Eine Lanze brechen für die Ausbildung Bremens beste Handelsazubis geben Tipps für den Berufsstart

Sie sind die besten 40 Bremer Handelsazubis in diesem Jahr. Dafür wurden sie nun von der Hermann-Leverenz-Stiftung geehrt. Wie sie sich an ihre Ausbildung erinnern, und was sie anderen Azubis für Tipps geben.
24.10.2018, 22:48
Lesedauer: 4 Min
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Bremens beste Handelsazubis geben Tipps für den Berufsstart
Von Florian Schwiegershausen

An so manchen Abenden am Freitag und Samstag hat Joana Holsten am Schreibtisch gesessen und gelernt, während ihre Freunde auf die Piste gegangen sind. Doch für die 22-Jährige hat es sich gelohnt. Am Dienstag wurde sie mit dem Preis der Hermann-Leverenz-Stiftung als Bremens beste Handelsauszubildende geehrt.

Die Industriekauffrau hat 99 von 100 Prozent erreicht. Ihre Ausbildung hat sie beim Bremer Dentaltechnikunternehmen Bego im Technologiepark gemacht. Als Beste von allen musste sie auch die Rede halten und erinnerte dabei an ihren ersten Tag in der Berufsschule an der Grenzstraße: „Vielleicht ist es den anderen auch so gegangen, dass sie am ersten Tag nicht wussten, wo sie hinmüssen.“

Dort in der Berufsschule habe sie viel gelernt und dankte ihren Lehrern. Was die Ausbildung im Betrieb angeht, sagte sie: „Man merkt, dass Bego ein Familienunternehmen ist. Hätte ich während meiner Ausbildung ein Problem gehabt, hätte ich mich jederzeit an den Geschäftsführer Christoph Weiss wenden können. Davon musste ich aber keinen Gebrauch machen.“

Ab jetzt Werksstudentin

Für Holsten ist die Ausbildung eine gute Berufsgrundlage. Sie hat jetzt in Bremen ihr Studium der Wirtschaftsinformatik aufgenommen. „Bei Bego werde ich aber weiter als Werksstudentin arbeiten“, freut sich die 22-Jährige. Christoph Weiss wiederum freut sich, dass seinem Unternehmen auf diese Weise Bremens beste Handelsauszubildende erhalten bleibt.

Insgesamt wurden 23 Kauffrauen und zwölf Kaufleute aus zehn verschiedenen Berufsbildern ausgezeichnet. Dazu kamen noch vier Fachinformatiker sowie ein Tierpfleger, der im Zoo am Meer arbeitet. Zu besten Azubis gehört auch Fabio Holsten.

Der 21-jährige Industriekaufmann hat bei CSM Bakery Solutions gelernt, einem führenden Unternehmen für Backzutaten, Produkte und Services. Was er aus seiner Ausbildung mitgenommen hat: „Also Jura werde ich wohl nicht studieren. Denn das mit den Gesetzestexten während der Ausbildung, da muss man sich ganz schön Zeit für nehmen. Das habe ich mir einfacher vorgestellt.“ Aber auch das hat sich für Holsten gelohnt, denn sein Arbeitgeber hat ihn übernommen – unbefristet.

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André Grobien lobte als Verwaltungsratsmitglied der Hermann-Leverenz-Stiftung die Leistungen der Berufsstarter: "Ich bin mir sicher, dass Sie alle hart gearbeitet und viel geleistet haben, um einen solchen Berufsabschluss zu erreichen.

Denn wer alleine seinem Talent vertraut, erreicht am Ende oftmals weniger als andere, die ihre Aufgaben mit viel Ehrgeiz und Engagement angehen." Arbeit allein sei aber auch nicht alles, wie Grobien ergänzte: "Vergessen Sie bei all ihrem Einsatz aber nicht, zwischendurch mal Luft zu holen und das Leben zu genießen."

So sieht es auch Svenja B., die als Einzelhandelskauffrau bei H & M arbeitet. Sie rät angehenden Azubis: "Genießt diese Zeit, bevor es richtig losgeht mit dem Berufsleben. Während der Ausbildung hat man noch etwas mehr Zeit. Die soll man genießen."

„Ich war positiv überrascht“

Sie ist 29 Jahre alt und hat sich damit erst spät zu einer Ausbildung entschieden. Angesichts dessen sagte sie: „Ich war positiv überrascht, wie gut mir die Berufsschule gefallen hat.“ Ihren Unterricht hatte sie an der Berufsschule für Einzelhandel und Logistik an der Carl-Goerdeler-Straße in der Vahr.

„Die Schule war gut, und die Lehrer waren auch gut“, fasst die Einzelhandelskauffrau ihre Erfahrungen zusammen. Bei dem Ausbildungsergebnis ist es selbstredend, dass ihr Betrieb sie übernommen hat.

Was die Ausbildung angeht, verwies André Grobien in seiner Rede auf den aktuellen Bildungsmonitor vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Demnach sei die berufliche Ausbildungsqualität im Lande Bremen seit Jahren auf einem hohen Niveau: „Jeder, der ausbildungsfähig und ausbildungswillig ist, hat auch die Chance, einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Es ist mittlerweile sogar so, dass viele Betriebe händeringend nach engagiertem Nachwuchs suchen.“

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Laut der Studie ist bei der beruflichen Bildung das Angebot an Ausbildungsplätzen in Relation zur Bevölkerung sehr hoch. Das Land Bremen belegt hier den zweiten Rang hinter Hamburg. Grobien richtete seinen Dank auch an die Ausbilder und die Lehrer in den Berufsschulen.

Dass der Zustand an mancher Berufsschule nicht der beste ist, ist nicht neu. Fabio Holsten erinnert sich: „In manchen Räumen war es im Winter schon kalt, aber es ging.“ Das ist auch von der Berufsschule für Groß- und Außenhandel in der Ellmersstraße bekannt.

Aber auch da findet Nicolas Walter, es gibt Schlimmeres: „Da habe ich alles mitgekriegt, was ich für den Job brauchte.“ Der Schifffahrtskaufmann hat seine Ausbildung bei Sloman Neptun gemacht und erinnert sich noch an seine ersten Tage vor drei Jahren: „Wenn es klingelte, und man nahm den Hörer ab, wusste man anfangs gar nicht so richtig, was man sagen sollte.“

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Und wenn jemand vom anderen Ende der Welt anruft, war trotz guter Englischkenntnisse nicht sicher, dass man ihn versteht. Sein Tipp an andere: „Ruhig zu mittelständischen oder kleinen Unternehmen gehen, weil man da mehr machen kann. Und egal wo, immer fragen, fragen, fragen.“ Der 22-Jährige arbeitet selbst gerade in Dänemark. Der Job sei genau sein Ding.

Als Anerkennung für ihre guten Leistungen haben die Azubis Geldpreise von der Hermann-Leverenz-Stiftung erhalten. Leverenz, damals Vorstandsmitglied des Bankhauses Neelmeyer, gründete 1965 seine Stiftung, um jungen Menschen zu zeigen, dass sich gute Leistungen lohnen.

Gelohnt hat es sich auch für Lea Hashagen, die ebenfalls am Dienstag als eine der 40 Besten geehrt wurde. Sie hat bei der Bremer Tageszeitungen AG erfolgreich ihre Ausbildung zur Industriekauffrau abgeschlossen.

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