Technologie für die CeBIT Bremer stellen intelligente Logistik vor

Bremen. Noch zwei Wochen bis zur Eröffnung der CeBIT. Nicht mehr viel Zeit für die Wirtschaftsingenieurin Carmen Ruthenbeck und die Informatikerin Anne Schweizer, um ihre Demonstrationsmodelle fertigzustellen. Beide arbeiten an intelligenten Systemen zur Identifikation von Fahrzeugen.
16.02.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Annemarie Struss-v. Poellnitz

Bremen. Noch zwei Wochen bis zur Eröffnung der CeBIT. Nicht mehr viel Zeit für die Wirtschaftsingenieurin Carmen Ruthenbeck und die Informatikerin Anne Schweizer, um ihre Demonstrationsmodelle fertigzustellen. Beide arbeiten an intelligenten Systemen zur Identifikation von Fahrzeugen.

Im Projektraum von Anne Schweizer sieht es aus wie auf einem Kindergeburtstag - nur ohne Luftballons: Vier Studenten und eine Studentin sitzen und knien um ein Lastwagenmodell herum. Anne Schweizer vom BIBA (Bremer Institut für Produktion und Logistik) hält einen Laptop, ein Student bewegt mit einer Fernsteuerung den gelben Laster samt Anhänger kreuz und quer über drei Bodenplatten, eine davon aus durchsichtigem Plexiglas, damit man die vielen EC-Karten-großen RFID-Transponder sehen kann, mit denen die Platten auf der Unterseite gepflastert sind - eine Hilfskonstruktion für die Messehalle, weil da GPS nicht funktioniert. In den Laster ist eine Menge Technik eingebaut, damit Fahrzeug und Untergrund miteinander kommunizieren können. Denn natürlich ist das hier alles kein Spiel, sondern ein sogenannter Demonstrator.

Demonstriert wird eine neue Technologie, mit der das Verladen von Spezialfracht im Hafen verbessert werden soll. Güter wie Baufahrzeuge oder landwirtschaftliche Maschinen, die zu sperrig für einen Container sind, werden mit spezialisierten Ladungsträgern, sogenannten Schwerlast-Rolltrailern, von der Lagerfläche im Hafen zum Schiff transportiert oder umgekehrt, erklärt Anne Schweizer. Das alles soll möglichst schnell und reibungslos gehen.

Wo ist der Trailer?

Aber in der Praxis kommt es immer wieder vor, dass der spezielle Trailer, der von der Disposition angefordert wird, nicht da steht, wo er soll. Dann geht das Suchen los. Das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWI) geförderte Projekt namens ProKon (Prozesskontrolle im Ladungsmanagement von Seehäfen) hat dafür eine Lösung entwickelt. Wenn der Trailer abgekoppelt wird, meldet der Laster der Zentrale den Standort und den Status. Erfasst werden auch die Aufnahme und das Absetzen von Ladung. Möglich wird das durch die Kombination von RFID-Funkchips (zur Identifikation des Trailers) und dem Satelliten-Ortungssystem GPS.

Was hier durchgespielt wird, sei kein theoretisches Problem, versichert Wolf Lampe, Leiter des Bereichs Innovative Seehafentechnologie bei der BLG. Auf den Terminals in Bremerhaven sind bis zu 1500 Trailer für Schwerlasttransporte eingelagert. Sie gehören überwiegend den Reedern, die BLG selbst besitzt lediglich 20 Trailer für Fahrten auf dem Gelände. "Wenn Reeder anrufen und die Nummer ihres Trailers durchgeben, erwarten sie, dass der schnell zur Verfügung gestellt wird", sagt Lampe. Voraussetzung dafür sind exakte Daten über den Standort. Lampe bildet eine Art Brückenkopf zwischen Wirtschaft und Wissenschaft. "Wir kommunizieren die Anforderungen der Logistik an die Wissenschaft. Die Wissenschaft macht die Grundlagenforschung und die Begleitung bis zur Entwicklung von Prototypen." Genau das macht Anne Schweizer mit ihrer Gruppe. Lampe glaubt, dass ProKon in einem Jahr reif ist für die Praxis. "Damit können wir eine Lösung anbieten, die bisher kein anderer hat", sagt er. Auch deshalb sei der CeBIT-Auftritt wichtig. "Bremen kann seine Kompetenz für IT-Anwendungen in der Logistik zeigen."

Einen wesentlichen Beitrag dazu wird das Projekt RAN leisten (RFID based Automotive Network), in dem Carmen Ruthenbeck arbeitet. Ein 20-Millionen-Euro-Projekt, an dem neben dem Wirtschaftsministerium Automobilhersteller wie Daimler und BMW beteiligt sind. Opel hat ebenfalls Interesse signalisiert. Auch hier geht es um die Lösung eines ganz praktischen Problems, das an einem konkreten Szenario durchgespielt wird: dem Transport von Mercedes-Fahrzeugen, die in Tuscaloosa hergestellt und über den BLG-Autoterminal Bremerhaven an das deutsche Händlernetz ausgeliefert werden. Die Fahrzeuge laufen auf dem Weg zum Händler verschiedene Stationen an, werden gewaschen und an individuelle Kundenwünsche angepasst. Jedes Mal bewegt ein Fahrer den Wagen, stellt ihn irgendwo ab und ein anderer muss ihn schnell finden und zur nächsten Station bringen. Dafür braucht er den genauen Standort, sonst entstehen vielfältige Zeitverluste, die sich schnell summieren.

Ortung mit intelligenter Weste

Deshalb hat die Industrie so großes Interesse an der lückenlosen Nachverfolgung vom Werk bis zum Händler. Der Lösungsvorschlag, ein von der BLG entwickeltes Patent: Die Fahrzeuge erhalten einen RFID-Transponder. Die Fahrer auf dem Terminal tragen eine sogenannte intelligente Weste (easy tracing system), die eine GPS- und eine RFID-Antenne sowie entsprechende Speichermodule enthält.

Am Projekt beteiligt ist auch die Bremer Textil-Designerin Lina Namuth, die sich intensiv mit Hightech-Textilien befasst hat und dafür sorgt, dass die Weste gut tragbar ist und die Bewegungen nicht behindert. Verlässt ein Fahrer das Auto, werden über die Weste Standort und Fahrgestellnummer in Echtzeit an die Zentrale gemeldet. Der Kollege für die nächste Station weiß nicht nur, wo der Wagen steht, sondern auch, was daran noch gemacht werden soll. Die Bewegungen auf dem Autoterminal sind nur ein Teilaspekt des ehrgeizigen Projektes. Es geht auch darum, für die gesamte Automobilindustrie einheitliche und herstellerübergreifende Standards für den Einsatz von RFID-Technologie zu schaffen.

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