Zahl der Institute nimmt weiter ab Bremens schleichendes Bankensterben

Bremens Bankenlandschaft wird immer kleiner: So hat in den vergangenen Jahren nicht nur die Zahl der Institute, sondern auch die der Mitarbeiter weiter abgenommen. Ein Überblick.
30.01.2017, 00:00
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Bremens schleichendes Bankensterben
Von Maren Beneke

Bremens Bankenlandschaft wird immer kleiner: So hat in den vergangenen Jahren nicht nur die Zahl der Institute, sondern auch die der Mitarbeiter weiter abgenommen. Ein Überblick.

Bremens Bankenlandschaft wird immer kleiner: So hat in den vergangenen Jahren nicht nur die Zahl der Institute, sondern auch die der Mitarbeiter weiter abgenommen. Arbeiteten 2008 noch 5294 Menschen im Bereich Finanzdienstleistungen, so waren es 2016 noch 4875 – ein Minus von 7,9 Prozent. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum waren es nach Zahlen der Arbeitnehmerkammer bundesweit minus 3,5 Prozent. Das bedeutet: Bremen baut überproportional viel ab.

Auffällig ist in der Hansestadt die vergleichsweise hohe Anzahl an Häusern, die um vermögende Kunden buhlen: Die Berenberg und die Bethmann Bank sowie die Bankhäuser Lampe, Neelmeyer und Carl F. Plump sind auf dieses Klientel spezialisiert. Akteure wie UBS oder Credit Suisse – ebenfalls Wettbewerber in diesem Segment – haben sich mittlerweile vom Standort zurückgezogen.

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Auch Banken wie die Deutsche Schiffsbank, die Norisbank oder Sal. Oppenheim sind heute nicht mehr in Bremen vertreten. Geldhäuser wie die Sparkasse, die Deutsche Bank oder das Bankhaus Neelmeyer haben Filialen geschlossen. In den vergangenen Jahren dürften gut 20 Standorte verloren gegangen sein.

Viele wollen auf Beratung nicht verzichten

Hans-Dieter Rahden, Geschäftsführer des Bankenverbands Bremen, rechnet damit, dass die Zahl der Filialen aber auch der Mitarbeiter in der Hansestadt weiter abnehmen wird. Dass weitere Institute sich in nächster Zeit ganz vom Standort zurückziehen, glaubt er indes nicht: „Ich hoffe, dass wir den Status Quo erhalten können.“ Wie Umfragen ergeben haben, will der Großteil der Deutschen auch in Zukunft nicht auf Beratung verzichten. Nur: Dieses Angebot wird selten in Anspruch genommen; die Filiale wird zwar noch zum Geld abheben besucht, ansonsten aber immer häufiger durch Online-Zahlungsverkehr ersetzt.

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Dass es der Branche schlecht geht, glaubt Steffen Gabriel, Referent bei der Arbeitnehmerkammer, nicht: 2015 lagen die Gewinne der Banken bundesweit seinen Angaben zufolge bei 18 Milliarden Euro. „Die Branche hat immer viel Geld verdient – und sie tut es noch immer“, sagt er. „Die entscheidende Frage ist: Wie setzt sie das Geld ein?“

Commerzbank
Bei der Commerzbank läuft konzernweit ein Stellenabbauprogramm. Besonders stark dürften nach Medienberichten die Filialen betroffen sein: Hier sollen in ganz Deutschland etwa 3000 Jobs auf der Kippe stehen. Welche Auswirkungen die Sparrunde für die Bremer Niederlassung haben wird, darüber machte der Konzern bislang keine Angaben.

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Nach Informationen aus der Finanzwirtschaft baute der Konzern in der Hansestadt seit 2012 etwa 70 Stellen ab und kam im vergangenen Jahr noch auf gut 300. Auch im Privat- und Geschäftskundenbereich hatte es in den vergangenen Jahren einige Wechsel in der Geschäftsführung gegeben. Am Filialnetz will die Commerzbank indes nicht rütteln: In Bremen prüft das Institut sogar weitere Standorte.

Bremische Volksbank
Vor gut 90 Jahren hat die Bremische Genossenschaftsbank, die Vorgängerin der Volksbank, ihren Betrieb aufgenommen. In der Zeit bis 2014 sind viele ältere Mitarbeiter der Bank auf Basis von Altersteilzeitmodellen ausgeschieden. 2006 arbeiteten nach Angaben von Vorstandschef Ulf Brothuhn noch 137 Mitarbeiter für das Institut, 2014 waren es 117.

Zwischenzeitlich wurde zudem ein Teil des Geschäftes, das nicht direkt mit Kunden zu tun hat, in eine Tochtergesellschaft ausgegliedert. Mittlerweile ist das Personal nach Unternehmensangaben wieder in etwa auf dem Stand von vor zehn Jahren: 2016 arbeiteten 133 Menschen für die Bremische Volksbank – die meisten von ihnen im Neubau an der Domsheide, der Ende vergangenen Jahres eröffnet wurde.

