Schokolade, Kaffee und Bier Bremer Firmen in fremder Hand

Bremen. Bremen hat stets zu den großen Industriestandorten Deutschlands gezählt. Manche Unternehmen wie Borgward oder Bremer Vulkan sind untergegangen - andere genießen noch heute Weltruf. In Bremer Händen allerdings sind nicht viele geblieben.
30.04.2012, 11:48
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Bremen. Bremen hat stets zu den großen Industriestandorten Deutschlands gezählt. Manche Unternehmen wie Borgward oder Bremer Vulkan sind untergegangen - andere genießen noch heute Weltruf. In Bremer Händen allerdings sind viele als Teil von Konzernen nicht geblieben.

Bremen blickt auf eine stolze Tradition der Selbstständigkeit zurück. Versuche, das kleinste Bundesland infrage zu stellen, werden empört zurückgewiesen. In der Wirtschaft sieht das anders aus: Viele Bremer Traditionsmarken sind längst in fremder Hand. Gerade gingen die beiden edlen Schokoladenmarken Hachez und Feodora an einen dänischen Hersteller.

Nicht immer aber sei der Besitzerwechsel zum Nachteil von Unternehmen und ihren Mitarbeitern, sagt Stefan Offenhäuser von der Handelskammer Bremen. Hasso Nauck, der gerade seine Hachez-Anteile an den dänischen Schokoladen-Produzenten Toms verkauft hat, hält eine emotional geprägte Sicht auf dieses Thema für falsch. "Das hätte mit Unternehmertum nichts zu tun."

Oftmals gehe es gerade darum, mit einem Verkauf die Zukunft des Unternehmens zu sichern. Nauks und der Hachez-Mitbesitzer Wolf Kropp-Büttner verkauften ihre Anteile, weil sie keinen Nachfolger in der Familie haben. Beide bleiben Geschäftsführer. Der Chef von Toms, Jesper Møller, sagte zur Übernahme: "Es ist das Interesse von Toms, die Eigenständigkeit der Unternehmen zu erhalten und so die Geschäfte weiter auszubauen."

Ein Beispiel für weltweite Konzentration ist die Beck's-Brauerei, die ein Wahrzeichen der Stadt ist und mit ihrem Flaschenetikett den Bremer Schlüssel in aller Welt bekannt machte. Ihre Gründung geht auf das Jahr 1873 zurück. 2002 kaufte die belgische Interbrew Beck's. Es folgte der Zusammenschluss des Konzerns mit einem brasilianischen Unternehmen zu InBev und die Übernahme des größten US-Brauereikonzerns Anheuser-Busch. So ist Beck's inzwischen Teil des größten Brauereikonzerns der Welt.

Mindestens so sehr wie Bier gehört Kaffee zu Bremen. Die Eigentümer der traditionsreichen Bremer Marken Eduscho und Jacobs sitzen heute in Hamburg und den USA, doch ursprünglich gegründet wurden die Firmen in Bremen. Johann Jacobs öffnete dort 1907 seine erste Kaffeerösterei, 1973 wurde der Firmensitz nach Zürich verlegt, 1990 endete die Selbstständigkeit: Der US-Nahrungsmittelgigant Kraft schluckte Jacobs, heute wird Krafts Deutschland-Geschäft von der Bremer Neustadt aus geleitet. Und Kaffeeröster Eduscho, 1924 in Bremen von Eduard Schopf gegründet, war lange größter Konkurrent des Hamburger Unternehmens Tchibo. Beide verfolgten eine ähnliche Strategie, doch Tchibo war erfolgreicher und schluckte Eduscho 1997.

Bekannt ist Bremen auch für die Fabrikation von Silberwaren. Doch dass in Bremen die Wiege des UEFA Champions League-Pokals und der Goldenen Kamera steht, wissen nur Fans. Entstanden sind die bekannten Trophäen in der 1829 gegründeten Silberwarenmanufaktur Koch & Bergfeld. Dort wird auch das Silberbesteck der deutschen Botschaften produziert. Von 1989 bis 2006 gehörte das Unternehmen zu Villeroy & Boch - 2006 übernahmen es die Kaufleute Klaus Neubauer und Wigmar Bressel.

Dass auf einen Besitzerwechsel auch der Untergang eines Unternehmens folgen kann, zeigte Nordmende. Martin Mende hatte 1947 die Norddeutsche Mende Rundfunk GmbH in Bremen-Hemelingen gegründet. 1977 folgte der Verkauf an den französischen Konzern Thomson-Brandt. Nach Jahren des Niedergangs und mehreren Rettungsversuchen kam Ende der 80er Jahre das endgültige Aus für die Fernseherfertigung in der Hansestadt.

Schauplatz einer spektakulären Unternehmenspleite im Wirtschaftswunder-Deutschland wurde Bremen 1961: Die Autofabrik Borgward in Sebaldsbrück musste schließen, weil die Banken den Geldhahn zugedreht hatten. Rund 20 000 Mitarbeiter standen auf der Straße. Aber auch aus völligem Scheitern kann noch eine Erfolgsgeschichte werden. Heute werden auf dem Gelände Mercedes-Fahrzeuge gebaut. Rund um das Werk arbeiten zahlreiche Zulieferunternehmen - mit insgesamt mehr Mitarbeitern als je zuvor.

Anders erging es den Werften der Stadt. Auf dem Gelände der 1983 geschlossenen AG Weser steht heute ein Einkaufszentrum - und die Bremer Vulkan Werft versank 1996 rettungslos in einer spektakulären Pleite (dpa).

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