Geringer Anteil an Elektrofahrzeugen

Bremer sind E-Auto-Muffel

Auch wenn die großen Hersteller nun auf Elektrofahrzeuge setzen, hält sich in Bremen die Begeisterung dafür in Grenzen. Das zeigen aktuelle Zahlen des Kfz-Gewerbes Niedersachsen-Bremen. Was der Verband fordert.
04.03.2020, 14:01
Lesedauer: 2 Min
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Bremer sind E-Auto-Muffel
Von Florian Schwiegershausen

An der Weser hält sich die Begeisterung für Elektrofahrzeuge weiterhin in Grenzen. Das zeigen die Zahlen des Landesverbands des Kfz-Gewerbes Niedersachsen-Bremen. Demnach hatten in Bremen und Bremerhaven rein batteriebetriebene Fahrzeuge bei Neuzulassungen und Besitzumschreibungen im abgelaufenen Jahr einen Anteil von 0,6 Prozent. Bei Neuwagen habe der Anteil bei 1,8 Prozent gelegen, wie der Obermeister der Bremer Kfz-Innung, Hans Jörg Koßmann, am Mittwoch bei der Veröffentlichung der aktuellen Zahlen in der Bremer Handwerkskammer bekannt gab.

Im Januar 2020 wurden 31 E-Fahrzeuge an der Weser neu zugelassen. Das entspricht einem Anteil von 1,95 Prozent. Addiere man noch die 63 Plug-In-Hybride hinzu, ergebe das einen E-Anteil in Höhe von 5,9 Prozent. Für 2020 erwartet die Branche in Bremen und Bremerhaven kein normales Autojahr. So geht der Verband zwar davon aus, dass mit rund 20.000 Neuzulassungen und 50.000 Umschreibungen bei Pkw es kaum marginale Veränderungen geben werde. Doch der Verband erwartet Marktverzerrungen: Die entstünden durch den Aktionismus der Hersteller, die mit Verkaufsaktionen die E-Verkäufe ankurbeln wollten. Die Branchenvertreter aus Bremen und Niedersachsen fürchten durch den zusätzlich hohen Umweltbonus von bis zu 6000 Euro, dass das Preisgefüge im Automarkt instabil werde.

Hohe Investitionen für Autohändler

Karl-Heinz Bley als Präsident des Kfz-Gewerbes Niedersachsen-Bremen und Hans Jörg Koßmann als Obermeister der Bremer Kfz-Innung sehen eine Schieflage: Auf der einen Seite würden die Autohersteller vom Bundeswirtschaftsministerium mit großzügigen finanziellen Anreizen für den Vertrieb von E-Fahrzeugen ausgestattet – wozu sie auch Gelder für Forschung und Entwicklung rechnen. Auf der anderen Seite, so beklagte Bley, müssten die Händler auf Druck der Hersteller kräftig investieren, ohne zu wissen, wann das Geschäftsmodell E-Mobilität wirklich Früchte trage. So fragten sich viele Betriebe, wie sie die von den Herstellern aufgezwungenen und zum Teil „völlig überzogenen E-Fahrzeug-Quoten“ erfüllen sollen. Hier gehe es um die existenziell wichtigen Boni, wie Bley ergänzte: „Selbige dürfen wir nicht gefährden oder verlieren.“ Und wenn gleichzeitig Autohändler Fördermittel für eine E-Ladesäule auf dem Firmengelände beantragt hätten, seien diese größtenteils abgelehnt worden – vor allem, wenn es sich um Vertragshändler handele.

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Zumindest kann sich die Branche über einen Aspekt freuen: So viel wie im Jahr 2019 haben private Haushalte in Bremen und Bremerhaven noch nie für neue und gebrauchte Pkw ausgegeben. Mit 600 Millionen Euro, davon 200 Millionen Euro für Neuwagen, sei ein neuer Höchstwert erreicht worden. 22 Prozent aller Neuwagen waren dabei SUV.

Sinkende Umsätze für Pkw-Werkstätten

Der Umsatz für die Werkstätten dagegen sinkt angesichts niedrigerer Wartungsintervalle und immer besserer Assistenzsysteme im Auto. Die typischen Kratzer und Beulen, die oft beim Parken entstehen, nehmen dadurch ab. Die finanziellen Verluste, die die Händler durch Leasingrückläufer mit manipuliertem Euro-5-Dieselmotor hatten, seien nun ausgestanden, wie Bremens Kfz-Obermeister Koßmann erläuterte: „Die letzten Euro-5-Diesel als Leasingfahrzeuge sind 2015 rausgegangen. Nach drei Jahren sind die Autos an die Händler zurückgekommen und wurden dann weiter verkauft – allerdings ist die Frage, mit welchen Verlusten.“ Bley sagte dazu: „All diese Autos sind irgendwohin in die Welt verkauft worden.“ Auf den Kosten für Nachrüstungen sind laut Bley auch zum Teil die Händler sitzengeblieben.

Angesichts all der Auflagen, die ein Hersteller heutzutage von einem Vertragshändler fordere, sei es laut Koßmann für den einen oder anderen Händler wie ein Befreiungsschlag gewesen, wenn die Verträge mit dem Hersteller ausliefen und nicht verlängert wurden.

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