Stilberatung in Bremen Bremer Personal Shopperin findet passende Outfits

Bremen. Personal Shopperin Katja Górecki hat ihr Hobby zum Beruf gemacht: Shoppen gehen. Ob alleine oder mit ihren Kunden durchforstet die 41-jährige Bremerin den Kleider-Dschungel in Kaufhäusern und Boutiquen. Ihr Auftrag: Ein passendes Outfit zusammenstellen.
09.01.2010, 08:20
Lesedauer: 6 Min
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Von Barbara Debinska

Bremen. Shoppen gehen - größte Wonne für die einen, reinste Hölle für die anderen. Wer überfüllte Einkaufshäuser nicht scheut, es gar entspannend findet, mit der besten Freundin als persönliche Beraterin auf die Jagd zu gehen nach der zwanzigsten Jeans - der wiegt sich nur scheinbar in Sicherheit vor Verkäuferinnen, die einem alles, wirklich alles, verkaufen würden. Und auch die beste Freundin ist in Sachen Klamottenkauf nicht immer objektiv.

An dieser Stelle kommt Stilberaterin und Personal Shopperin Katja Górecki ins Spiel. Die Bremerin hat ihr Hobby zum Beruf gemacht: Shoppen gehen. Ob alleine oder mit ihren Kunden durchforstet die 41-Jährige den Kleider-Dschungel in Kaufhäusern und Boutiquen. Ihr Auftrag: Ein passendes Outfit oder eine ganze Garderobe im Rahmen eines vorgegeben Budgets zusammenstellen – eine Dienstleistung, die in den USA gang und gäbe ist. In Deutschland stecke das Phänomen noch in den Kinderschuhen, die Nachfrage nehme allerdings deutlich zu, weiß Katja Górecki.

Kundinnen melden sich meist über Mund-zu-Mund-Propaganda bei der Fachfrau. Ihre Kartei umfasst rund 700 Kunden. Zehn Prozent davon sind Männer. Sie stellen der Personal Shopperin meist ein deutlich höheres Budget zur Verfügung als Frauen. Katja Górecki erklärt warum: „Männer sind pragmatischer als Frauen und kaufen im Schnitt zwei Mal pro Jahr ein – eine Garderobe für die Herbst/Winter-Saison und eine für die Frühjahr/Sommer-Saison. Dabei kleiden sie sich von Kopf bis Fuß neu ein – vom Hemd über den Mantel bis zu Socken und Schuhen.“

Die meisten ihrer weiblichen Kundinnen seien ganz normale Frauen, die sich verändern möchten und deshalb einen Kaufbedarf hätten, sagt die Personal Shopperin. Beispielsweise kommen Frauen nach einer Schwangerschaft zu der Bremer Stilberaterin, oder Frauen, die einen neuen Job angefangen haben, auch welche, die einen neuen Lebensabschnitt als Single starten – sie alle lassen sich von Katja Górecki für 60 Euro pro Stunde beraten.

Zurzeit bedient die 41-Jährige im Durchschnitt 20 Kunden pro Monat. „Einige sind Neukunden, andere Stammkunden.“ Das variiere allerdings, da sie auch als Stylistin tätig sei. Sie stattet Fotoshootings mit Requisiten aus, organisiert Modenschauen und hilft in Interieur-Fragen. „Mit dieser Kombination lässt es sich sehr gut davon leben“, fasst die Geschäftsfrau ihre Selbständigkeit zusammen.

Personal Shopperin kommt zu den Kunden nach Hause

„Für eine umfassende Stilberatung reicht es nicht, sich vorher bei mir im Showroom zu treffen und zu besprechen, was der Kunde will“, sagt Katja Górecki. Um sich einen Gesamteindruck ihrer meist weiblichen Kundschaft zu verschaffen, kommt die Personal Shopperin zu ihren Kundinnen nach Hause und schaut gründlich den Kleiderschrank durch. „Wir sehen dabei gemeinsam die komplette Garderobe durch und nehmen jedes Kleidungsstück in die Hand“, erklärt sie. Höchstens drei Stunden dauert das Sichten des Kleiderschranks.

