TFG Transfracht gibt es seit 1969 und gilt als Marktführer im Hinterlandverkehr der deutschen Seehäfen für Container. Mit ihrem flächendeckenden Albatros-Express-Netzwerk verbindet das Unternehmen nach eigenen Angaben täglich die Häfen Hamburg, Bremerhaven, Wilhelmshaven, Koper und Rotterdam mit über 15.000 Orten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das Transportvolumen lag im vergangenen Jahr bei einer Million Standardcontainer. Dass Transfracht dem Netzwerk den Namen Albatros gegeben hat, begründet das Unternehmen damit, dass der Albatros in der Natur als Musterbeispiel für Leistungsstärke, Ausdauer und enorme Reichweite stehe.

In den Monaten, in denen die Reedereien den Schiffsverkehr von und nach China eingestellt hatten, gab es auch bei Roland Umschlag weniger zu tun. „Trotzdem habe ich keine Kurzarbeit beantragt“, sagt Holtkemper. Auf der Anlage im GVZ werden Container vom Lkw auf die Schiene verladen und auf die Reise geschickt. Nach der Abfahrt des Zuges sagte Pahnke anschließend bei einem kleinen Frühstück, dass dies das 23. Terminal ist, das TFG Transfracht anfährt. Zeitnah sollen noch ein 24. und ein 25. Terminal hinzukommen. Pahnke und Holtkemper unterschrieben dazu ihre Vereinbarung der Zusammenarbeit, die erst mal über fünf Jahre laufen soll. Der Geschäftsführer von Roland Umschlag sagte: „Es liegt nun an uns, dass der Zug langfristig vollgeladen unsere Gleisanlage verlässt. Dafür werden wir hart arbeiten, sodass TFG Transfracht in ein paar Jahren im Rückblick sagen kann ‚Das war damals eine gute Entscheidung, Bremen als 23. Terminal ans Albatros-Netz anzuschließen‘.“

Zehn Kilometer lange Gleisanlage

Heute arbeiten auf dem 260.000 Quadratmeter großen Gelände im GVZ 58 eigene Mitarbeiter zusammen mit 15 Kräften von anderen Firmen. Sie sorgen in normalen Zeiten für den täglichen Umschlag von rund 1000 Einheiten. Das Terminal für den kombinierten Ladungsverkehr verfügt über eine insgesamt zehn Kilometer lange Gleisanlage. 5670 Meter an Nutzgleisen stehen dabei für acht Ganzzüge zur Verfügung. Zwei Krananlagen überspannen je vier Gleise und sorgen gemeinsam mit zehn Staplern für den schnellen Umschlag der Boxen und Wechselbehälter. Auch Schwergutumschlag findet statt – da kann es schon mal um Gewichte bis zu 45 Tonnen gehen.

Inzwischen organisiert Roland Umschlag bis zu 42 Züge wöchentlich mit einer Kapazität von etwa 3750 Standardcontainern. Sie verkehren vorwiegend zwischen den Seehäfen Bremerhaven, Wilhelmshaven und Hamburg. „In Wilhelmshaven sind wir längst größter Bahnoperator“, fügt Holtkemper an. „Damit sorgen wir dafür, dass auf der A 1, A 28 und A 29 täglich etwa 450 Lkw weniger fahren.“ Und damit werden laut Holtkemper jeden Monat 1500 Tonnen CO2 eingespart.

Die Mitarbeiter von Roland Umschlag reparieren außerdem täglich 100 Container – sowohl Löcher als auch schlecht schließende Türen. Ebenso gehört der Handel mit gebrauchten Seecontainern zum Geschäft.

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