Stellenabbau nach Übernahme Bremer Landesbank baut 340 Stellen ab

Bei der Bremer Landesbank (BLB) wird nach der Komplettübernahme durch die NordLB fast ein Drittel aller Arbeitsplätze abgebaut. Das hat BLB-Regionalvorstand Christian Veit dem WESER-KURIER am Freitag mitgeteilt.
08.09.2017, 13:40
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Bremer Landesbank baut 340 Stellen ab
Von Peter Hanuschke

Nach der Komplettübernahme der Bremer Landesbank (BLB) durch die NordLB soll an den Standorten Bremen und Oldenburg nahezu ein Drittel der Stellen wegfallen. Das sagte BLB-Regionalvorstand Christian Veit dem WESER-KURIER. Insgesamt streicht das Institut 340 Jobs, davon 310 in Bremen und 30 in Oldenburg. Betriebsbedingte Kündigungen werde es in den kommenden Jahren nicht geben, so Veit. Der Stellenabbau erfolge sozialverträglich. Derzeit hat die BLB 1150 Mitarbeiter, davon ungefähr 800 in Bremen und 350 in Oldenburg.

Die niedersächsische NordLB und die BLB hatten ihre Fusion zum 31. August rechtlich vollzogen. Zuvor hatte das Land Bremen seine Beteiligung an der Bank an die Hannoveraner verkauft, wobei zunächst von einem Stellenabbau im Umfang von 200 Jobs die Rede gewesen war. Dass es mehr werden würden, deutete Veit später mehrfach an. Jetzt sind es fast drei Viertel mehr.

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Die BLB war im vergangenen Jahr extrem in Schieflage geraten, weil sich die Bank an faulen Schiffskrediten verhoben hatte. Die Milliardenrisiken konnte die BLB, an der Bremen mit 41,2 Prozent beteiligt war, alleine nicht mehr bewältigen. Deshalb übernahm die NordLB das Institut zu hundert Prozent.

Auch die Niedersachsen kämpfen mit enormen Risiken durch Schiffskredite, die Reeder wegen der weltweiten Schifffahrtskrise und den damit verbundenen niedrigen Frachtraten möglicherweise nicht mehr zurückzahlen können. Die NordLB will bis 2020 ein Fünftel aller Stellen im Konzern streichen.

„Vor ein paar Wochen haben die Personalvertretungen der BLB und der NordLB zusammen mit den Vorständen eine Zukunftssicherungsvereinbarung ausgehandelt, die nun Ende August unterzeichnet wurde“, sagte Veit. Teil dieser Vereinbarung sei ein Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen, und zwar bis zum Ende des laufenden Umstrukturierungsprogramms im Jahr 2020.

Stellenabbau bezieht sich auf nachgelagerte Bereiche

„Im gleichen Zeitraum soll der geplante Stellenabbau auf freiwilligen Maßnahmen erfolgen, etwa über Abfindungs- oder Vorruhestandsreglungen“, so der Regionalvorstand. Darüber hinaus biete der Konzern im Rahmen veränderter Zuständigkeiten ungefähr 95 Mitarbeitern der BLB einen Arbeitsplatz an anderen Standorten der NordLB in Norddeutschland an.

Der Stellenabbau beziehe sich in erster Linie auf eher nachgelagerte Bereiche, sagte Veit. Das sei auch der Grund, weshalb der Stellenabbau Bremen stärker als Oldenburg betreffe; die nachgelagerten Bereiche seien eher in Bremen angesiedelt. Insofern komme die Faustregel zum Tragen: Je näher eine Stelle am Kunden sei, desto geringer sei die Wahrscheinlichkeit, dass sie wegfalle.

Klassische Stabsbereiche dagegen, die jede Bank habe, würden bei einer Fusion in der Regel sehr deutlich reduziert. Die Entwicklung sei „schrecklich für den Bremer Bankenplatz und bedauerlich für die betroffenen Mitarbeiter“, sagte Jens Eckhoff, finanzpolitischer Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion. Der Jobverlust sei das Ergebnis einer verfehlten Politik. Bedauerlicherweise habe die rot-grüne Regierungskoalition „unseren Antrag abgelehnt, eine Jobgarantie mit ins Verhandlungspaket aufzunehmen“.

Auch die Kulturförderung wird auf den Prüfstand gestellt

Es sei klar gewesen, dass ein Stellenabbau kommen werde, aber es sei bedauerlich, dass er in dieser Größenordnung stattfinde, so Bürgermeisterin Karoline Linnert (Grüne), die als Finanzsenatorin lange Jahre BLB-Aufsichtsratschefin war. Positiv sei in diesem Zusammenhang lediglich, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen gebe.

Freie Büroräume wird es Veit zufolge aufgrund des Stellenabbaus in der für 100 Millionen Euro umgebauten sowie sanierten und erst im vergangenen Jahr fertiggestellten BLB-Zentrale am Domshof allerdings nicht geben. Das Gebäude mit seinen 24000 Quadratmetern, das für bis zu 500 Arbeitsplätze ausgelegt ist, werde auch künftig ausgelastet sein. Das resultiere auch aus weiteren Organisationsveränderungen.

Da sich der gesamte Konzern in einer Umstrukturierungsphase befinde, werde konsequenterweise auch die Kulturförderung auf den Prüfstand gestellt. „Ob und in welchem Umfang es in diesem Bereich Veränderungen geben könnte, steht noch nicht fest“, sagte Veit. Feststehe allerdings, dass „wir in der Region ein Partner der Kultur bleiben werden.“ Die BLB fördert unter anderem das Musikfest Bremen, und zwar seit 1991 von Beginn an. Was auch bleiben werde, sei die Marke BLB.

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