Millionen fehlen

Bremer Flughafen in Finanznot

Dem Bremer Airport läuft die Zeit davon – ohne eine rasche Finanzspritze des Landes könnte es eng werden, denn der Flughafen muss eine Finanzlücke in Millionenhöhe schließen.
26.09.2019, 19:01
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Bremer Flughafen in Finanznot
Von Stefan Lakeband
Bremer Flughafen in Finanznot

Für Starts und Landungen sollen Airlines am Bremer Flughafen ab Dezember mehr bezahlen. Das ist nur ein Versuch, um die Finanzen des Airports zu sanieren.

Frank Thomas Koch

Die Probleme am Bremer Flughafen sind offenbar akuter als bisher bekannt. Bis zum Ende des Jahres muss der Hans-Koschnick-Airport kurzfristig eine Finanzlücke von 3,8 Millionen Euro schließen; fehlendes Geld, das – sollte das Land Bremen anders als geplant doch keine Hilfen gewähren – den Flughafen in eine bedrohliche Situation bringen könnte. Diese Zahl geht aus einer Senatsvorlage hervor, die dem WESER-KURIER vorliegt.

Welche Folgen ein fehlender Millionenbetrag in dieser Höhe für den Airport haben könnte, blieb zunächst unklar. „Es gibt jetzt die unmittelbare Notwendigkeit, dafür zu sorgen, dass die Beschäftigten des Flughafens im November und Dezember ihre Gehälter kriegen„, hatte der Linken-Abgeordnete Klaus-Rainer Rupp in einer Aktuellen Stunde der Bremischen Bürgerschaft am Mittwoch gesagt. “Das ist die aktuelle Problemlage.“ Müssen die knapp 550 Airport-Mitarbeiter um ihre Löhne bangen?

Dies weist der Flughafen zurück. Die Gehälter der Beschäftigten seien "nicht gefährdet“, sagte Sprecherin Andrea Hartmann. Die Löhne seien sicher, selbst wenn sich das Land Bremen noch gegen eine Finanzspritze entscheiden sollte oder die Bewilligung länger dauere. Mittel für bereits begonnene Investitionsprojekte könnten umgelenkt werden, um dem Geldfluss sicherzustellen. Begonnene Projekte müssten dann aber gestoppt werden. Zu möglichen Auswirkungen auf den Flughafen-Betrieb äußerte sich die Sprecherin nicht.

Lesen Sie auch

Es spricht jedoch einiges dafür, dass die Lage brisant und dringlich ist. So heißt es in der Senatsvorlage, dass der Haushalts- und Finanzausschuss (Hafa) noch im Oktober zustimmen soll. Das Problem: Laut Plan ist der nächste Sitzungstermin erst am 8. November. Deswegen glaubt auch Jens Eckhoff (CDU), dass es eilt: „Sonst könnte die Zustimmung des Hafa auch noch warten.“

Dass der Senat kurzfristig gleich 12,6 Millionen Euro an den Flughafen überweisen will, könnte auch mit der haushaltslosen Zeit zusammenhängen. Ab dem Jahreswechsel muss Bremen möglicherweise mehrere Monate lang ohne einen regulären Haushalt wirtschaften. „Der Flughafen ist in einer schwierigen Situation“, sagt Sebastian Rösener, Sprecher von Häfensenatorin Claudia Schilling (SPD), „deshalb wollen wir schnell helfen.“

Auch wenn der Haushalts- und Finanzausschuss der Finanzspritze zustimmt, ist sich Rupp nicht sicher, wie es mit dem Flughafen weitergehen soll. „Wenn sich die Passagierzahlen nicht erholen, muss überlegt werden, welche Maßnahmen wir dann brauchen“, sagt er. Sowohl im Juli als auch im August 2019 gab es über 13 Prozent weniger Fluggäste am Flughafen Bremen. „Diese Zahlen sehen nicht gut aus.“ Die Pleite der Fluggesellschaft Germania in diesem Jahr hat die Bilanz um 3 Millionen Euro belastet. Der Investitionsbedarf wird nach offensichtlich jahrelanger Misswirtschaft auf 80 Millionen Euro geschätzt.

Lesen Sie auch

Wie aus dem internen Papier hervorgeht, hat die Flughafen Bremen GmbH (FBG), die hinter dem Airport steht, wegen der schwierigen Lage bereits einen Einstellungsstopp beschlossen. Freiwerdende Stellen sollen nicht mehr automatisch nachbesetzt werden. Erste Einsparungen habe es bereits in den Bereichen Elektrotechnik, Personal und Interne Kommunikation gegeben.

Zudem sollen die Einnahmen durch den Ausbau der Vermietung von Gastronomie- und Ladenflächen im Flughafengebäude gesteigert werden. Geplant ist, ab 2021 jährlich 2,5 Millionen Euro zu erlösen. Zusätzliches Geld soll auch von den Airlines kommen. Schon zum 1. Dezember sollen die Gebühren für Starts und Landungen angehoben werden. Dem muss die Luftfahrtbehörde allerdings noch zustimmen. Dadurch sollen die Einnahmen um 1,6 Millionen Euro steigen.

Lesen Sie auch

„Damit sind allerdings die Möglichkeiten zur Entgeltsteigerung bis auf weiteres ausgereizt“, heißt es in dem Dokument. Eine Erklärung: Je mehr Airlines für Starts und Landungen zahlen müssen, desto unattraktiver wird ein Flughafen für sie. Die Gefahr besteht, dass Fluggesellschaften dann auf andere Airports ausweichen.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+