Stahlkonzern ArcelorMittal rechnet mit rückläufiger Nachfrage Bremer Hütte senkt die Stahlproduktion

Bremen·Luxemburg. Die deutsche Industrie hat ihre Produktion in den vergangenen Monaten rasant gesteigert. Von der hohen Nachfrage profitierte auch die Stahlindustrie. Weltmarktführer ArcelorMittal, für das zweite Halbjahr rechnet der Konzern allerdings mit schlechteren Zahlen.
28.07.2010, 18:14
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Bremer Hütte senkt die Stahlproduktion
Von Petra Sigge

Bremen·Luxemburg. Die deutsche Industrie hat ihre Produktion in den vergangenen Monaten so rasant gesteigert, wie es kaum ein Experte erwartet hatte. Von der hohen Nachfrage profitierte auch die Stahlindustrie. Weltmarktführer ArcelorMittal, dem unter anderem das Bremer Stahlwerk gehört, konnte nach gestern vorgelegten Zahlen seinen Überschuss von April bis Juni gegenüber dem Vorquartal deutlich auf 1,7 Milliarden Dollar steigern. Vor einem Jahr hatte das Unternehmen wegen der Wirtschaftskrise noch einen Verlust von knapp 800 Millionen Dollar hinnehmen müssen.

Für das zweite Halbjahr rechnet ArcelorMittal allerdings mit einem leichten Rückgang. Als Grund nannte Vorstandschef Lakshmi Mittal den sich abkühlenden Wirtschaftsboom in China. Zudem hätten viele Kunden ihre in der Krise geleerten Lagerbestände inzwischen wieder aufgefüllt und hätten jetzt weniger Bedarf. Was für die Stahlerzeuger die Chancen schmälert, die gestiegenen Rohstoffpreise an die Kunden weiterzugeben.

Mittal geht zwar davon aus, dass sich der Erholungstrend in der Wirtschaft langfristig fortsetzen wird, aktuell setzt der Stahlmulti aber erst mal auf Kapazitätsanpassungen. Über alle Werke weltweit werde die Auslastung von zuletzt 78 auf 70 Prozent sinken, kündigte Mittal an.

Auch im Bremer Stahlwerk soll die Produktion heruntergefahren werden, sagte dessen Sprecher Dirk Helm auf Nachfrage. In welchem Umfang, lasse sich jetzt noch nicht sagen. Im ersten Halbjahr seien die beiden Bremer Hochöfen zu 90 bis 95 Prozent ausgelastet gewesen. Insgesamt wurden in den ersten sechs Monaten 1,7 Millionen Tonnen Rohstahl produziert. Im gesamten Krisenjahr 2009 waren es gerade mal 2,3 Millionen Tonnen gewesen. Wie viel es in diesem Jahr sein werden, lässt sich laut Helm bislang nicht abschätzen. Zurzeit sei der Auftragseingang leicht rückläufig.

Für den Unternehmenssprecher allerdings kein Grund zur Beunruhigung: 'Die Sommermonate sind wegen der Werksferien bei den Autoherstellern oder auch Maschinenbauern erfahrungsgemäß immer schwächer.' Die Automobilbauer sind für die Hütte der größte Abnehmer. Bei ihnen landet allein ein Drittel der in Bremen produzierten Stahlmenge. Helm: 'Wir werden unsere Tonnage auf jeden Fall anpassen müssen, aber es wird keinen drastischen Rückgang geben.'

Auf die Beschäftigungssituation im Bremer Stahlwerk habe die Kapazitätsanpassung jedenfalls keine Auswirkungen, versicherte Helm. Die Wiederaufnahme von Kurzarbeit sei kein Thema. 'Wir befinden uns momentan noch in Auslastungsbereichen, wo wir so ein Mittel nicht brauchen.' Derzeit sind auf der Bremer Hütte rund 3600 Mitarbeiter beschäftigt. Mit eingerechnet sind dabei auch die 300 Beschäftigten, die im vergangenen Jahr unter dem Spardruck der Konzernspitze in eigene Servicegesellschaften ausgegliedert wurden. Sie sind in den Bereichen Verpackung, Verladung sowie beim Werksverkehr per Bahn eingesetzt. Weitere Ausgliederungen seien derzeit nicht geplant, erklärte der Werkssprecher.

Dennoch wird die Stammbelegschaft weiter schrumpfen. Um die Sparauflage von 700 Stellen zu erfüllen, waren im vergangenen Jahr neben den Ausgliederungen auch 400 Altersteilzeitverträge vereinbart worden. Diese in den nächsten Jahren frei werdenden Stellen sollen laut Helm möglichst nicht wieder besetzt werden.

Ohne Folgen bleibt für die Bremer Stahlarbeiter die gestern bekannt gegebene Entscheidung des ArcelorMittal-Konzerns, seine Edelstahlsparte auszugliedern. 'Das hat mit uns nichts zu tun, wir produzieren in Bremen keinen Edelstahl', sagte der Werkssprecher. Hintergrund der Ausgliederung sind die weltweiten Überkapazitäten, unter der die Edelstahlbranche leidet. Als selbstständiges Unternehmen, so hofft Finanzchef Aditya Mittal, könne sich der Bereich besser entwickeln.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+