Bis zu zehn Schwergutfrachter sollen finanziert werden

Bremer Reederei holt US-Investor an Bord

Bremen. Die Bremer Reederei Harren&Partner hat einen Ausweg aus der Krise in der Schiffsfinanzierung gefunden. Ein US-Investor steigt als neuer Kapitalanleger ein. Perspektivisch soll eine Flotte von bis zu zehn Schwergutfrachtern aufgebaut werden.
20.12.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Krischan Förster
Bremer Reederei holt US-Investor an Bord

Mit Hilfe des neuen Finanzinvestors JP Morgan will die Bremer Reederei Harren&Partner künftig Schwergutschiffe finanzieren.

ECKARDT

Bremen. Die Bremer Reederei Harren&Partner hat einen Ausweg aus der Krise in der Schiffsfinanzierung gefunden. Der JP Morgan Global Maritime Investment Fund steigt als neuer Kapitalanleger ein. Die Verträge über die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens seien am Freitag unterzeichnet worden, sagte am Montag Reedereichef Martin Harren. Finanziert wird durch JP Morgan zunächst ein Schiff, perspektivisch soll eine Flotte von bis zu zehn Schwergutfrachtern aufgebaut werden.

Bremen. Erst jüngst war auf dem jährlichen "Hansa-Forum" für Schiffsfinanzierung ein düsteres Szenario entworfen worden. Jeder zehnte von insgesamt etwa 2000 deutschen Schiffsfonds könnte demnächst zum Sanierungsfall werden, weil das operative Geschäft angesichts des Ratenverfalls die Kosten nicht mehr deckt. Betroffen sind Containerschiffe und Tanker, Massengut- und Mehrzweckfrachter - die ganze Flotte.

Das jahrzehntelang erfolgreich praktizierte KG-Modell, bei dem private Anleger für das Eigenkapital sorgten und alle Beteiligten gut verdienten, ist schwer in der Bredouille. In vielen Fällen muss massiv Kapital nachgeschossen werden, um bestehende Fonds überhaupt retten zu können. Schon die Refinanzierung bereits gebauter Schiffe ist erheblich schwerer geworden, wie auch bei Harren&Partner festzustellen war. Konnten 2007 noch 35 Millionen Euro Anlegergeld eingesammelt werden, waren es im vergangenen Jahr nur noch 15 Millionen, in diesem Jahr dürfte der Betrag nach Unternehmensangaben unter die Zehn-Millionen-Grenze rutschen.

Anderthalb Jahre verhandelt

An Neugeschäft ist mit dem KG-Modell derzeit kaum zu denken, da auch die schiffsfinanzierenden Banken nur noch äußerst sparsam Fremdkapital-Kredite vergeben. Experten auf dem Hamburger Forum hatten den Reedereien daher dringend empfohlen, neue Formen der Kapitalbeteiligung zu suchen. Die Bremer Reederei Harren&Partner, vor 16 Jahren mit nur einem Kümo gegründet und inzwischen auf eine Flotte von 60 Schiffen angewachsen, ist fündig geworden. Nach der US-Investmentbank Goldman Sachs, die mit 500 Millionen US-Dollar den Aufbau einer Offshore-Flotte finanziert, will auch JP Morgan in die Schifffahrt investieren. "Das ist für uns ein großer Erfolg", sagt Martin Harren, wie sein Vater und Firmengründer Peter Harren Geschäftsführer der Reederei. Anderthalb Jahre lang sei verhandelt worden, bis am vergangenen Freitag schließlich der Abschluss gefeiert werden konnte.

Die Bremer folgen damit exakt dem Expertenrat. Gerade mittelständische Reedereien, in ihren Strukturen nicht unbedingt für institutionelle Investoren attraktiv, müssten sogenannte Asset-Plattformen schaffen, lautet die Empfehlung. Also eine Wertanlage (Schiffe) aus dem Unternehmen und damit auch aus dem Gesamtrisiko herauslösen. Genau das vollzieht jetzt auch Harren - mit Goldman Sachs ebenso wie mit JP Morgan. Das Modell klingt einfach: Maritime Expertise paart sich mit Geld - und beide Seiten verdienen daran.

Anders als im Fall Beluga beim Einstieg des Private-Equity-Fonds Oaktree haben die beiden US-Investoren keine Unternehmensanteile an Harren&Partner erworben, sondern sind jeweils Partner eines Gemeinschaftsunternehmens mit der Reederei. Einziger Geschäftszweck des Joint Ventures mit dem JP-Morgan-Schifffahrtsfonds, der laut Branchenangaben insgesamt 750 Millionen US-Dollar eingeworben hat: die Finanzierung von Schiffen. Erster Frachter dieser neuen Firma ist die "Hyundai Pegasus", ein 133 Meter langer Schwergutfrachter, der vor gut einem Jahr auf eigene Rechnung der Bremer gebaut wurde und gerade in asiatischen Gewässern unterwegs ist. "Weitere Schiffe sollen und werden folgen", so Harren. Als Ziel hätten die beiden Partner eine Flotte von zehn Schiffen ausgegeben. Nicht unbedingt Neubauten sollten angeschafft werden, sondern relativ junge, leistungsfähige Schwergut-Frachter mit guten Charterverträgen, "die sich am Markt behaupten können", sagt Harren. Das könne auch über Zukäufe geschehen.

Mit diesem Konzept konnten die Amerikaner überzeugt werden, die künftig 80 Prozent des von den Banken geforderten Eigenkapitals finanzieren sollen. Üblich ist heute eine Quote von etwa 40 Prozent des Gesamtpreises. Die fehlenden 20 Prozent des Eigenkapitals will die Reederei, die Bereederung (Betrieb) und gegebenenfalls Befrachtung übernimmt, selbst in die Schiffe investieren "und trotz der Krise weiter wachsen", sagt Martin Harren. Die reine Größe einer Reederei und die Zahl ihrer Schiffe sei marktentscheidend, gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Die neuen Kapitalgeber sollen eine Expansion finanzieren, die sonst nicht möglich wäre.

Mit gleich zwei Schwergewichten aus der Finanzbranche als Partner sehen sich die Bremer gut aufgestellt und sorgen für eines der wenigen Positiv-Beispiele in der krisengebeutelten Branche. Vergleichbare Abschlüsse gibt es bislang nur wenige, weil die potenziell neuen Kapitalgeber hohe Anforderungen stellen. Denn solche Investoren erwarteten aus dem laufenden Geschäft eine Rendite von zehn bis 15 Prozent, sagte Dirk Lammerskötter von der HSH Nordbank jüngst beim "Hansa"-Forum. "Das können die wenigsten Reedereien leisten." Harren&Partner hat offenbar der strengen Prüfung standgehalten. Details des Vertrages mit JP Morgan verrät auch Martin Harren nicht. "Wir haben zwar keine Garantien abgegeben, aber es ist doch klar, dass es auf Investorenseite gewisse Erwartungen gibt", räumt er ein.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+