Kammer legt Bericht zur sozialen Lage vor Bremens Arbeitnehmerschaft altert

Die Bremer Arbeitnehmerschaft altert – fast jeder dritte Beschäftigte ist schon heute über 50 Jahre alt. Das bringt Probleme mit sich, für die es in den Unternehmen keinen systematischen Umgang gibt.
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Bremens Arbeitnehmerschaft altert
Von Jörn Hüttmann

Die Bremer Arbeitnehmerschaft altert – fast jeder dritte Beschäftigte ist schon heute über 50 Jahre alt. Das bringt Probleme mit sich, für die es in den Unternehmen keinen systematischen Umgang gibt. Zu diesem Ergebnis kommt die Arbeitnehmerkammer in ihrem aktuellen Bericht zur sozialen Lage. Zusätzliche Sorgen macht den Experten der Rest der Babyboomer-Generation, der langsam auf die Rente zugeht.

Rente mit 67, demografischer Wandel, hohe Arbeitsbelastung – „man läuft sehenden Auges in eine Situation, die nicht bewältigbar ist“, sagt Elke Heyduck. Dass mit den Babyboomern, den geburtenstarken Jahrgängen von 1959 bis 1968, große Teile der Beschäftigten immer älter werden, sei äußerst problematisch, sagt die Geschäftsführerin der Bremer Arbeitnehmerkammer. Denn es sei nicht zu erwarten, dass die Mehrheit der Beschäftigten das vorgeschriebene Rentenalter in ihren Berufen erreichen könne.

Schon heute sind 31 Prozent der Bremer Arbeitnehmer älter als 50 Jahre. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Bericht zur sozialen Lage der Arbeitnehmerkammer. Wie sehr die Beschäftigungsquote der älteren Arbeitnehmer steigt, zeigt ein Vergleich mit 1999: In der Gruppe der 55- bis 59-Jährigen arbeitet heute jeder Zweite, ein Plus von 14 Prozent. Bei den 60- bis 64-Jährigen hat sich die Quote auf ein Drittel mehr als verdreifacht. Der Anstieg gehe wesentlich auf die Babyboomer zurück, sagt Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer. „Das ist momentan die größte Gruppe auf dem Bremer Arbeitsmarkt. Noch sind sie das Rückgrat der Bremer Unternehmen.“

Krankenpfleger sind "demografisch überaltert"

Trotz der gestiegenen Quoten zeige der Bericht aber auch, dass relativ viele Beschäftigte nicht bis zur Regelaltersgrenze arbeiten, sagt Schierenbeck. Gegenüber früheren Generationen seien die Babyboomer dabei in drei Punkten benachteiligt. „Sie müssen länger arbeiten, erhalten weniger Rente und es fehlt an Übergangsmöglichkeiten zwischen Beschäftigung und Rente, die es früher gegeben hat.“ Ob die Arbeitnehmer die längere Arbeitszeit bis zur Rente mit 67 bewältigen können, hänge wesentlich davon ab, wie die Unternehmen sie einschätzen. „Sind sie die alten Hasen, auf deren Know-how man besonderen Wert legt, oder gehören sie eher zum alten Eisen, das man loswerden will?“

An diesem Punkt sieht die Arbeitnehmerkammer Nachholbedarf bei den Bremer Unternehmen, deren Betriebsräte für den aktuellen Bericht interviewt worden sind. „In all den Unternehmen bis hin zu großen Metallbetrieben – auch Arcelor Mittal war mit dabei – gibt es keinen systematischen Umgang mit der demografischen Situation“, sagt Elke Heyduck. Zwar gebe es immer wieder individuelle Lösungen, wie etwa einen Zuschuss fürs Fitnessstudio, immer dann wenn ein Arbeitnehmer nicht mehr könne. „Da haben auch alle ihre Betriebsleitungen gelobt.“ Die Welle der Babyboomer sei jedoch mit solchen individuellen Lösungen nicht zu bewältigen. Gleichzeitig gebe es aus Kostengründen in den meisten Unternehmen kaum noch Schonarbeitsplätze.

Bei den 7800 Bremer Krankenpflegern wird diese Entwicklung besonders deutlich. „Diese Berufsgruppe muss als demografisch überaltert gelten“, sagt Elke Heyduck. In fünf Jahren werde bei gleichbleibender Entwicklung die Gruppe der über 55-jährigen Pfleger die größte sein. Gleichzeitig bleiben nur die wenigsten über 62 Jahren aufgrund der großen körperlichen Belastung noch im Job. „In Krankenhäusern ist es häufig nicht möglich, Ältere vom Schichtdienst zu entlasten, weil der Nachwuchs fehlt.“

Um die Situation abzufedern, sehen die Experten von der Arbeitnehmerkammer Handlungsbedarf auf zwei Feldern. Zum einen müsse der Kündigungsschutz für Ältere verbessert werden. „Solange nicht ein Schonarbeitsplatz angeboten wurde, sollte auch aus gesundheitlichen Gründen nicht gekündigt werden können“, sagt Elke Heyduck. „Im Moment trägt allein der Arbeitnehmer das Risiko, ob er es bis zur Rente schafft.“ Auf der anderen Seite, müssten die Übergangsmöglichkeiten in die Rente wieder ausgebaut werden, sagt Ingo Schierenbeck. „Da ist der Gesetzgeber gefordert."

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