Programme für iPhone und iPad Bremer Software erobert Apples Marktplatz

Bremen. Vor gut zwei Jahren tat sich für Software-Entwickler mit der Einführung von Apps eine neue Welt auf. Das US-Computerunternehmen Apple führte sogenannte Apps ein, bei deren Entwicklung eine wachsende Zahl an Bremer Akteuren erfolgreich mitmischt.
22.10.2010, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Sebastian Manz

Bremen. Vor gut zwei Jahren tat sich für Software-Entwickler eine neue Welt auf. Das US-Computerunternehmen Apple führte sogenannte Apps ein. Diese meist kostenpflichtigen Mini-Programme sind seither ein zentraler Bestandteil von Internethandys und Tabletcomputern. Fünf Milliarden Apps sind bis heute heruntergeladen worden. Weil jeder eingeladen ist, selbst Apps zu entwickeln und daran zu verdienen, ist unter Entwicklern ein wahrer Goldrausch ausgebrochen. Eine wachsende Zahl an Bremer Akteuren mischt in diesem neuen Markt erfolgreich mit.

Die Rettung der Menschheit hat sich für die Firma Anima Entertainment als erfolgreiche Geschäftsidee erwiesen. Die Softwareschmiede mit Sitz im Überseehafen hat sich auf das Entwickeln von Spielen für Apples Mobiltelefon iPhone und den Tabletcomputer iPad spezialisiert. Mit ihrem jüngsten Produkt, dem Spiel 'Earth Defender' ('Verteidiger der Erde'), ist dem Team um das geschäftsführende Trio Nicolas Born, Hans Taneli Hamm und Tobias Weber ein weltweiter Verkaufsschlager gelungen. Das Spiel gilt bereits als eine der erfolgreichsten deutschen Apps des Jahres.

Die Regeln sind relativ simpel: Durch das möglichst systematische Zünden von Bomben muss der Spieler außerirdische Invasoren von der Erde fernhalten. Einfache Bedienbarkeit ist eine der Bedingungen, die Apple an die Programme stellt, die auf seiner Download-Plattform, dem sogenannten App-Store landen. Grundsätzlich überprüfen die Amerikaner jede Anwendung auf gewisse Richtlinien. Neben technischen Anforderungen erlaubt sich Apple bisweilen inhaltliche Korrekturen einzufordern. Das stößt nicht bei allen Programmierern auf Verständnis. 'Von uns wurde allerdings noch nie etwas abgelehnt', sagt Hans Taneli Hamm von Anima. Sein Geschäftspartner Nicolas Born sieht in Apples Regel-Korsett sogar Vorteile. 'Die Anforderungen sind einheitlich, das ist bei anderen Handy-Anbietern nicht so', sagt der 27-Jährige. Ein weiterer Vorteil von Apple sei der App-Store. 'Wir erreichen jede Mengen Kunden direkt, das macht es einfacher den Markt zu erschließen', sagt Hamm. Die Abrechnung mit den Käufern übernimmt Apple. Dafür behält der Konzern 30 Prozent der Erlöse ein.

Marktführer aus Bremen

Für Anima Entertainment hatte der Erfolg auf dem App-Markt weitreichende Folgen. 'Wir haben dadurch den Schritt in die Spielebranche geschafft', sagt Nicolas Born. Mittlerweile haben auch Konsolenhersteller wie Nintendo Interesse an einer Zusammenarbeit mit den Bremern angemeldet. 'Die Zukunft liegt vermutlich in Cross-Produkten', erklärt Born. In Zukunft will Anima Spiele so konzipieren, dass sie sowohl auf Apple-Geräten, aber auch Konsolen und anderen Betriebssystemen wie etwa Googles Android laufen.

Weniger verspielten aber ebenso abwechslungsreichen Geschäftsfeldern hat sich die Firma Mobilinga verschrieben. Das Unternehmen entwickelt Sprachlern-Programme für Apple-Geräte. Die Möglichkeit, Vokabeltraining mit dem eigenen Telefon zu betreiben, kommt an. Allein in Deutschland hat mobilinga bisher über 100000 Applikationen verkauft und ist damit Marktführer in diesem Segment. Neben Lern-Apps für amerikanisches und britisches Englisch gibt es auch mobile Software zum Pauken von Deutsch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch, Polnisch, Italienisch, Russisch oder Niederländisch. Zehn Mitarbeiter wirken derzeit an der Umsetzung dieses Vorhabens mit. In den Räumlichkeiten von mobilinga im Gründerzentrum Airport (GZA) arbeiten Sprachwissenschaftler Hand in Hand mit IT-Spezialisten und Marketingexperten.

Neben den Lernprogrammen baut sich das Unternehmen derzeit ein zweites Standbein auf. Für das Verlagshaus Gruner und Jahr hat die Firma eine mobile Version der Zeitschrift 'Geo' entwickelt. 'Das Projekt ist erstaunlich gut gestartet', sagt Firmengründer und Geschäftsführer Matthias Kose. Die Nachfrage nach virtuellen Versionen von klassischen Printprodukten steige nicht zuletzt seit der Einführung von Tabletcomputern sprunghaft. Und diese flachen Computer wie Apples iPad stehen nach Einschätzung von Marktforschern vor einem explosiven Absatzwachstum. Analysten sagen voraus, dass in diesem Jahr weltweit 19,5 Millionen Geräte verkauft werden. 2012 werde der jährliche Absatz die Marke von 100 Millionen knacken. 'Wir erreichen in diesem Bereich bereits heute einen Massenmarkt', sagt Kose. Durch Apps habe sich das Konsumverhalten von Internet-Nutzern grundlegend geändert. Die Menschen seien mittlerweile bereit, für gute Produkte Geld auszugeben.

Der Kaufpreis der meisten Apps liegt momentan zwischen einem und zehn Euro. Für Volker Redder, Chef des Bremer Softwareentwicklers i2dm, liegt der Reiz der kleinen Programme jedoch weniger in den Erlösen, die mit ihrem Verkauf erzielt werden, sondern vielmehr in den Geschäftsbeziehungen, die sich über das Programmieren von Apps ergeben. i2dm hat bereits zahlreiche Anwendungen im Auftrag von Unternehmen, Behörden oder kulturellen Einrichtungen angefertigt. Oft hätte sich im Anschluss eine intensivere Zusammenarbeit ergeben. Redder mischt von Anfang an im App-Markt mit und hat die Entwicklung entsprechend intensiv beobachtet. 'Vor zwei Jahren gab es neben uns vielleicht zwei, drei andere Anbieter in Bremen - heute sind es Dutzende.'

Und die Anwendungsmöglichkeiten wachsen weiter. Apple hat angekündigt, demnächst auch seine Laptops App-tauglich anzubieten. Konkurrenten wie Google oder Nokia wollen mit eigenen Plattformen Boden gut machen. 'Jeder will heute Apps haben, allein schon des guten Images wegen - es gibt derzeit einfach nichts Cooleres', sagt Redder.

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