Weitere Übernahme Bremer Kreditbank kauft nächstes Institut

Die Bremer Kreditbank ist weiter auf Einkaufstour: Sie übernimmt die Wüstenrot Bank AG Pfandbriefbank. Erst im vergangenen Jahr hat die BKB-Gruppe Neelmeyer und die OLB übernommen.
27.03.2018, 13:10
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Bremer Kreditbank kauft nächstes Institut
Von Lisa Schröder

Gerade erst haben die Kartellbehörden die Akte Bremer Kreditbank zugeschlagen. Die Aufseher stimmten dem Kauf der Anteile an der Oldenburgischen Landesbank (OLB) im Februar zu. Sieben Monate waren bis dahin vergangen. Doch nun gibt es erneut Anlass, eine Akte aufzuschlagen. Am Dienstag hat der Vorstandschef der Bremer Kreditbank (BKB), Axel Bartsch, den Vertrag zum Kauf der Wüstenrot-Bank AG Pfandbriefbank unterzeichnet. Damit wächst die Bankengruppe mit Sitz in Bremen nach den jüngsten Übernahmen des Bankhauses Neelmeyer und der OLB erneut.

Es sind aufregende Zeiten für Axel Bartsch. Als die Nachricht über den Kauf am Dienstagvormittag bekannt wird, ist er gerade auf dem Weg nach Stuttgart. Er will sich den Mitarbeitern der Wüstenrot-Bank mit Sitz im baden-württembergischen Ludwigsburg vorstellen. „Es ist doch eine Selbstverständlichkeit, dass sie vom neuen Eigentümer auch etwas sehen.“

Stärke im Direktbanking

Die Wüstenrot-Pfandbriefbank ist eine hundertprozentige Tochter der Wüstenrot & Württembergische AG (W&W) aus Stuttgart – ein Zusammenschluss der Bausparkasse und der Versicherung. Bartsch schätzt am jüngsten Zuwachs der BKB-Gruppe vor allem die Erfahrung im klassischen Online-Direktbanking. „Die Wüstenrot Bank ist technologisch sehr weit. Davon können wir alle profitieren. Es geht bei der Übernahme eben nicht um eine Kan­ni­ba­li­sie­rung.“

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Zugleich will Bartsch in Zeiten der Digitalisierung der Branche weitere Kunden gewinnen, damit das Geschäft im Netz attraktiv wächst. „Die Übernahme ist darum eine einmalige Chance.“ Denn zusammen mit den 350.000 Kunden der Wüstenrot-Pfandbriefbank wächst die Gruppe rasant auf 750.000. „Damit nähern wir uns unserem Zwischenziel von einer Million Kunden doch ziemlich.“ Außerdem sieht Bartsch weiteres Potenzial durch die Kooperation mit der W&W: Die Mitarbeiter der Bausparkasse und Versicherung werden in Zukunft die Produkte des Partners BKB anbieten – und umgekehrt. Diese Vereinbarung sei Teil der Übernahme und von beiden Seiten gewollt: „Wir setzen stark auf das Kooperationsthema. Das versetzt uns in eine gute Position für weiteres Wachstum.“ Erfahrung hat Bartsch bereits mit solcher Zusammenarbeit. Die OLB kooperiert schon mit der Wüstenrot Bausparkasse und der Allianz.

Bartsch ist dabei überzeugt, dass die Banken sich nicht in die Quere kommen. „Jede Bank steht für ein sehr klares Know-how.“ Alle vier Unternehmen der Gruppe hätten ein eigenes Geschäft oder seien stark in einer Region: Während Neelmeyer in Bremen vor allem für das Wealth Management bekannt ist, sei die OLB tief in der Region und Fläche verwurzelt mit einer breiten Kundenbasis, einer Stärke im Firmenkundengeschäft und bei der Spezialfinanzierung von Erneubaren Energien sowie im Agrarsektor. Die BKB wiederum sei als Kreditplattform auch aktiv im Spezialfinanzierungsgeschäft und Mittelstandsgeschäft.

Die Mehrzahl der Kunden der Wüstenrot-Pfandbriefbank mit etwas mehr als 100 Mitarbeitern lebt dagegen zu einem großen Teil in Baden-Württemberg und Bayern. Die Bank war früher dabei eigentlich viel größer. Doch als sich das Bausparkassengesetz änderte, verlagerte die Wüstenrot Bausparkasse die Baufinanzierung zurück ins eigene Haus. Seitdem stand die W&W vor der Frage, was mit der um das große Geschäftsfeld geschrumpften Bank passieren soll. Heute bietet die Tochter Girokonten, Kreditkarten und Investmentfonds an und ergänzt damit die BKB in Süddeutschland.

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Ein weiterer Einkauf scheint nun Bartsch zufolge zunächst nicht in Sicht zu sein. Klar sei aber auch, dass die Konzentration der Branche noch im vollen Gange ist. „An der ganz massiven Konsolidierung des deutschen Bankenmarkts führt gar kein Weg vorbei.“ Die BKB gehe das Thema anders als die meisten Konkurrenten offensiv an. „Wir warten nicht, bis wir wegfusioniert werden. Wir schauen auf gute Ideen und versuchen ein strategisch sinnvolles Gesamtkonzept zu haben.“ Er ist zufrieden: „Die Dinge passen einfach zueinander.“ Es gebe aber noch eine Menge Banken, die es in Zukunft allein schwer hätten angesichts der Niedrigzinsen, neuer Auflagen, eines veränderten Kundenverhaltens und Altlasten wie faulen Schiffskrediten. „Und dann gibt es die Frage: Hat man ein Geschäftsmodell?“

Konsolidierung erst am Anfang

Bankexperte Wolfgang Gerke teilt die Beobachtung von Bartsch, dass die Konsolidierung der Branche eher am Anfang als am Ende steht. Gerade bei den Sparkassen und Genossenschaftsbanken komme es in Zukunft zu weiteren Fusionen sowie zur Schließung von Zweigstellen und Filialen in Zeiten des Internets. „Es ist nicht so, dass in der Vergangenheit noch nichts passiert ist, aber die Konsolidierung ist mit Sicherheit zu langsam angegangen worden.“ Dabei seien die Kosten für kleine Häuser viel zu hoch, die Regulatorik lege derweil weiter zu. Das zwinge zu einer bestimmten Größe. Gerke ist sich sicher: „Es wird – wie nun in diesem Fall in Bremen – auch Zusammenschlüsse geben, mit denen man nicht gerechnet hat.“

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Die Behörden müssen nun der Übernahme noch zustimmen. Bartsch geht davon aus, dass dies erneut einige Monate dauern wird. Am Ende könnten zur Gruppe 2600 Mitarbeiter gehören, die Bilanzsumme könnte auf 20 Milliarden Euro wachsen. „Damit sind wir nicht mehr so ganz klein.“ Wüstenrot – dieser Name könnte zur Disposition stehen. Anders ist das bei der OLB und Neelmeyer: „Es gibt Dinge, die sind unangreifbar. Neelmeyer hat als Marke einen Wert. Das steht für etwas. Die Marke OLB ist ebenfalls über jeden Zweifel erhaben.“

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