Ihre Besuche bei den Kundinnen Zuhause ermöglichen der Stilberaterin, sich in kurzer Zeit ein Bild von der jeweiligen Person zu machen. „Meistens komme ich gleich in einen der intimsten Räume hinein – in das Schlafzimmer, denn dort befindet sich in der Regel der Kleiderschrank“, sagt sie. Nicht nur die Garderobe auch die Inneneinrichtung verrät der Fachfrau eine Menge über den Stil beziehungsweise den Geschmack ihrer Kundinnen. „So sehe ich gleich, ob jemand eher einen verspielten, klassischen oder schlicht-eleganten Stil bevorzugt, was bei der Stilfindung hilfreich sein kann.“

Während die Stilberaterin mit ihren Kundinnen den Kleiderschrank durchschaut, sortiert sie schnell und gezielt Kleidungsstücke aus, die ihre besten Tage bereits hinter sich haben, oder welche, die einfach zu klein oder zu groß sind. Gleichzeitig gibt sie Tipps, was die Kunden noch in einem Second-Hand-Laden verkaufen können.

Vorhandene Kleidungsstücke zu neuen Outfits kombinieren

Zudem kombiniert sie vorhandene Kleidungsstücke  und kreiert damit neue Outfits. „Wir probieren viel aus, und wenn etwas nicht gut aussieht, wird es auch sofort wieder verworfen“, erklärt sie. „Das Wichtigste dabei ist, dass die Kundin sich in den neuen Kombinationen wohl fühlt, die wir aus ihrer bestehenden Garderobe zusammenstellen“, sagt sie und will damit deutlich machen, dass sie niemandem einen Stil aufzwingen will. Die Bremerin berät individuell und stellt sich komplett auf den Kunden ein. „Die Chemie muss einfach stimmen“, weiß sie aus Erfahrung.

Außerdem gibt sie Tipps für eine optimierte und kleidungsschonendere Sortierung. Zum Beispiel empfiehlt sie alle Blusen auf Bügel zu hängen, und zwar eine Bluse pro Bügel. Andernfalls verliere man leicht den Überblick über den Inhalt des Kleiderschranks oder vergesse gar das ein oder andere Teil. „Strickjacken sollten hingegen besser gefaltet im Regal liegen, so bleiben sie von Bügel-Beulen im Schulterbereich verschont“, erklärt die Modeberaterin.

Für besondere Kleidungsstücke, die nicht mehr getragen werden, aber wegen persönlicher Erinnerungen einen hohen ideellen Wert für die Kundinnen besitzen, empfiehlt Katja Górecki eine Extra-Kiste, die man wie einen Schatz aufbewahrt. „Kundinnen, die sich bei mir melden, wollen sich verändern und nehmen meine Ratschläge gerne an“, beschreibt sie ihre Kundschaft.

Personal Shopping oder Einkaufsbegleitung

Schließlich wird gemeinsam eine Liste der Sachen erstellt, die die Kundin braucht. Dabei geht es nicht nur um Kleidung, sondern um ganze Outfits. Dazu gehören auch Schuhe und Accessoires wie Taschen, Gürtel, Tücher, Mützen und Schmuck. Katja Górecki gibt auch Empfehlungen für eine neue Frisur oder für ein Make-up. „Hierbei gebe ich lediglich Tipps und Adressen, das Haareschneiden und das Make-up überlasse ich den Profis“, sagt sie.

Zudem wird ein Budgetlimit festgelegt, das die Kundin der Personal Shopperin vorgibt. „Für eine neue Basis-Garderobe sollte man mit einem Budget ab 500 Euro rechnen aber auch kleinere Budgets sind bei Stücken für spezielle Anlässe möglich“, sagt sie.

