Die Dreckschleudern der Politiker Bremer Fuhrpark am saubersten

Bremens Senat hat verglichen mit allen Bundesländern beim Fuhrpark den niedrigsten CO2-Ausstoß. Warum Bürgermeister Sieling von der Umwelthilfe auch als umweltfreundlichster Landeschef betitelt wird.
14.08.2018, 19:29
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Bremer Fuhrpark am saubersten
Von Florian Schwiegershausen

Bei dieser Liste hat das Land Bremen gegenüber allen anderen Bundesländern die Nase vorn. Denn der Bremer Senat fährt gemessen am CO2-Ausstoß im Ländervergleich umweltfreundlicher als der Senat in Hamburg und Berlin sowie die Regierungen in den restlichen Bundesländern. Das hat der aktuelle Vergleich der Deutschen Umwelthilfe ergeben. Sie stufte Bremen in ihrem jüngsten Dienstwagen-Check auf Rang eins der 16 Länder ein.

Wie aus der am Dienstag veröffentlichten Datenerhebung hervorgeht, stoßen die Autos der Bremer Senatoren im Durchschnitt real 177 Gramm CO2 je Kilometer (g/km) aus. Hamburg landet mit 183 Gramm CO2 je Kilometer auf Platz zwei. In den beiden Stadtstaaten mit meist kurzen Wegen sind vergleichsweise viele Hybridfahrzeuge und wenige Autos mit einer Motorleistung von mehr als 200 Kilowatt (kW) im Einsatz. Die Dienstwagenflotte mit dem höchsten durchschnittlichen CO2-Ausstoß ist in Nordrhein-Westfalen (246 g/km) unterwegs.

Sieling auch per Fahrrad unterwegs

Im Dienstwagen-Vergleich der Regierungschefs landete Bremens Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) mit seinem Mercedes E 350e, einem Hybrid-Plug-in, ebenso auf dem ersten Platz. Sein Wagen stößt real 171 Gramm CO2 je Kilometer aus. Senatssprecher André Städler sagte: „Wenn es zudem der Terminkalender zeitlich erlaubt, nimmt Bürgermeister Sieling Termine auch zu Fuß, mit dem Fahrrad oder per Bus und Bahn wahr.“

Diesen Vorteil eines Stadtstaates haben Regierungschefs von Flächenbundesländern nicht. Allerdings landete Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) im Vergleich der Regierungschefs auf dem letzten Platz. Denn seine Benziner-Karosse kommt auf eine Realemission von 408 Gramm je Kilometer.

Auch Bremens Umweltsenator Joachim Lohse (Grüne) fährt in einem Hybrid-Plug-in. Es ist das gleiche Modell wie von Bürgermeister Sieling. Voraussichtlich ab September wird auch Innensenator Ulrich Mäurer Senator (SPD) einen solchen Hybrid-Plug-in fahren. Die Deutsche Umwelthilfe kritisiert allerdings, dass vor allem die Plug-in-Limousinen in Wirklichkeit besonders spritdurstig seien und somit keinen Beitrag zum Klimaschutz leisten würden.

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Wer zu Bremens Spitzenposition beigetragen hat, ist Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne). Sie hat keinen Dienstwagen und nutzt für ihre Termine Carsharing. Und während laut Senatspressestelle Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) bei seinem Mercedes E 350d und Gesundheitssenatorin Eva Quante-Brandt (SPD) bei ihrem Mercedes E 200 4MATIC bleiben werden, werden Bürgermeisterin Karoline Linnert (Grüne) und Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) bei ihren nächsten Dienstwagen auf den kleineren Mercedes-Benziner zugreifen, einen E 200.

Die Dienstwagen des Bremer Senats sind alle geleast. Die Beschaffung liegt laut Senatspressestelle in der Hand der einzelnen Ressorts. Auf Bundesebene ist der Auswertung zufolge Justizministerin Katarina Barley (SPD) mit dem verbrauchs- und CO2-stärksten Dienstwagen unterwegs. Am besten schneidet hier Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) ab.

Deren Kabinettskollegen, Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD, hat im Bundeskabinett mit 200 Gramm CO2 pro Kilometer den besten Wert eines Fahrzeugs ohne Dieselantrieb), sowie Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) stellten heute eine Initiative vor, mit der die Bundesregierung im Bemühen um bessere Luft zunächst fünf Städten unter die Arme greifen will.

Bundesregierung will Fahrverbote vermeiden

Mit rund 130 Millionen Euro finanziert der Bund bis 2020 Verkehrsprojekte in den Modellkommunen Bonn und Essen (Nordrhein-Westfalen) sowie Mannheim, Reutlingen und Herrenberg (Baden-Württemberg). Zu den Projekten zählen verbilligte Tickets für den Nahverkehr und eine bessere Verkehrslenkung. Ziel seien niedrigere Stickoxidwerte, vor allem durch Verbesserung und ­Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs. „Luftqualität ist Lebensqualität“, sagte Scheuer.

Dazu erhalten die Städte zwei Jahre lang Geld. In etlichen Städten Deutschlands ist die Konzentration gesundheitsschädlicher Stickoxide in der Atemluft viel höher als zulässig. Deswegen läuft seit geraumer Zeit auch ein Vertragsverletzungsverfahren der Brüsseler EU-Kommission. Gleichzeitig drohen in vielen Städten Fahrverbote für schmutzige Diesel-Autos, bei den Gerichten sind entsprechende Anträge anhängig.

Die Bundesregierung will Fahrverbote vermeiden. Während aber Umweltministerin Schulze für technische Umrüstungen bei älteren Diesel-Modelle plädiert, bekräftigte Verkehrsminister Scheuer seine Bedenken. Beide stellten allerdings eine baldige Verständigung innerhalb der Bundesregierung in Aussicht.

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