Aufträge türmen sich

Bremer müssen immer länger auf Handwerker warten

Bei Handwerksbetrieben im Nordwesten herrscht Hochkonjunktur. Was die Unternehmen erfreut, hat für Kunden eine Kehrseite: Wer einen Handwerker braucht, muss sich meist viele Wochen gedulden.
29.10.2019, 14:10
Lesedauer: 2 Min
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Bremer müssen immer länger auf Handwerker warten
Von Florian Schwiegershausen
Bremer müssen immer länger auf Handwerker warten

Sie haben viel zu tun: Bis ein Dachdecker einen Termin frei hat, können inzwischen sogar einige Monate vergehen.

Stratenschulte/DPA

Die positive Stimmung im Bremer Handwerk ist ungetrübt. Das hat die Herbst-Konjunkturumfrage der Bremer Handwerkskammer ergeben. Die Umfrage hat aber auch ergeben, dass die Menschen in Bremen und Bremerhaven immer länger warten müssen, bis der beauftragte Handwerker mit den Arbeiten loslegt. Waren es bei der letzten Umfrage im Frühjahr noch durchschnittlich zehn Wochen Wartezeit, gaben die Betriebe nun an, dass die Kunden bis zum Start der Arbeiten im Durchschnitt elf Wochen warten müssen.

Da bei dieser Umfrage Betriebe aus allen Gewerken teilgenommen haben, können beispielsweise bei Dachdeckern die Wartezeiten noch länger sein, wie der Hauptgeschäftsführer der Bremer Handwerkskammer, Andreas Meyer, sagte: „Das können hier manchmal sogar Wartezeiten bis zu einem halben Jahr sein.“ Schließlich haben auch Betriebe aus dem Lebensmittelhandwerk wie Bäcker oder Fleischer an der Umfrage teilgenommen, die täglich produzieren ohne vorherige Aufträge.

Um dem Mangel an Arbeitskräften zu begegnen, bilden die Betriebe auch mehr junge Menschen aus. Nach Angaben von Meyer stieg die Zahl der eingestellten Azubis um drei Prozent auf 1096 Auszubildende. „Die Betriebe hätten auch gern noch mehr Azubis eingestellt, hätten Sie entsprechend welche gefunden“, sagte der Hauptgeschäftsführer. Die ersten Gespräche zwischen Politik, Kammern und Gewerkschaften über einen künftigen Bremer Ausbildungspakt sollen demnächst beginnen. Denn die sogenannte Bremer Vereinbarung läuft zum Jahresende aus.

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Ansonsten zeigen sich die Handwerksbetriebe in Bremen und Bremerhaven positiv gestimmt. Demnach beurteilen 87 Prozent der befragten Betriebe die Geschäftslage als gut oder befriedigend. 91 Prozent rechnen für die kommenden Monate mit einer guten Entwicklung. Stabilität zeigt sich auch in der Entwicklung der Personalsituation. 91 Prozent der Betriebe geben einen unveränderten oder gestiegenen Personalbestand an. Besonders erfreulich: Mehr Betriebe gaben Verbesserungen an, was den Umsatz, die Beschäftigtenzahl und die Nachfrage angeht. So berichten 26 Prozent von einer Umsatzsteigerung. 31 Prozent geben gestiegene Auftragseingänge an, und 93 Prozent der Betriebe konnten die Preise stabil halten oder steigern. Die Investitionen sind von Vorsicht geprägt, aber weiter auf einem guten Niveau.

Die Handwerksbetriebe in Bremen gehen davon aus, dass sich dieser stabile Wachstumskurs fortsetzen wird. 67 Prozent erwarten eine unveränderte Geschäftslage und 25 Prozent rechnen mit einer weiteren Steigerung. Die zukünftige Beschäftigungssituation wird nahezu unverändert gegenüber dem Herbst des Vorjahres eingeschätzt. 93 Prozent der Betriebe gehen von einem gleichbleibenden oder wachsenden Personalbestand aus.

Allerdings bleibt die Investitionsbereitschaft verhalten: 77 Prozent der befragten Betriebe planen mit unveränderten Investitionen, neun Prozent der befragten Betriebe planen mit höheren Investitionen und 14 Prozent wollen die Investitionen reduzieren. An der Umfrage der Handwerkskammer haben sich insgesamt 214 Betriebe aus Bremen und Bremerhaven teilgenommen. Die Ergebnisse fließen in die bundesweite Herbstumfrage zur Konjunktur vom Zentralverband des Deutschen Handwerks mit ein.

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