Bremer Bank in Schieflage Auch der NDR ist Kunde bei Greensill

Neben Kommunen haben auch ARD-Anstalten Geld in das in Schieflage geratene Bremer Bankhaus Greensill gesteckt, darunter der NDR. Sie sagen aber, dass ihr Geld im Gegensatz zu dem der Kommunen sicher ist.
08.03.2021, 16:44
Lesedauer: 2 Min
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Auch der NDR ist Kunde bei Greensill
Von Florian Schwiegershausen

Jeden Tag werden neue Fälle von institutionellen Anlegern bekannt, die bei der in Schieflage geratenen Bremer Greensill Bank investiert haben. Zu den Kunden gehören auch Sendeanstalten der ARD. So bestätigte der Norddeutsche Rundfunk (NDR) dem WESER-KURIER, dass er Kunde des Geldinstituts sei. Demnach hat die ARD-Anstalt seit 2019 Termingeldanlagen bei dieser Bank getätigt. Sprecherin Barbara Jung sagte: „Die Abwicklung war bisher stets ordnungsgemäß.“ Über die Höhe der Einlagen wollte der NDR keine Angaben machen. Radio Bremen und der WDR teilten mit, dass sie keine Gelder beim Bankhaus haben. Dies gilt ebenso für das Deutschlandradio.

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Die Bundesfinanzaufsicht (Bafin) hat über die Greensill Bank vergangene Woche ein Moratorium verhängt. Für sechs Wochen ist das Bankhaus geschlossen. So sollen Geldabflüsse verhindert werden. Der NDR gab an, dass ihm dadurch kein finanzieller Schaden entstehe. Ebenso haben der Saarländische Rundfunk und der Südwestrundfunk dieser Zeitung bestätigt, bei Greensill investiert zu haben. Über die Höhe wollten auch sie nichts sagen.

Im Gegensatz zu Kommunen ist bei Anstalten des öffentlichen Rechts das Geld über den Einlagensicherungsfonds der Banken besser geschützt. Seit 1. Januar 2020 sind für solche Anstalten wie eben auch die ARD-Sender Geldanlagen bei Privatbanken nicht mehr abgesichert – aber nur, wenn sie eine Laufzeit von mehr als 18 Monaten haben. Der NDR teilte mit, dass die Laufzeiten der Investments kürzer seien. So hat es auch der Bundesverband deutscher Banken bestätigt.

Gelder dienen nicht dem unmittelbaren Zahlungsverkehr

Die NDR-Sprecherin wiederum sagt, dass der Sender mit der Termingeldanlage bei der Greensill Bank kein finanzielles Risiko eingegangen sei: „Er hat sich an alle internen und gesetzlichen Vorgaben gehalten. Durch das Moratorium kann es für den NDR zu einer Verzögerung der Rückzahlung der Termingelder kommen.“ Die Verzögerung der Rückzahlung habe für den NDR keine negativen Auswirkungen auf die laufende Liquidität. Es handele sich um Gelder, die nicht dem unmittelbaren Zahlungsverkehr dienten. Dazu zählen beispielsweise Pensionsrückstellungen.

Die anderen öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten ließen die Anfrage des WESER-KURIER bisher unbeantwortet. Unterdessen meldeten die Bühnen der Stadt Köln, dass sie bei dem Bremer Bankhaus 15 Millionen Euro investiert haben. Ob ein kommunaler Eigenbetrieb genauso wie eine Kommune nicht durch den Einlagensicherungsfonds abgesichert wird, muss nun geklärt werden. Im schlimmsten Falle wäre das Geld verloren. Die Gemeinde Vaterstätten östlich von München hat 5,5 Millionen Euro bei dem Bremer Bankhaus investiert.

Greensill Capital in London hat Insolvenz beantragt

Derweil geht es in London für die Bankenmutter Greensill Capital in die nächste Runde. Am Montag hat das Unternehmen Insolvenz beantragt. Laut „Financial Times“ gebe es „ernsthafte finanzielle Not“. Die Insolvenz macht den Weg frei für neue Investoren. So habe der US-Finanzinvestor Apollo Interesse an Teilen von Greensill Capital. Ob dazu auch die Bank gehört, ist bisher nicht bekannt. Apollo gehört unter anderem die Oldenburgische Landesbank.

++ Dieser Artikel wurde um 19.06 Uhr aktualisiert. ++

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