Für den Liniendienst nach Afrika Bremer Reederei BOCS kauft erstes eigenes Schiff

Ab jetzt auch Schiffsbesitzer: Die Bremer Reederei BOCS hat nun ein Multipurpose-Schiff gekauft. Was sie damit vorhat, und wieso es nach ihrer Meinung ein guter Zeitpunkt zum Kauf gewesen sei.
07.02.2019, 18:33
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Bremer Reederei BOCS kauft erstes eigenes Schiff
Von Peter Hanuschke

Seit der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise 2008, die auch die bis heute in vielen Segmenten anhaltende Schifffahrtskrise auslöste, hat sich die deutsche Handelsflotte von zirka 3500 auf etwa 2100 Schiffe reduziert. Nur vereinzelt meldeten Reedereien Flottenzuwächse – so etwa die beiden größten Bremer Schifffahrtsunternehmen Zeaborn und Harren & Partner. Noch eine Ausnahme bildet nun der Projekt- und Stückgut-Carrier Bremen Overseas Chartering and Shipping (BOCS): Die Reederei hat den Mehrzweckfrachter "Jennifer H" von kanadischen Eignern gekauft – es ist das erste Schiff, das ganz im Eigentum von BOCS ist. Die Befrachtungsfirma betreibt einen Liniendienst zwischen Nordwesteuropa und Westafrika.

Der Frachter, der künftig unter portugiesischer Flagge fährt und den Namen „BOCS Vision“ trägt, wird ab 20. Februar als fünftes Schiff im Westafrika-Dienst eingesetzt. Derzeit hat die Bremer Reederei vier eingecharterte Schiffe im Einsatz: drei große sogenannte Tweendecker der African-Serie mit einer Tragfähigkeit von 28 448 Tonnen haben und die „WAF Passion“ als 12 000-Tonner. Die großen African-Frachter waren laut BOCS mit konzipiert worden, die Firma hält danach auch bedeutende Kommanditanteile an den Schiffen. Die „WAF Passion“ ist von der Bremer Reederei Eugen Friedrich eingechartert.

„Wir wollen mit dieser Investition unabhängiger vom Chartermarkt sein“, sagt BOCS-Geschäftsführer Björn Hollnagel. Gerade im Segment Multipurpose seien in den vergangenen Jahren mehr Mehrzweckschiffe abgewrackt als neue gebaut worden. Und das könne sich demnächst auf die Charterraten auswirken. „Wir haben schon längere Zeit auf dem Secondhand-Markt nach Schiffen geguckt, aber so eine Investition muss natürlich passen.“

Ziel sei es gewesen, ein Schiff zu erwerben, dass von der physischen Größe her zur Flotte passt. Und der Kauf bedeute quasi eine Punktladung: Das neue Schiff „BOCS Vision“ ist typgleich mit der 140 Meter langen und 22 Meter breiten „WAF Passion“. „Das ist natürlich ein riesen Vorteil. Wir wissen, wie die Schiffe beladen werden und können dadurch die ,BOCS Vision' ohne Probleme in unseren Liniendienst integrieren“, so Hollnagel. Derzeit liegt die „BOCS Vision“ noch in der Bredo-Werft in Bremerhaven und werde ein „wenig hübsch“ gemacht. Unter anderem werden für den Transport von Agrarerzeugnissen die Laderäume sandgestrahlt und neu beschichtet.

Zum Kaufpreis des Neuerwerbs wollte sich die Reederei nicht äußern. Nach Angaben vom Fachmagazin „Hansa“ bewerten Makler den 2008 gebauten Frachter mit drei Kränen und einer kombinierten Hebekapazität von 160 Tonnen mit mehr als sechs Millionen US-Dollar (5,25 Millionen Euro).

Die vorherigen Eigner – nach Informationen von „Hansa“ waren das die kanadische Immobilieninvestorengruppe Mach zusammen mit dem kanadisch-libanesischen Geschäftsmann Talal Hallak (U-Ship) – hatten den Frachter Mitte 2017 für nur 3,8 Millionen US-Dollar von den finanziell angeschlagenen SCL Reedereien AG in der Schweiz übernommen – zusammen mit fünf weiteren Schiffen.

Als Teil der Schweizer Hochseeflotte waren die Schiffe laut „Hansa“ durch Bundesbürgschaften abgesichert. Da sie weit unter Buchwert verkauft werden mussten, waren der Schweiz dadurch hohe Verluste entstanden.

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