US Bike Container Kunden von Bremer Motorradhändler warten weiter auf Geld

Etliche Kunden erheben schwere Vorwürfe gegen die Betreiber des US Bike Container. Die räumen Fehler ein, hatten aber auf mehr Verständnis gehofft.
21.02.2021, 21:16
Lesedauer: 4 Min
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Kunden von Bremer Motorradhändler warten weiter auf Geld
Von Stefan Lakeband

Noch immer warten Dutzende Kunden eines Bremer Motorradhändlers auf ihr Geld – und das teils schon seit vielen Monaten. Konkret geht es um den US Bike Container in Hemelingen, gegen den etliche Kunden schwere Vorwürfe erheben und gerichtlich vorgehen.

Bereits vergangenen November hatte der WESER-KURIER über die Probleme des Unternehmens berichtet. In zahlreichen Fällen sollen die Geschäftsführer Motorräder in Zahlung genommen haben – als Anzahlung für ein neues Gefährt. Auf dieses allerdings warteten die Kunden vergeblich, auch das in Kommission gegebene Exemplar habe der Händler nicht zurückgegeben. In mehreren Fällen soll es bereits weiterverkauft worden sein, berichten Betroffene. Dass es sich dabei um Einzelfälle handelt, glauben sie nicht. Umso größer ist ihr Unverständnis darüber, dass der US Bike Container weiter seinem Geschäft nachgehen kann. Denn längst beschäftigen sich auch die Gerichte mit den Vorwürfen.

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Das Landgericht Bremen bestätigt auf Nachfrage, dass es im vergangenen Jahr 32 Zivilverfahren in der Sache gab; in diesem Jahr seien vier weitere dazugekommen. Die Kläger erhoffen sich davon, ihr gekauftes Motorrad doch noch zu bekommen oder wenigstens das Geld aus dem Verkauf ihres alten Motorrads zu erhalten. In mehreren Fällen sind bereits Versäumnisurteile ergangen, wodurch eine Pfändung möglich werden soll. Das ist jedoch nicht der einzige juristische Schauplatz: Die Bremer Staatsanwaltschaft bestätigt, dass mehrere Ermittlungsverfahren im Gange sind, bei denen es um den Tatbestand des Betrugs geht. Auch sie wurden von ehemaligen Kunden des Motorradhändlers angestrengt.

Die drei Geschäftsführer des Unternehmens weisen die Vorwürfe im Gespräch mit dem WESER-KURIER zurück. „Hätten wir unsere Kunden betrügen wollen, hätten wir das Geld genommen und den Laden dichtgemacht“, sagen sie. Stattdessen seien sie noch immer vor Ort und „jederzeit ansprechbar“.

„Es ist wirklich eng“

Dass es Probleme gibt, bestreiten sie nicht. Angefangen hätten diese im vergangenen Jahr: Zu Ende 2019 hat der US Bike Container nach Angaben der Geschäftsführer die Lizenz als offizielle Verkaufsstelle von Harley-Davidson verloren – nach mehr als 40 Jahren. „Daraufhin mussten wir unser Geschäft zwangsläufig neu ausrichten“, sagen sie. Die Corona-Pandemie und die Lockdowns hätten die Lage noch einmal verschärft. Das Virus solle aber keine Ausrede für alles sein: „Viele Dinge sind nicht so gelaufen, wie sie hätten laufen sollen."

Darüber, dass viele Kunden einen Anwalt eingeschaltet haben, sind die Geschäftsführer jedoch irritiert. Schließlich, so sagen sie, habe man stets versucht, den betroffenen Kunden Lösungen anzubieten. Zu vielen bestehe seit etlichen Jahren ein sehr gutes, fast freundschaftliches Verhältnis. In zahlreichen Fällen habe man nach Angaben der Betreiber so auch ohne Anwalt zu Lösungen gefunden; ihr Geld beziehungsweise ihre Motorräder hätten die Kunden zurückerhalten.

Doch längst nicht alle Kunden hätten sich auf diesen Weg einlassen wollen. „In den vergangenen Jahren haben wir immer alles glattgebügelt. Doch plötzlich soll unser Wort nichts mehr wert sein“, sagen sie. Stattdessen hätten sie Forderungen und Schreiben von Anwälten erhalten. „Wir haben natürlich Verständnis und wissen, dass es um Geld geht“, sagen die Unternehmer. Gleichzeitig finden sie: „Eine Harley ist nur ein Hobby und nicht lebensnotwendig.“

Beim US Bike Container hofft man nach eigenen Angaben nun darauf, dass der Lockdown bald beendet wird. Aktuell seien nur Reparaturen möglich, ein Verkauf im Geschäft jedoch nicht. Wie viele andere Unternehmen habe man Corona-Hilfen beantragt. „Es ist wirklich eng, aber wir haben keine Zahlungsschwierigkeiten“, sagen die Geschäftsführer, obwohl noch viele Kunden auf ihr Geld warten. „Wir sind hier und klären die Dinge. Die Forderungen werden wir bedienen, indem wir weiter Geld verdienen“, sagen die Motorradhändler. Eine Insolvenz sei daher auch kein Thema.

Lange Wartezeit

Viele ehemalige Kunden glauben mittlerweile nicht mehr an derartige Aussagen der Betreiber. Sie sind enttäuscht – auch menschlich. Ähnlich wie die Geschäftsführer haben sie die fast freundschaftliche Beziehung geschätzt, die lange Zeit bestanden habe. Daher hätten sie sich auch auf die Versprechen der Geschäftsführer verlassen und lange darauf vertraut, dass auch ohne juristische Auseinandersetzung eine Lösung gefunden werden kann.

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Das bestätigt auch Hans-Joachim Weck. Der Rechtsanwalt vertritt mehrere Kunden des US Bike Container. „Viele Gläubiger haben lange gewartet“, sagt er zu den Fällen. Daher dauere es in vielen Fällen so lange, bis es eine Entscheidung bei den Verfahren am Landgericht gebe.

Hinzu komme, dass durch die Corona-Pandemie die Arbeit des Gerichts eingeschränkt sei. Viele Kläger dürften also noch länger auf ihr Geld warten müssen. Bis man einen Vollstreckungstitel habe, sagt Weck, sei „schnell ein Jahr rum“.

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Vom Fahrrad mit Motor bis „Easy Rider“

In einem kleinen Schuppen in Milwaukee (Wisconsin) wurde 1903 der Grundstein für die heute wohl bekannteste Motorrad-Marke der Welt gelegt. Dass die vier Gründer damit einen Kult erschaffen werden, dürfte ihnen damals kaum klar gewesen sein: William, Walter und Arthur Davidson sowie William Harley gründeten das Unternehmen Harley-Davidson. Die ersten Motorräder von damals hatten mit den heutigen Gefährten allerdings wenig gemein, sondern glichen eher Fahrrädern mit Hilfsmotor. Auch die Zielgruppe war eine andere. Anstatt von Hobbyfahrern kamen die ersten Aufträge von der Polizei und der Bell Telephone Company. Privatkunden kamen erst später.

Kultstatus erlangte die Marke durch den Film „Easy Rider“ aus dem Jahr 1969. In den 1960er-Jahren kam es bei Harley-Davidson allerdings auch zu Absatzproblemen und schwerwiegenden Fehlentscheidungen des Managements. Mittlerweile hat das Unternehmen rund 5000 Mitarbeiter und macht jährlich etwa fünf Milliarden Dollar Umsatz. Neben den Werken in den USA gibt es Fertigungen in Brasilien und Indien.

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