Nachhilfe in Wirtschaft, Technik und andere Fächern

Bremer Studenten vermitteln Fachwissen

Bremen. Michael Kahle, Jürn Münkewarf und Björn Müller haben alles andere als bescheidene Ziele: Sie wollen bald den norddeutschen Raum dominieren. Im November haben die drei Studenten die Firma 'Fachwissen' gegründet - mit Erfolg. Jeden Tag bekommen sie mehr Anfragen.
07.02.2010, 17:11
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Studenten vermitteln Fachwissen
Von Maren Beneke

Bremen. Ihre Ziele sind alles andere als bescheiden: 'Wir wollen in naher Zukunft den norddeutschen Raum in unserem Bereich dominieren', sagen Michael Kahle, Jürn Münkewarf und Björn Müller. Im November haben die drei Studenten die Firma 'Fachwissen' gegründet - mit Erfolg. Jeden Tag bekommen sie mehr Anfragen.

Ihre Idee ist ungewöhnlich: Die Mittzwanziger vermitteln Nachhilfe in Fächern wie Wirtschaft, Bauwesen oder Technik. Damit sprechen sie nicht nur Schüler und Studenten, sondern auch Berufstätige an, die sich in den einzelnen Disziplinen weiterbilden möchten. 'Zu unseren Kunden zählen Medienkaufleute, Banker oder auch Versicherungsfachwirte', sagt Michael Kahle, der dafür zuständig ist, die Klienten aus Bremen und dem Umland mit den Honorarkräften zusammenzubringen.

Unternehmen vermittelt Experten

Das Konzept des Unternehmens ist einfach. Die Betriebswirtschaftsstudenten der Hochschule Bremen bearbeiten die Anfragen zu den einzelnen Disziplinen und vermitteln die entsprechenden Experten. Viele der Dozenten kommen aus dem eigenen Bekanntenkreis, aber es sind auch schon einige gezielte Bewerbungen bei Fachwissen eingegangen.

Ein neunzigminütiger Gruppenunterricht kostet für zwei bis drei Teilnehmer dann pro Person 15 Euro, mit denen nicht nur die Arbeit der Lehrer, sondern auch die von Kahle, Münkewarf und Müller bezahlt werden. 'Leben können wir davon noch nicht', sagt Müller, 'aber wir arbeiten daran, dass sich das ändert.' Neben Firma und Studium hat jeder von ihnen deshalb noch einen Zweitjob, mit dem sie ihren Lebensunterhalt finanzieren.

Der Plan zur Gründung der GbR kam dem 25-jährigen Michael Kahle im letzten Sommer - beim autogenen Training in seiner Wohnung, die heute als Büro für das Unternehmen dient. 'Im ersten Semester haben wir einen Überblick über die verschiedenen Unternehmensformen bekommen', sagt Jürn Münkewarf, der seine Kollegen während des Studiums kennengelernt hat und für das Marketing zuständig ist. 'Seitdem schwirrte bei uns allen die Idee im Kopf rum, eine eigene Firma zu gründen.'

Als ersten Schritt in die Selbstständigkeit haben die Drei die Schwarzen Bretter der Hochschule und der Universität erkundet. 'Schnell war klar, dass es eine große Nachfrage für Fachgebiete wie Rechnungswesen oder Recht gibt', sagt Björn Müller. 'Aber keiner bietet dafür Nachhilfe an. Das wollten wir ändern.' Unterstützung bekamen sie dabei unter anderem von der Existenzgründungsinitiative B.E.G.IN. Auch einen Anwalt beschäftigen die Studenten mittlerweile.

Das Portfolio von Fachwissen reicht heute weit über den wirtschaftlichen Bereich hinaus. Die Unternehmer bieten zum Beispiel Einzel- oder Gruppenunterricht für Oberstufen- oder Berufsschüler in Disziplinen wie Englisch und Mathe an. Ab spätestens Mai ist außerdem eine Kooperation mit der Bremer Selbsthilfegruppe für Legasthenie und Dyskalkulie (Rechenschwäche) geplant. 'Es gibt immer wieder Auszubildende, die ihre Jobs verlieren, weil sie nicht schreiben oder lesen können', sagt Münkewarf. 'Wir hoffen, dass wir einen kleinen Beitrag dazu leisten können, dass das nicht mehr so oft passiert.' Wer trotz allem das Fachgebiet, in dem er sich unterstützen lassen möchte, nicht im Angebot wiederfindet, kann sich dennoch bei den Unternehmern melden. 'Wir versuchen, für jedes Feld den passenden Dozenten zu finden.'

Um Fachwissen am Laufen zu halten, treffen sich Kahle, Münkewarf und Müller jeden Abend zu einer Telefonkonferenz. 'Man glaubt gar nicht, über was man sich alles informieren muss, bevor man eine GbR gründet', sagt Kahle, der sich mit den beiden Katzen Bruno und Lilly das Büro teilt. Diskutiert werden musste unter anderem, wer wann den Telefondienst übernimmt. Montags und dienstags ist der 24-Jährige für seine Kunden erreichbar, donnerstags und freitags übernimmt Björn Müller . 'In dieser Zeit muss man der Apparat immer griffbereit sein', sagt Michael Kahle. 'Aber wir Studenten müssen ja jede Menge zu Hause lernen', fügt er mit einem Schmunzeln hinzu.

In den nächsten Jahren wollen die BWLer ihre Geschäftsidee auch in anderen Städten umsetzen. Geplant sind Zweigstellen unter anderem in Hamburg, Kiel und Oldenburg. Dieses Projekt wollen Kahle und Müller während ihres Praxissemesters zum Laufen bringen.

'Wir würden uns freuen, wenn die Firma bis zum Ende unseres Studiums so gut läuft, dass wir auch danach weitermachen können', sagt Björn Müller. Wie es weitergeht, wird sich spätestens in fünf Jahren entscheiden: Dann nämlich wollen die Studenten ihren Master-Abschluss in der Tasche haben.

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