Kreativbranche

Bremens Werber trotzen der Konkurrenz

Auch abseits der deutschen Werbehauptstädte gibt es Agenturen, die sich um die richtige Marketingstrategie oder knackige Werbesprüche kümmern. Wie sich Agenturen im Nordwesten gegen mächtige Rivalen behaupten.
27.04.2018, 18:02
Lesedauer: 4 Min
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Von Tobias Denne
Bremens Werber trotzen der Konkurrenz

Haben sich getraut, eine eigene Werbeagentur in Bremen zu gründen: Marc Nörenberg (von links) und Malte Ulbricht von Admospherics.

Frank Thomas Koch

Die Werbung auf Plakatwänden gehört dazu. Anzeigen in Zeitungen auch. Der Internetauftritt sowieso. Die Aufgaben einer Werbeagentur sind vielfältig. Gerade für große Kampagnen und Aufträge bekommen oft Städte wie Hamburg, Berlin, Köln oder Düsseldorf den Zuschlag. Doch auch abseits der deutschen Werbehauptstädte gibt es Agenturen, die sich um die richtige Marketingstrategie oder einen knackigen Werbespruch kümmern. Allein in Bremen gibt es nach Angaben der Handelskammer etwa 1622 Marketing- und Werbeagenturen. Kommt eine neue hinzu, muss sie erst einmal Fuß fassen.

Zu den etablierten Agenturen in Bremen zählt Brunnée Marketing. Ihr Gründer Frank Brunnée ist seit über 30 Jahren im Geschäft und hat in seiner Branche schon einige Veränderungen miterlebt. Sein Unternehmen hat sich in dieser Zeit von einer reinen Werbe- zu einer Marketingagentur gewandelt. „Wir haben früher etwa Weinetiketten per Hand selbst entworfen“, erinnert sich Brunnée an die Anfangsjahre.

Mit der Verbreitung des Internets und dem Siegeszug des Smartphones haben sich auch die Kanäle verändert, die bedient werden müssen. „Eigentlich ist Print – abgesehen von Verpackungen – nur noch Nebensache für uns. Alles ist digitaler geworden“, sagt Brunnée. Zum Beispiel arbeite er momentan an einer Pilotaktion, um Schaufenster zu optimieren. Dann können Kunden, die sich die Ware anschauen wollen, interaktiv mit dem Fenster agieren und sich zusätzliche Informationen holen.

Nicht nur, dass die Digitalisierung die Branche verändert hat – insgesamt haben sich die Aufgaben einer Agentur gewandelt. Brunnée leitet nicht mehr nur eine Werbeagentur, er will ein aktives Netzwerk aus verschiedenen Spezialisten pflegen. „Wir steuern die Kompetenz der Profis“, sagt er. So sei die Agentur zentraler Ansprechpartner für Kunden, und diese suche sich dann Partner für die verschiedenen Aufgaben.

„Man kann nicht das beste Know-how in allen Bereichen besitzen“, sagt der Geschäftsführer. Daher arbeite er beispielsweise mit Fotostudios oder Unternehmen für Marktentwicklung zusammen, was über die Aufgaben einer klassischen Werbeagentur hinausgeht. Heutzutage reichen ein Logo auf Plakatwänden und ein origineller Werbespruch im Radio eben nicht mehr aus, um eine Marke zu etablieren. Die Anforderungen haben sich verändert.

Viele Aufgaben laufen daher zusätzlich im Hintergrund ab. Neben der direkten Werbung, etwa dem Fernsehspot, helfen Suchmaschinen-Marketing (SEA) und -Optimierung (SEO). Das Ziel: eine höhere Platzierung bei Google. Mithilfe von SEO werden auf der Internetseite des Kunden etwa bestimmte Wörter platziert, um in den Suchergebnissen weiter oben aufzutauchen. Die Ergebnisse von SEA sind täglich bei der Suchmaschine zu sehen, denn der Kunde bezahlt dafür, dass bestimmte Suchergebnisse mit seiner Internetseite verlinkt und so farblich abgehoben angezeigt werden.

Webdesign, SEA und SEO

Mittlerweile gibt es Agenturen, die sich allein auf diese Art der Werbung spezialisiert haben – und nur noch recht wenig mit einer klassischen Werbeagentur gemein haben. Eine davon ist Admospherics von Marc Nörenberg und Malte Ulbricht, die beide unter anderem Onlinemarketing studiert haben. Die Bremer gründeten ihre Agentur während ihres Studiums vor rund einem Jahr. Der Schritt in die Selbstständigkeit gelang durch eine Anfrage.

„Ein Unternehmen hatte uns gefragt, ob wir einen Auftrag für sie bearbeiten können“, sagt Nörenberg, der sich wie Ulbricht gegen eine Anstellung bei einer Agentur entschieden hat. Jetzt betreuen die beiden Bremer unter anderem die BLG Logistics Group bei ihrer Online-Marketing-Strategie. Ihre Spezialität: Webdesign, SEA und SEO. Doch aller Anfang ist schwer, das merken auch Nörenberg und Ulbricht immer wieder – besonders beim Kundenkontakt. „Wir werden oft noch gar nicht in Erwägung gezogen“, sagt der 26-jährige Ulbricht.

Daher versuchen sie, sich auf unter anderem auf Messen zu präsentieren. Wenn der Kontakt erst einmal aufgebaut ist, entscheiden sich Kunden auch für das junge Unternehmen. Dabei hilft ihnen Bremen als günstiger Standort für Werbeagenturen. Die Geschäftsführer sind von der Hansestadt überzeugt – was auch mit ihrer Größe zu tun hat. „In Bremen wächst die Werbeszene noch, daher ist es gefühlt einfacher, hier zu starten“, sagt Nörenberg.

"Wir machen uns oft schlechter, als wir sind"

Etwa im Vergleich zu Hamburg sei es in Bremen einfacher, Fuß zu fassen. Auch Frank Brunnée ergreift eindeutig Partei, wenn es um die Konkurrenz zu Werbe-Großstädten wie Hamburg geht: „Wir machen uns oft schlechter, als wir sind.“ Seiner Erfahrung nach ist die Bremer Werbeszene „deutlich besser als ihr Ruf“. Das sehen auch Patrick Calandruccio und Hendrik Loga so, weswegen sie die Szene zusammenbringen wollen.

„Ich will, dass hier alle Kreativen enger zusammenrücke und sich fachlich untereinander austauschen“, sagt Loga, der mit Calandruccio seit etwa zwei Jahren als Geschäftsführer die Agentur Moskito 360° leitet. Ihr Büro befindet sich in der Alten Schnapsfabrik in der Neustadt. Über 20 Firmen haben dort ihren Sitz, jeden ersten Mittwoch im Monat findet ein Stammtisch statt.

Dem Bremer Agenturenmarkt steht er zwiegespalten gegenüber. Auf der einen Seite gebe es „wirklich viele kreative Köpfe“. Andererseits können sich seine und Logas Agentur nicht nur auf den Markt in der Hansestadt verlassen, Aufträge aus anderen Regionen müssen her. „Wenn wir wachsen wollen, dann müssen wir uns eine Reputation weit über Bremens Landesgrenzen hinaus aufbauen“, sagt Loga. So arbeiten sie auch mit Kunden aus Stuttgart oder München zusammen. Dennoch schätzen Calandruccio und Loga die Stadt als Werbe-Standort. „Hamburg ist eher ein riesengroßes Haifischbecken“, sagt Calandruccio. In Bremen begegneten sich die Agenturen mit Respekt. „Hier leisten viele Leute wirklich gute Arbeit, man redet sich nicht schlecht.“

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