Bank streicht bis Ende 2023 alle Stellen Bremer NordLB-Standort vor dem Aus

Die Norddeutsche Landesbank baut bis Ende 2023 alle Stellen in Bremen ab. Übrig solle nur noch ein „Kundenbetreuungsbüro“ für Privat- und Geschäftskunden bleiben, erklärte NordLB-Vorstandschef Bürkle.
25.03.2020, 06:18
Lesedauer: 4 Min
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Bremer NordLB-Standort vor dem Aus
Von Peter Mlodoch

Übrig bleiben nur noch ein paar Räume; feste Mitarbeiter sind dort nicht mehr vorgesehen. Die Norddeutsche Landesbank baut an ihrem Bremer Standort bis Ende 2023 alle Stellen ab. Aus dem echten „Dienstsitz“ wird ein simples „Beratungscenter“. Für die Gespräche über Kredite oder Wertpapieranlagen müssen Privat- und Geschäftskunden einen Termin vereinbaren; ihre Bankbetreuer reisen dann eigens jeweils aus Oldenburg oder Hannover an. Das komplette Aus für die derzeit noch 400 Jobs in Bremen kündigte NordLB-Vorstandschef Thomas Bürkle am Dienstag auf einer Telefonpressekonferenz bei der Vorstellung der Bilanz 2019 seines Geldinstituts und dem Corona-bedingten Ausblick auf 2020 an – allerdings erst auf konkrete Nachfragen einiger Medien, unter anderem des WESER-KURIER.

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Vor zweieinhalb Wochen noch hatten Vorstand und auch der Aufsichtsratsvorsitzende, Niedersachsens Finanzminister Reinhold Hilbers (CDU), beteuert, dass in Bremen 80 bis 90 Stellen bestehen blieben. Spätere Berichte und deutliche Hinweise der Gewerkschaft Verdi auf ein Ende des Standorts ließen die NordLB-Oberen unkommentiert. Jetzt stellte Bürkle klar, dass es sich bei den zunächst genannten Job-Zahlen lediglich um einen „Zielkorridor bis Ende 2023“ handele. „Wir werden den Personalabbau nicht übers Knie brechen.“ Er gehe davon aus, dass sämtliche Jobs sozialverträglich und im Rahmen freiwilliger Vereinbarungen abgebaut werden könnten. Man werde weiter für die Kunden in der Hansestadt präsent sein; die entsprechenden Geschäftsbereiche werde das Institut aber an seinem Oldenburger Standort konzentrieren, sagte der Vorstandsvorsitzende. Im Nordwesten sei ein Zentrum ausreichend. „Da ist die Wahl auf Oldenburg gefallen – und zwar nicht aus irgendwelchen politischen Erwägungen heraus. Sondern es ging allein um betriebswirtschaftliche Dinge“, meinte Bürkle.

In der niedersächsischen Landespolitik hatte es immer wieder Forderungen nach einer vollständigen Schließung des Bremer Standorts gegeben – weil der rot-grüne Senat 2017 bei der vollständigen Einverleibung der Bremer Landesbank (BLB) durch die NordLB angeblich das Nachbarland mit dem Kaufpreis über den Tisch gezogen habe.

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Anfang März noch andere Töne

In Oldenburg arbeiten nach Angaben der Bank derzeit noch rund 200 Personen; die Belegschaft soll bis Ende 2023 auf rund 150 Mitarbeiter schrumpfen. Über das künftige Schicksal des repräsentativen Bankgebäudes in der Bremer City wollte sich Vorstandschef Bürkle nicht konkret äußern. „Dazu ist noch keine Entscheidung gefallen. Das gucken wir uns an.“ Angesichts der starken Verkleinerung der Bank und des ambitionierten Kostenziels werde man alle Gebäude auf den Prüfstand stellen, und zwar nicht nur in Bremen, ergänzte später ein NordLB-Sprecher.

