Homevoice-Plattform Bremer Start-Up will Papierkram rund um Immobilien digitalisieren

Ein Bremer Start-up will dem Papierkram rund um die Immobilie ein Ende bereiten. Damit ist es nicht alleine. Die Zukunft der Wohnungswirtschaft ist digital.
16.10.2019, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Start-Up will Papierkram rund um Immobilien digitalisieren
Von Stefan Lakeband

Mietvertrag unterschreiben, beim Amt ummelden, einen neuen Stromversorger suchen: Wer einmal umgezogen ist, der weiß, wie viel Arbeit der Wohnungswechsel mit sich bringt – und auch wie viel Papier dafür hin- und her geschickt werden muss. Das gilt für Mieter und Vermieter gleichermaßen. Ein Start-up aus der Region will das nun ändern.

Homevoice entwickelt eine digitale Plattform für Hausverwaltungen und Wohnungsbaugesellschaften, um ihnen den Alltag zu erleichtern. „Mehr Zeit für die Kunden, mehr Zeit für die Gebäude, mehr Zeit für sich“ sei das erklärte Ziel, sagt Mitgründer Felix Rohde. Vieles soll automatisiert ablaufen, mit wenigen Klicks in die Wege geleitet werden, übersichtlicher sein.

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Um dahin zu kommen, will Homevoice eine Plattform anbieten, auf die Verwalter, Mieter aber auch alle anderen zugreifen können, die irgendetwas mit dem Wohnen zu tun haben. Das können der Energieversorger sein, die Handwerker, Banken oder Versicherer. Sie sollen etwa Unterlagen, die das Haus oder den Mieter betreffen, dort hochladen können. Die Stände von Strom- und Gaszähler sollen darüber ausgetauscht werden. Wer etwa nach Bremen ziehe, sagt Rohde, der bekomme Zugriff auf die Plattform – wenn seine neue Hausverwaltung denn Kunde von Homevoice sei. „Dort findet er dann seinen Mietvertrag, den Energieausweis, kann seine Kontoverbindung hinterlegen und später seine Nebenkostenrechnung abrufen.“

Bislang falle viel Papierkram an. Wie viel, dass weiß Rohde aus eigener Erfahrung. Sein Vater habe mehrere Immobilien verwaltet. Als der krank wurde, wollte Rohde übernehmen – und stand vor „einem riesigen Haufen Aktenordner“, wie der Mitgründer von Homevoice nun erzählt. Da durchzublicken, sei schwer gewesen – was ihm gezeigt habe, dass es anders gehen muss.

Konkurrenz auf dem Markt der Prop-Techs

Mit seiner Idee ist Homevoice nicht allein. Das junge Unternehmen tummelt sich auf dem Markt der sogenannten Prop-Techs, Start-ups, die digitale Lösungen für die Immobilienbranche entwickeln. Auch die Bremer Gap Group zählt im weitesten Sinne dazu – wobei sie bereits seit mehr als 40 Jahren am Markt ist. Auch hier dreht sich alles um die Fragen: Wie können sich Wohnungsunternehmen besser organisieren? Wie kann Software dabei helfen? Gap ist dabei schon ein Stück weiter: Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen mehr als 550 Kunden, die insgesamt mehr als zwei Millionen Mieteinheiten verwalten.

Homevoice ist hingegen ganz am Anfang. Mit der Immobilientochter der Sparkasse Bremen und der Firma Immobilienpartner Claußen aus Oldenburg hat das Start-up zwei Kooperationspartner aus der Wohnungswirtschaft. Ab dem ersten Halbjahr 2020 sollen sie die Plattform nutzen können.

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Dass der Bedarf groß ist, davon sind Rohde und seine Mitstreiter überzeugt. Rund 42 Millionen Wohnungen gibt es in Deutschland insgesamt. Mehr als die Hälfte würden gewerblich verwaltet.

EWE investiert in Start-up

Unterstützung bekommt Homevoice nun von einem etablierten Unternehmen: dem Bremer Energieversorger SWB. „Homevoice denkt Geschäftsprozesse der Immobilien- und Wohnungswirtschaft neu, insbesondere jene Verwaltungsprozesse, die ein hohes Digitalisierungspotenzial aufweisen“, teilt das Unternehmen mit. Deswegen kooperiere man nun. Alexander Kmita, Geschäftsführer von SWB-Vertrieb sagt: „Indem wir Homevoice im Land Bremen Türen in Richtung Kunden öffnen, eröffnen sich uns als etabliertem Unternehmen durch frisches technologisches Knowhow neue Herangehens- und Arbeitsweisen, die wir nutzen wollen, um unser Angebot für die Wohnungswirtschaft zu erweitern.“

Dass Homevoice und SWB nun zusammenarbeiten, sei dem Zufall geschuldet, sagt Rohde. Als das Unternehmen, das 2016 in Oldenburg gegründet wurde, nach Bremen umziehen wollte, suchte es einen Ort zum Arbeiten. Im Coworking-Space City Accelerator in unmittelbarer Bahnhofsnähe sei noch Platz gewesen. Gegründet wurde er 2014 von der SWB. So seien Start-up und Energieversorger in Kontakt gekommen.

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Die Zukunft der Wohnungswirtschaft, sie ist wohl digital. Das zeigt auch ein anderes Engagement, mit dem die SWB indirekt zu tun hat. EWE, die Mutter des Bremer Energieversorgers, hat sich erst kürzlich an einem Start-up für Immobilienverwaltung beteiligt: Zenhomes aus Berlin betreibt die Plattform vermietet.de und will nach eigenen Angaben „Partner für alle Beteiligten im Ökosystem Immobilie“ werden. Auch hier geht es darum, Vermieter, Mieter und Dienstleister wie Handwerker miteinander zu vernetzen. Derzeit hat die Seite 75.000 Nutzer mit rund 225.000 Wohneinheiten – ungefähr 1500 Nutzer sind es in Bremen und 8500 in Niedersachsen.

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