Privatbanken
Die Privatbanken Berenberg, Bethmann und Lampe sind mit jeweils unter zwölf Mitarbeitern in Bremen vertreten. Sie alle kümmern sich um vermögende Kunden. Unter anderem diesen Schwerpunkt verfolgt auch das Bankhaus Carl F. Plump, das nach Unternehmensangaben mit zuletzt 32 Mitarbeitern (2006: 53) noch immer deutlich größer ist.

Plump blickt auf mehr als 180 Jahre Geschichte am Standort zurück, firmiert heute aber als Zweigniederlassung der Hamburger M. M. Warburg & CO. Die Bethmann Bank gibt es erst seit 2015 in Bremen, das Institut ist am Standort gewachsen. Die Berenberg-Niederlassung wurde nun zu einem Beratungsteam umgewandelt. Zu Hochzeiten waren es acht Mitarbeiter am Teerhof, nun sind es zwei.

Oldenburgische Landesbank
Was die Zahl der Mitarbeiter angeht, gehört die Oldenburgische Landesbank (OLB) zu den kleineren Instituten in Bremen. 2009 eröffnete die OLB ihre Niederlassung am Wall. Anfangs arbeitete ein dreiköpfiges Team in der Hansestadt, mittlerweile sind es acht Mitarbeiter. Derzeit herrscht im Unternehmen viel Unruhe, weil die Allianz einen Verkauf des Geldhauses prüft.

Als Interessenten werden derzeit vor allem zwei Namen gehandelt: die Commerzbank und Apollo Global Management. Apollo ist einer von drei Investoren, denen seit einiger Zeit bereits die Bremer Kreditbank (BKB) gehört. Und die übernimmt wiederum das Bankhaus Neelmeyer. Sollte es zum Zusammenschluss der drei Banken kommen, dürfte eine neue Universalbank für die Region entstehen.

Sparkasse Bremen
Die Sparkasse hat mit Abstand die meisten Mitarbeiter: 2006 waren es nach Unternehmensangaben 1550, im Jahr 2015 arbeiteten dort 1447 Angestellte. Die Probleme der Finanzbranche machen auch vor dem Institut, das seit mehr als 190 Jahren in Bremen beheimatet ist, nicht halt: Zuletzt hieß es, dass sich die Sparkasse Bremen von 83 auf 80 Standorte verkleinern will.

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Auch die Zahl der Mitarbeiter wird wohl weiter schrumpfen: Etwa 140 Angestellte haben das Angebot angenommen, in den Vorruhestand zu wechseln. Die frei werdenden Stellen sollen gestrichen werden. Zudem plant die Sparkasse, ihren Hauptsitz am Brill aufzugeben.

Deutsche Bank
Die Deutsche Bank hat sich einen Radikalumbau verordnet. In Deutschland sollen 188 Filialen geschlossen und etwa 3000 Vollzeitstellen gestrichen werden. Das trifft auch Bremen: Künftig wird der Konzern mit drei statt sechs Filialen in der Stadt vertreten sein.

Nach Unternehmensangaben arbeiteten 2004 insgesamt 149 Menschen in Bremen und Bremerhaven im Privat- und Firmenkundengeschäft, Ende 2016 waren es 139. In diesem Zeitraum hat es aber auch mehrere Umstrukturierungen gegeben, die dazu führen, dass die Zahlen schwer vergleichbar sind. Seit 2014 arbeiten in der Filiale in Gröpelingen selbstständige Finanzberater statt Festangestellte.

Bremer Landesbank
Bei der Bremer Landesbank stehen die wohl einschneidendsten Veränderungen in der Bankenlandschaft an: Weil das Institut seit Beginn des Jahres zu einhundert Prozent zur NordLB gehört, sollen in den kommenden drei Jahren 200 der gut 1000 Jobs in Bremen und Oldenburg sozial verträglich wegfallen. Bislang gab es im Haus noch keine umfangreichen Stellenabbauprogramme.

2006 arbeiteten nach Unternehmensangaben 921 Menschen an beiden Standorten für die Landesbank, gut 650 davon in Bremen. 2015 waren es demnach 1050 Mitarbeiter und etwa 800 in Bremen. Für 2016 ist der Jahresabschluss und damit die Mitarbeiterzahl noch nicht testiert.

Bankhaus Neelmeyer
Der Grundstein für das Bankhaus Neelmeyer wurde 1907 gelegt. Seit 2009 hat sich das Institut von vier Bremer Standorten und dem in Oldenburg getrennt. Im vergangenen März wurde bekannt, dass die Bremer Kreditbank (BKB), ein auf mittelständische Firmenkunden spezialisiertes Haus, Neelmeyer von der Unicredit-Bank übernehmen wird.

Weil noch nicht alle Genehmigungen vorliegen, läuft der Prozess noch. Welche Auswirkungen das auf die Mitarbeiter haben wird, steht noch nicht fest. Bei Neelmeyerarbeiteten nach Unternehmensangaben 2006 326 Menschen, im vergangenen Jahr waren es 256.

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