Made in Bremen: Saturn Petcare Bremer Tierfutter-Hersteller will weiter wachsen

Kennen Sie Saturn Petcare? Falls nicht, wundern Sie sich nicht: Der Tierfutter-Hersteller verkauft seine Produkte als Discounter-Eigenmarken - und ist damit einer der größten Arbeitgeber Bremens.
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Bremer Tierfutter-Hersteller will weiter wachsen
Von Maren Beneke

Es scheint, als greife die Maschine wahllos nach den gelben Beuteln, die an ihr vorbeiziehen. Auf einem Förderband liegen nebeneinander aufgereiht flache Katzenfutterverpackungen. Der Arm der Maschine schnappt zu. Erst eine, dann zwei, immer mehr Verpackungen werden vom Band gezogen und in Kartons gesteckt. Am Ende dürfen nur jeweils zwei der gelben Beutel ihren Platz in einer Pappschachtel gefunden haben. Später kommen noch blaue, grüne und pinke Verpackungen dazu. Pro Farbe eine Geschmacksrichtung. Der Kunde will es so. Vielfalt muss es sein fürs Haustier.

Für Unternehmen wie Saturn Petcare bedeutet das: Die Maschinen, mit deren Hilfe Tiernahrung hergestellt und anschließend verpackt wird, müssen immer mehr können. Fast jeder Trend führt dazu, dass die Firmen viel Geld in die Hand nehmen müssen, um in ihre Standorte zu investieren. Im Fall von Saturn Petcare flossen in den vergangenen sieben Jahren nach eigenen Angaben mehr als 100 Millionen Euro in die Produktionsstätten im Bremer Güterverkehrszentrum und in den Niederlanden.

Einer der größten 20 Arbeitgeber Bremens

Damit gehört das Unternehmen, das eine einhundertprozentige Tochter der Heristo AG mit Sitz im niedersächsischen Bad Rothenfelde ist, zu den Firmen, die sich über ihre Investitionen eindeutig zum Standort Bremen bekannt haben. Und nicht nur das: Mit 580 Angestellten, 450 davon in der Produktion, ist Saturn Petcare einer der 20 größten Arbeitgeber in der Hansestadt. Und die Fabrik inmitten des Güterverkehrszentrums zählt zu den produktionsstärksten Nassfutterwerken in ganz Europa.

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Trotzdem ist der Name Saturn Petcare weniger geläufig, als die der anderen beiden großen Tiernahrungsproduzenten aus der Region: Vitakraft aus Bremen-Mahndorf und Mars Petcare aus Verden. Das liegt daran, dass Saturn Petcare seine Produkte nicht unter eigenem Logo, sondern als Eigenmarke der jeweiligen Kunden verkauft. Dazu zählen sämtliche namhafte Discounter genau so wie große Lebensmitteleinzelhändler, Drogerieketten und der Fachhandeln. Über den geringen Bekanntheitsgrad ärgert sich Hubert Schiermeier, Sprecher der Geschäftsführung, aber nicht. Im Gegenteil: „Zwischen 1992 und 2012, unserer stärksten Wachstumsphase, war es ein großer Vorteil für uns, dass wir unterm Radar gelaufen sind“, sagt er. Ohne große Störungen von außen habe sich Saturn Petcare in dieser Zeit zu einem der deutschen Marktführer im Tiernahrungsbereich entwickeln können. Heute macht das Bremer Unternehmen einen Jahresumsatz von 500 Millionen Euro, ein Großteil davon in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

1300 unterschiedliche Produkt-Zusammensetzungen

Dabei ist das Unternehmen vergleichsweise jung. 1987 wurde Saturn Petcare im niederländischen Hattem gegründet. Vier Jahre später ging das Werk in Bremen in Betrieb. Warum man sich damals ausgerechnet für die Hansestadt entschieden hat? „Um uns herum haben wir die norddeutsche Tiefebene und sind damit direkt an der Quelle für unsere Zutaten“, sagt Gerrie Akkerhuis, der unter anderem die Produktion, Technik und Logistik leitet. Nach eigenen Angaben setzt die Firma im Gegensatz zum Wettbewerb auf Regionalität. 60 Prozent des Fleisches ist nicht nur frisch, sondern kommt demnach auch aus Schlachthöfen aus der Umgebung und auch die anderen Inhaltsstoffe wie etwa Getreide lässt sich Saturn Petcare aus dem näheren Umkreis liefern.

Die vielen unterschiedlichen Trends in der Tiernahrung zwingen die Firma dazu, in der Produktion möglichst flexibel zu bleiben. Laut Saturn-Petcare-Chef Schiermeier fragen die Kunden heute nach kleineren Verpackungen und Snack-Artikeln. Gleichzeitig nehme die Humanisierung der Tiernahrung weiter zu: Getreidefreies Futter, angelehnt etwa an glutenfreie Ernährung, oder Fleisch, das mit Kräutern der Provence gewürzt ist, werde nun häufiger nachgefragt. „Menschen projizieren von sich auf ihre Haustiere, Hund und Katze sind immer öfter Sozialpartner“, sagt Schiermeier. Dementsprechend viele verschiedene Rezepturen hat Saturn Petcare im Programm: Discounter, Einzelhändler und Drogerieketten können nach Schiermeiers Angaben derzeit aus 1300 unterschiedlichen Zusammensetzungen das auswählen, was wiederum zu ihren Kunden passt.

"Wir haben hier noch viel vor"

Solche Nischen und Trends früh zu erkennen und schnell darauf zu reagieren, ist überlebenswichtig für Tiernahrungsmittelhersteller wie Saturn Petcare. Denn auch wenn es allein in Europa noch 75,3 Millionen Hunde und 89,7 Millionen Katzen gibt: Der europäische Markt für Nassfutter, auf das die Bremer spezialisiert sind, stagniert. „Wir stecken mitten in einem Verdrängungswettbewerb“, sagt Schiermeier, der unter anderem das Metzger-Handwerk erlernt hat. Saturn Petcare kontert mit Größe: In den 1990er-Jahren und noch einmal 2003 steckte das Unternehmen einen mehrstelligen Millionenbetrag in die Dosenabfülllinien, später kam ein von der Heristo-Tochter Servio betriebenes Hochregallager mit mehr als 20 000 Palettenstellplätzen dazu. 2010 investierte Saturn Petcare weitere Millionen in den sogenannten Pouchbereich, also in die Linien, in denen das Nassfutter in einzelne Beutel abgefüllt wird. Mittlerweile verlassen jedes Jahr 340.000 Tonnen Tiernahrung das Gelände im GVZ.

Am Ende ist Saturn Petcare damit laut Akkerhuis nicht angekommen. „Wir haben hier noch viel vor“, sagt er. Die Zahl der Mitarbeiter werde weiter steigen. Auch, weil die Firma selbst ausbildet: In den vergangenen Jahren seien 90 Prozent aller Azubis übernommen worden. Aber auch in der Produktion stehen die nächsten Veränderungen an. 2018 sollen in Bremen All-Meat-Produkte in Dosen hergestellt werden können, also Futter, das ausschließlich aus Fleisch besteht. Auch in die Ausweitung der Pouchfertigung sowieden Logistik- und den Packbereich wollen die Bremer nach eigenen Angaben noch einmal investieren, Schiermeier spricht von noch einmal 50 Millionen Euro in den nächsten vier Jahren. „Wir bleiben investitionsfreudig“, sagt er. „Denn wir wollen, wir müssen weiterwachsen.“

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