Je nachdem, wie die Kunden es wünschen, begleitet Katja Górecki ihre Kundinnen auf einer Shopping-Tour durch die City. In diesem Fall ist sie als Einkaufsbegleiterin aktiv. Wenn die Kunden volle Einkaufshäuser und Boutiquen scheuen oder schlichtweg keine Zeit haben, geht sie alleine los und trifft als Personal Shopperin eine Vorauswahl.

Dabei geht sie genauso zu Karstadt, Kaufhof und H&M wie in ausgewählte Designer-Läden im Ostertor. Die Mischung der Stücke sei für das Budget entscheidend. „Basics wie Tops, Shirts oder Leggings dürfen günstiger sein, da sie meist nur eine Saison lang getragen werden sollten. Schnell sehen sie nämlich durch häufiges Tragen und Waschen abgetragen aus“, sagt die Fachfrau.

Klassische, zeitlose Schnitte bei Highlights bevorzugen

In Highlights wie eine schickes Kleid, einen Hosenanzug oder feine Schuhe lohne es sich hingegen, mehr Geld zu investieren, da diese Kleidungsstücke meist mehrere Jahre getragen würden. Hierbei rät Katja Górecki dazu, nicht zu sehr auf modische Schnitte zu achten, sondern klassische Schnitte, die zeitloser sind, zu bevorzugen. So müsse man nicht jedes Jahr einen neuen Hosenanzug kaufen, um im Trend zu bleiben.

Bei der Einkaufsbegleitung legt die Stilberaterin großen Wert darauf, dass sie gezielt Läden ansteuert. „Es soll nicht unnötig Zeit verbummelt werden, und der Kunde soll sich nicht gestresst fühlen“, sagt sie. Beim Betreten einer Warenhausabteilung oder einer Boutique lässt sie einmal den Blick schweifen und greift gezielt zu bestimmen Kleidungsstücken oder Accessoires.

Über das aktuelle Warenangebot ist sie stets auf dem neuesten Stand, da sie praktisch jeden Tag für oder mit Kunden einkaufen geht. Zudem kennt sie im Laufe der Zeit viele Einzelhändler und Verkäufer in den Warenhäusern und genießt somit ihr Vertrauen. Deshalb leiht sie in vielen Geschäften die Ware lediglich, wenn sie als Personal Shopperin allein unterwegs ist. Mit ausgewählter Garderobe besucht sie ihre Kunden erneut zu Hause, die sich dann Passendes aussuchen können. „Wenn es kein klares Ja zu ausgewählten Outfits seitens der Kunden gibt, dann wird auch nichts gekauft“, sagt sie.

Mit Hauspartys angefangen

Die gelernte Einzelhandelskauffrau hat vor acht Jahren angefangen als Stilberaterin zu arbeiten, nachdem sie ihr zweites Kind bekommen hatte. Zuvor im Vertrieb innerhalb der Modebranche tätig, hatte sie bereits gute Kontakte zu Einzelhändlern, die wiederum über volle Lager klagten. Da kam Górecki auf die Idee, Waren aus den überfüllten Lagern der Geschäfte Bekannten und Freundinnen auf Hauspartys anzubieten.

Damit half die Bremerin den Einzelhändlern, die Lager leer zu räumen – im Gegenzug dafür konnte sie die Ware mit Preisnachlässen als echte Schnäppchen an die Frau bringen. Von den Hauspartys inspiriert, gründete sie 1999 den „ Fashion Day“. Bei diesem Event, der zwei Mal im Jahr stattfindet, bietet sie verschiedene Kollektionsstücke zu vergünstigten Preisen an.

Wenn Katja Górecki jemand über den Weg läuft, der geschmackvoll gekleidet ist, geht sie hin und macht gerne mal ein Kompliment: „Wenn jemand sich offensichtlich Gedanken und Mühe um sein Aussehen gemacht hat, und man einfach gerne hinschaut, kann man ihn es doch wissen lassen.“

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