4,2 Prozent

Bremer Bierabsatz steigt gegen den Bundestrend

Bier läuft nicht mehr so. Fehlende sportliche Großereignisse und ein kühler Mai haben den Absatz der deutschen Brauereien zur Jahresmitte einbrechen lassen. In Bremen sieht das anders aus.
01.08.2019, 18:13
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Bremer Bierabsatz steigt gegen den Bundestrend

Langfristig hält in Deutschland der Trend zu einem geringeren Bierkonsum an. Foto: Friso Gentsch

Friso Gentsch / dpa

Katerstimmung in der deutschen Bierbranche: In den ersten sechs Monaten haben die Brauereien und Lager so wenig Bier in einem Halbjahr verkauft wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Der Absatz sank in der Jahresfrist um 2,7 Prozent auf rund 4,6 Milliarden Liter, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag berichtete. Anders ausgedrückt: Der deutschen Brauindustrie fehlt im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bereits der Verkauf von 13,4 Millionen Kästen Bier.

Das überragend wichtige Inlandsgeschäft (minus 2,7 Prozent) fiel ebenso zurück wie der Export in die EU-Staaten (minus 6,1 Prozent) und die steuerfreie Abgabe des sogenannten Haustrunks an die Beschäftigten der Brauereien (minus 3,0 Prozent). Lediglich der mit 387 Millionen Litern vergleichsweise kleine Export nach Übersee legte um 1,7 Prozent zu. Die verschiedenen Biermischungen machten knapp fünf Prozent der Gesamtmenge aus und gaben mit einem Minus von 1,5 Prozent nicht ganz so stark nach.

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Ganz anders die Entwicklung in Bremen und Niedersachsen: Dort haben die Brauereien ihren Absatz sogar deutlich steigern können – um 4,2 Prozent auf 4,25 Milliarden Liter. Während als Ursachen für den deutschlandweiten Rückgang des Bierabsatzes der kühle Mai und der vergleichsweise hohe Bierverkauf im Juni 2018 zum Auftakt der Fußball-Weltmeisterschaft genannt wurden, sehen die norddeutschen Brauereiverbände den Grund für das Plus in Niedersachsen und Bremen in der zunehmenden Produktion sogenannter Handelsmarken. Diese würden unter anderem für Discounter auch außerhalb der eigenen Region produziert, sagte Geschäftsführer Michael Scherer. „Das sorgt statistisch für einen höheren Absatz.“

Bereits in den vergangenen Jahren hatte sich der Bierabsatz in Niedersachsen und Bremen aus diesem Grund entgegen dem langjährigen bundesweiten Trend positiv entwickelt. Über die Menge des in den beiden Bundesländern getrunkenen Bieres sagen die statistischen Zahlen dagegen nichts aus. Die Bundesländer mit dem größten Bierabsatz im ersten Halbjahr 2019 sind Bayern (1,22 Milliarden Liter) und Nordrhein-Westfalen (1,13 Milliarden Liter). Nach Niedersachsen/Bremen folgen Sachsen und Baden-Württemberg.

Langfristig hält in Deutschland der Trend zu einem geringeren Bierkonsum an. Daran ändert auch die zuletzt auf 1659 gestiegene Zahl der amtlich registrierten Braustätten wenig, denn die Neueröffnungen sind in der ­Regel kleine handwerkliche Betriebe mit geringen Mengen. Bekannte Gründe für den ­sinkenden Pro-Kopf-Verbrauch (2018: 94,2 Liter) sind das steigende Durchschnittsalter der Bevölkerung und ein aus Gesundheitsaspekten allgemein reduzierter Alkoholkonsum. Davon wird aber beispielsweise Wein nicht erfasst, von dem nach Angaben des Deutschen Wein-Instituts seit Jahren konstant rund zwei Milliarden Liter jährlich konsumiert werden.

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Nach Recherchen des Branchendienstes „Inside“ haben sich die führenden Biermarken sehr unterschiedlich entwickelt. Nur wenige, zuvor gebeutelte Marken wie Warsteiner oder Hasseröder gewannen leicht Marktanteile hinzu, während Marktführer Krombacher wie die Verfolger Bitburger und Veltins Mengenverluste zwischen zwei und drei Prozent hinnehmen mussten. Die meisten Unternehmen haben aber Preissteigerungen durchgesetzt. Am stärksten verlor der Billiganbieter und Marktzweite Oettinger, dessen Absatz laut Inside um 9,5 Prozent absackte.

Der Deutsche Brauer-Bund weist auf die alkoholfreien Sorten hin, die sich zu einem bedeutenden Wachstumsmarkt entwickelt hätten, aber nicht von der Steuerstatistik erfasst werden. Anfang Mai lag der Absatz um 6,5 Prozent über dem Vorjahreszeitraum, wie der Verband berichtet. Der Marktanteil beträgt etwa sieben Prozent. „Aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor, doch ist damit zu rechnen, dass die positive Entwicklung in diesem Segment anhält und in Zukunft jedes zehnte in Deutschland gebraute Bier alkoholfrei sein wird“, sagt dazu Brauer-Bund-Hauptgeschäftsführer Holger Eichele.

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