Der letzte Abzug Bremer Traditionsunternehmen Photo Dose schließt Labor

Die letzte verbliebene Filiale von Photo Dose in Horn-Lehe hat einen neuen Eigentümer, sechs der Standorte betreibt die Kölner Gruppe Foto Gregor weiter. Es ist das endgültige Ende der traditionsreichen Kette.
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Bremer Traditionsunternehmen Photo Dose schließt Labor
Von Lisa Schröder

Morgendämmerung. Es ist ein unfassbar schöner Herbsttag in Bremen. Sonnenstrahlen scheinen sanft durch das Laub der Bäume und den Nebel. Alles hält inne. Es ist Wetter, um die Kamera zu zücken. Doch es gibt ein Problem, und es trifft eine ganze Branche. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass der Zauber des Herbsttags auf einem gedruckten Foto festgehalten wird, ist in den vergangenen Jahren immer kleiner geworden.

Nick Dose hat das beobachtet. „Ich fand es immer wunderbar, Fotos zu verkaufen und kein anderes Produkt“, sagt der Unternehmer. Doch er hat die Zuversicht in seine Branche verloren. „Ich glaube einfach nicht an den klassischen Fotohandel. Das ist so.“ Die Zukunft, seine eigene und die des Unternehmens, die sieht er deshalb nicht mehr in ihm. Klar gebe es weiter Fotodienstleister, Nachfrage nach Bildern und Postern, doch das übernähmen die Großen, dafür sei Photo Dose zu klein. „Wir hatten eine kritische Unternehmensgröße.“

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Der Standort in Horn-Lehe sieht keinen Deut nach Abschied aus. Das neue Gebäude im Gewerbegebiet ist modern eingerichtet, sehr transparent mit viel Glas. Von den Büros gibt es einen Blick in das Fotolabor. Dort arbeiten die Mitarbeiter gerade an verbliebenen Aufträgen. Vor ein paar Tagen gingen die letzten Bestellungen an die Produktion. Die Produktion schließt.

Alte Kameramodelle im Gebäude erzählen Geschichte. Geht es nach Dose, dann ist diese Geschichte bald zu Ende. „Die Smartphones werden immer besser. Sie werden die Kamera im Bereich der Amateurfotografie komplett ersetzen. Davon bin ich überzeugt.“ In diesem Jahr traf der 40-Jährige, die vierte Generation bei Photo Dose, entsprechende Entscheidungen.

Im Frühjahr trennte er sich von den noch verbliebenen Filialen. Sechs der Standorte betreibt die Kölner Gruppe Foto Gregor weiter – zum Beispiel im Bremer Viertel unter dem Namen Wiesenhavern. Fünf weitere Geschäfte wurden geschlossen. Gregor sei anders als Photo Dose stark bei den Kameras. Der Verkauf an die Kette sei ein Glücksgriff gewesen, weil die Mitarbeiter von Geschäftsführer Ralph Schumacher übernommen wurden. „Ich bin aber felsenfest überzeugt: Meine Töchter werden sich keine Kamera kaufen.“

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Damals, im März, sahen die Pläne noch anders aus. Nun hat es den nächsten Schritt gegeben. Das Fotounternehmen Orwo aus Sachsen-Anhalt hat das Onlinegeschäft von Photo Dose mit samt dem Kundenstamm gekauft. Das Labor schließt in diesem Zuge. Nick Dose hält die Marke zwar noch sieben Jahre, verdient am Umsatz, dann ist er ganz raus. Für die letzte Filiale von Photo Dose in Horn ist ein neuer Eigentümer gefunden. Das Geschäft zu halten ohne eigenes Labor, das habe keinen Sinn gemacht, erklärt Dose.

Die Mitarbeiter sprach der Unternehmer schon im Sommer an, dass die Produktion zum Jahresende schließt. Sie sollte Zeit haben, sich nach Alternativen umzusehen. Bis jetzt seien schon mehr als zwei Drittel in neuen Beschäftigungsverhältnissen. Zusammen mit seinem Kollegen Heino Kaiser habe er etwa Kontakt zum Wettbewerber Cewe in Oldenburg hergestellt.

Abgefallener Ballast

Nick Dose blickt ernst, ist dann wieder sehr euphorisch und begeistert. Ein Stück weit scheint ein Ballast der vergangenen Jahr abgefallen: Es ist die Erfolgsgeschichte von Photo Dose – einst größter Fotofilialist in Deutschland. Nick Doses Vater startete mit einem Laden und besaß in der Spitzenzeit 120. Dagegen sieht sein Sohn, wie der Fotomarkt jedes Jahr zurückgeht. „Ich habe häufig nachts wach gelegen und mir Gedanken gemacht.“ Als er 2005 anfing, übernahm er 90 Läden mit insgesamt 500 Mitarbeiter. Schon damals sei ihm klar gewesen, dass das Unternehmen komplett umgebaut werden muss, damit es eine Zukunft hat. Viele Arbeitsplätze baute er in der Vergangenheit ab. Das sei natürlich für die Mitarbeiter schwierig gewesen. „Das macht keinen Spaß. Das ist wahnsinnig viel Stress.“

Doch Dose hält den Schrumpfkurs und nun die Schließung für notwendig – damit das Familienunternehmen nicht in ein paar Jahren in Schieflage gerät.

Kein Reiz Fotos entwickeln zu lassen

Das ganze Glück legte Dose schließlich in das Fotolabor und den Onlinevertrieb. Doch er ist am Ende nicht überzeugt: „Ich glaube nicht, dass ich mit Foto in Rente gegangen wäre. „Dass die Branche sich erholt. Es gebe nicht wie früher einen Reiz, das Fotos entwickeln zu lassen. In der Hochzeit Ende der 90er-Jahre seien in Deutschland noch mehr als sechs Milliarden Fotos bestellt worden, heute liege die Zahl nur noch bei mehr als einer Milliarde. „Ich habe in der Zeit angefangen, in der die Fotobranche komplett gen Tal geknallt ist.“ Agfa, Kodak, Minolta – diese Marken gebe es nicht mehr.“

Der Unternehmer ist sich sicher, das Richtige getan zu haben. Die Entscheidung sagt er, hätte er auch bei kompletten Widerstand der Familie getroffen. „Da hätte mich keiner von abbringen können.“ Und in seiner Perspektive geht es mit dem 1898 gegründeten Familienunternehmen auch weiter: Die Gesellschaft, die Photo Dose GmbH, ruht demnach nur. Im nächsten Jahr will Dose nach einer Auszeit mit dem Vermögen, was da ist, in neue Geschäftsfelder investieren. „Ganz andere Dinge“, sagt er. Spruchreif sei noch nichts.

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Photo Dose ist damit für ihn nicht verschwunden. So habe er es auch seiner Großmutter erklärt: „Märkte ändern sich. Das Unternehmen besteht aber weiter. Es wird sich nur völlig neu ausrichten.“ Am Ende bleibt Photo Dose als Traditionshaus in Erinnerung. Das Geschäft in Horn-Lehe behält außerdem diesen Namen. „Das habe ich mit dem Käufer hanseatisch mit Handschlag ausgemacht.“ Das scheint Dose wichtig zu sein.

Nur in den Einzelhandel wird Nick Dose nicht einsteigen. Denn an dessen Zukunft glaubt er ebenfalls „ganz wenig“ und wirkt dabei sehr abgeklärt. Er will nicht wehmütig klingen, sondern abgeklärt. Wenn ein Schuhfachgeschäft geschlossen habe, dann werde keins wieder aufmachen. „Es hat noch nie eine Rückbesinnung gegeben.“

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