Aufsichtsratschef Hilbers, der im Interview mit dem WESER-KURIER Anfang März noch die aktive und wichtige Rolle des Bremer Standorts bekräftigt hatte, wollte sich nun trotz Nachfrage nicht mehr zu den Folgen für die Hansestadt äußern. Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) und Finanzsenator Dietmar Strehl (Grüne) kommentierten die neuen Entwicklungen vorerst nicht. Man brauche zunächst eine offizielle Bestätigung der Bank, hieß es beim Senat.

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Die wegen fauler Schiffskredite in Schieflage geratene NordLB hatte sich im September 2017 die ebenfalls unter diesem Problem leidende Bremer Landesbank komplett einverleibt – der erste Schritt zum Konzept „One Bank“. Nach einer Investorensuche, dem Durchspielen diverser Geschäftsmodelle, unzähligen Gesprächsrunden unter anderem mit der EU-Kommission einigten sich die Eigner, allen voran das Land Niedersachsen und das Sparkassenlager, 2019 auf einen 3,6 Milliarden Euro schweren Rettungsplan.

Der angestrebte Umbau zu einer kleineren, risikoärmeren und gleichzeitig schlagkräftigen Bank sei „on track“, also auf dem Weg, erklärte Vorstandschef Bürkle. „Die NordLB war 2019 in nahezu allen Geschäftsbereichen profitabel.“ Dass unterm Strich dennoch ein Verlust von 69 Millionen Euro (nach einem Minus von 2,4 Milliarden Euro in 2018) stehe, sei den hohen „Restrukturierungsaufwendungen“ in Höhe von 459 Millionen Euro geschuldet. Ein Großteil davon gehe auf das Konto der Kosten für Aufhebungsverträge mit den Mitarbeitern. Von den insgesamt 6450 Beschäftigten des Konzerns im Jahr 2017 blieben 2019 noch 5300. Bis 2024 soll diese Zahl dann auf 2800 sinken.

Mit dem Personalabbau einher ging eine weitere Senkung des Verwaltungsaufwandes – seit 2017 um fast 200 Millionen Euro auf 970 Millionen Euro. 2024 soll dieser nur noch 625 Millionen Euro betragen. Als künftige Bilanzsumme bis dahin strebt die NordLB 95,4 Milliarden Euro an – nach 164,8 Milliarden 2017 und 136,9 Milliarden Euro 2019. Auf der Zielgeraden sieht sich das Institut auch bei der harten Kernkapitalquote. Dank der satten Finanzspitze betrug diese zum Jahresende 14,54 Prozent und lag damit deutlich über den regulatorischen Mindestanforderungen von 10,11 Prozent.

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Positives Ergebnis bei Schiffskrediten

Und selbst die Schiffskredite machten der Führungsspitze Freude. Betrug das Portfolio einst noch 19 Milliarden Euro an Krediten für rund 1800 Schiffe, schrumpfte diese Summe im vergangenen Jahr beträchtlich auf 4,6 Milliarden Euro für nur noch 535 Schiffe. Und davon waren auch nur noch 2,5 Milliarden Euro notleidend.

Durch erfolgreiche Verkäufe von Schiffen sowie Zins- und Tilgungszahlungen auf bereits abgeschriebene Schiffe konnte dieser Bereich 2019 insgesamt sogar ein positives Ergebnis von 196 Millionen Euro vor Steuern erzielen. An eine Wiederbelebung der Schiffssparte denkt die NordLB dennoch nicht. „Die Bank wird sich aus diesem Geschäftsfeld komplett zurückziehen und das Schiffsportfolio vollständig zurückfahren“, betonte Bürkle klipp und klar. Schließlich sei die Reduzierung auf Null der verlustreichen Geschichte geschuldet und damit unverzichtbarer Teil des von der EU abgesegneten Plans. Außerdem diene der Abschied von den Schiffen der angestrebten Vereinfachung des gesamten Geschäftsmodells.

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