Internationaler Tag der Familie

Bremer Firmen besonders familienfreundlich

Bremen. Familienfreundlichkeit und Unternehmen - das passt in Bremen gut zusammen. In der Hansestadt wurden 47 Betriebe als familienfreundlich zertifiziert - so eine hohe Dichte gibt es in keinem anderen Bundesland.
14.05.2010, 07:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Ulrike Bendrat
Bremer Firmen besonders familienfreundlich

In Bremen gibt es besonders viele familienfreundliche Betriebe.

dpa

Bremen. Familienfreundlichkeit und Unternehmen - das passt in Bremen gut zusammen. In der Hansestadt ist die Zahl der als besonders familienfreundlich zertifizieren Firmen besonders groß. 'In Bremen haben 47 Betriebe den Nachweisprozess "berufundfamilie" der gemeinnützigen Hertie-Stiftung durchlaufen', sagt Margareta Steinrücke, Geschäftsführerin des 'Bremer Bündnisses für Familie'. Das ist die höchste Dichte solcher Betriebe im Vergleich der Bundesländer. Den 'Internationalen Tag der Familie' am 15. Mai hat das Bremer Bündnis für Familie zum Anlass genommen, einige der Firmen beispielhaft vorzustellen.

Sofie Geisel, Expertin im Bundesfamilienministerium und Mitglied des Unternehmensnetzwerks 'Erfolgsfaktor Familie', wundert sich über einen Widerspruch: 80 Prozent der deutschen Unternehmen seien der Ansicht, das Thema Familienfreundlichkeit sei wichtig und entsprechende Investitionen lohnten sich. Gleichzeitg würden aber viele dieser Firmen ihre Mitarbeiter bei diesem Thema nur wenig unterstützen. Sie fordert deshalb Kommunen und Unternehmen auf, in einem offenen Dialog die Möglichkeiten und Grenzen der Familienfreundlichkeit zu diskutieren. 'Die Betroffenen Familien sollten in die Diskussion miteinbezogen werden', sagt sie.

Die BSAG war der Vorreiter

Die Bremer Straßenbahn AG etwa hat bewiesen, dass Teilzeitarbeit auch für Führungskräfte ein Instrument sein kann: Vier Frauen und zwei Männer in Führungspositionen arbeiten in Teilzeit, sagt Birgit Speckhardt, stellvertetende Personalleiterin des Unternehmens. Derzeit seien außerdem 25 Mitarbeiter in Elternzeit, vier von ihnen Väter. Speckhardt ist selbst eine der Teilzeit-Führungskräfte.

Die BSAG sei eines der ersten Unternehmen in Bremen gewesen, das sich um die Konkretisierung von Familienfreundlichkeit gekümmert habe, sagt Steinrücke. Bereits 1994 gab es dazu eine Betriebsvereinbarung, 1998 hat die BSAG dann Nägel mit Köpfen gemacht: zusammen mit Airbus, Astrium und Atlas Elektronik gründeten die Firmen ihren gemeinsamen Betriebskindergarten an der Hünefeldstraße auf dem Gelände von Astrium und Airbus. Die Leiterin Gabriele Krämer erklärt die Besonderheiten dieses Kindergartens: 'Wir nehmen das ganze Jahr über Kinder auf.' Außerdem gebe es keine langen Ferienschließungen. Die Termine, an denen der Kindergarten geschlossen sei, würden die Eltern in der Regel im Dezember des Vorjahres erfahren, um sich langfristig darauf einrichten zu können.

Die Betreuungsstunden, die die Eltern zur Verfügung haben, sind Wochenstunden, die sie individuell in der Woche nutzen können. Bislang gibt es noch keine Plätze für unter Dreijährige, allerdings denken die beteiligten Firmen darüber nach, wie und wo solche Plätze eingerichtet werden könnten. Finanziert wird der Betriebskindergarten durch die Unternehmen, Elternbeiträge und öffentliche Zuschüsse.

Die große Nähe zu den Arbeitsplätzen führe dazu, dass Eltern sich auch mehr am Kindergartenleben beteiligen. 'Wenn wir mit den Kindern schwimmen gegangen sind, haben einige Eltern ihre Arbeit unterbrochen, sind mit zum Schwimmen gefahren und haben danach wieder weitergearbeitet', berichtet Krämer von einem Beispiel, das den Vorteil dieser Regelung verdeutlicht. Väter und Mütter beteiligten sich übrigens gleichermaßen.

Familienzimmer in der Sparkasse

Auch die Sparkasse Bremen hat 1998 die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in die Unternehmensleitsätze aufgenommen. Zwischen 1999 und 2009 hat sich so die Teilzeitquote von 19 Prozent auf 27 Prozent erhöht. Seit 2007 ist die Sparkasse Bremen als familienfreundlicher Betrieb zertifiziert. Vorstandsvorsitzender Tim Nesemann sagt, das Thema Kinderbetreuung sei 'vor allem im Kundengeschäft eine Herausforderung'. Für Notfälle hat die Sparkasse deshalb ein Familienzimmer eingerichtet. Trotz dieser und einiger weiterer Maßnahmen ist die Sparkasse Bremen an einem Punkt noch nicht so weit, wie beispielsweise die BSAG: dass Väter in Führungspositionen in Elternzeit oder gar in Teilzeitarbeit gehen, ist laut Nesemann noch ein 'kulturelles Problem'. Er selbst glaube, das viele Männer sich damit schwer täten, ihrem Vorgestzten mitzuteilen, dass sie in Elternzeit oder Teilzeit gehen wollen. Trotz des Leitbildes sei die Umsetzung noch nicht selbstverständlich.

In der Broschüre 'Teilzeitarbeit, Vollzeitmann' der Arbeitnehmerkammer gibt es übrigens Tipps, wie man es machen kann: Sie stellt sie Männer vor, die für ihre Familie in Teilzeit arbeiten - als Führungskraft bei einem Windenergieunternehmen, als Klinikarzt oder bei der Marine.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+