Expansion geplant

Bremer übernehmen Hamburger Gastro-Kette

Nachhaltig und ökologisch - das ist das Konzept hinter der Gastro-Kette Kaiserwetter. Zwei Bremer Brüder haben das Hamburger Geschäft nun übernommen. Und sie haben noch viel vor.
19.08.2017, 05:53
Lesedauer: 4 Min
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Bremer übernehmen Hamburger Gastro-Kette
Von Maren Beneke
Bremer übernehmen Hamburger Gastro-Kette

Mittags ist in den Filialen von Kaiserwetter oft viel Betrieb. Das Konzept "Fine Food Fast" scheint aufzugehen.

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Frau Kaiserwetter empfängt ihre Kunden mit offenen Armen. Weiße Schürze, gestreifte Bluse, die Haare zum Zopf gebunden – eine typische Vertreterin der 60er-Jahre. Frau Kaiserwetter ist Namensgeberin für ein Hamburger Unternehmen, das mit den Werten dieser Zeit sein Geschäft macht: klassisches Essen, aber mit nachhaltigem und ökologischen Ansatz.

„Deutsche Küche 2.0“ nennt Marian Müller das. Zusammen mit seinem Bruder Lennart hat der 24-Jährige im Mai die Deli-Kette Kaiserwetter übernommen. Zwei Bremer, die Hamburg erobern wollen. In der Stadt an der Elbe ist Kaiserwetter längst etabliert.

Gut die Hälfte des aktuellen Jahresumsatzes von fast vier Millionen Euro erwirtschaftet das Unternehmen in den drei Filialen in der Hamburger Neustadt und Ottensen. Salate, Suppen, belegte Brote, Kaffee oder Kuchen gibt es hier für Kunden, die vor allem in den umliegenden Büros arbeiten. Das zweite Standbein ist das Catering-Geschäft, also die Gerichte, die auf Bestellung geliefert werden.

Stillschweigen über den Kaufpreis

Bislang gehörte die Gastronomie-Kette Janna Schmidt-Holtz. Sie hat das Unternehmen 2009 mit Hilfe ihres Vaters, dem früheren Chefredakteur des Magazins „Stern“, Rolf Schmidt-Holtz, gegründet und zum Laufen gebracht. Sieben Mitarbeiter waren es anfangs.

Die neuen Eigentümer erzählen, Schmidt-Holtz habe sich nun aber auf ihre anderen Projekte konzentrieren wollen und ihre Anteile deswegen verkauft. Über ihren Freund Kai Teute haben Lennart und Marian Müller davon erfahren – und zugeschlagen. Über den Kaufpreis haben alle Seiten Stillschweigen vereinbart.

Gebrüder Marian und Lennart Müller, die das Hamburger Unternehmen Kaiserwetter gekauft haben

Marian (links) und Lennart Müller sind leidenschaftliche Bremer. Geschäftlich zieht es sie nun an die Elbe. Die ersten Veränderungen haben sie bei Kaiserwetter schon durchgesetzt.

Foto: Frank Thomas Koch

Lennart Müller kannte Kaiserwetter, weil er zuvor in Hamburg studiert hat. Genau wie sein Bruder bringt er einschlägige Gastro-Erfahrung mit ins Unternehmen: Der Vater hat jahrelang eine Pizzeria betrieben und ist mittlerweile Franchisenehmer mehrerer Burger-King-Filialen in und um Bremerhaven. Die Geschwister haben dort seit ihrer Jugend mitgeholfen.

Treuer Kundenstamm und gutes Markenimage

Der ältere Bruder Lennart, mittlerweile 26 Jahre alt, entschied sich nach der Schule für ein klassisches Betriebswirtschaftsstudium in Hamburg und jobbte nebenbei in der Systemgastronomie-Kette Vapiano. Marian Müller verschlug es nach München, wo er sich zum Veranstaltungskaufmann ausbilden ließ und für Spitzengastronom Holger Stromberg arbeitete.

Als Ende vergangenen Jahres das Angebot kam, Kaiserwetter zu übernehmen, mussten sie kurz überlegen, ob sie das Unternehmen kaufen wollten. Denn die Idee, gemeinsam eine Firma zu führen, gab es davor noch nicht. Mit einer Bürgschaft aus der Familie ging es später zur Bank, die den Beiden den Kredit für die Übernahme bewilligte und damit den Weg frei machte für die erste eigene Firma.

„Die Firma hat einen treuen Kundenstamm, das Image der Marke ist gut – es hat einfach alles gepasst“, sagt Lennart Müller. Die Geschäftsprozesse haben sie mittlerweile gut kennengelernt: Beide Brüder haben in den Filialen mitgearbeitet, Früh- und Spät-Schichten gemacht, die Gerichte zu den Kunden ausgeliefert.

Erste Neuerungen in den Menükarten

Heute, nachdem die ersten Monate überstanden sind, sagen sie: „Weil wir Familie sind, können wir uns zu einhundert Prozent vertrauen und arbeiten effizienter – wir ergänzen uns perfekt.“ Lennart Müller übernimmt mit seinem betriebswirtschaftlichen Hintergrund den Filialbereich, kümmert sich um Marketing und Rechnungswesen, Marian Müller ist für alles rund um das Catering zuständig.

Und gemeinsam mit ihrem Koch, der auch Ernährungsberater ist, tüfteln sie an neuen Rezepten. Die ersten Neuerungen sind in den Menükarten schon zu finden: Heute gehört selbstgemachte Sommerlimonade zum Sortiment. Derzeit arbeiten die Jungunternehmer mit der Kaffee-Sommelière Katharina Gerasch an einer eigenen Röstung und auch darüber, wie sie ihre Gerichte künftig verpacken wollen, machen sich die Brüder Gedanken.

Weg vom Plastik, stattdessen Verpackungen aus Maisstärke oder Zuckerrohr. Das passe schließlich viel besser zum Konzept, das hinter Kaiserwetter steckt – das Unternehmen setzt nach eigenen Angaben vor allem auf Bio-und fair gehandelte Produkte, Eier oder Fleisch kommen von regionalen Erzeugern aus dem Hamburger Umland. „Wir verkaufen nichts, wo wir nicht selbst auch dahinterstehen“, sagt Marian Müller. Das sei den beiden Brüdern sehr wichtig.

Langfristige Pläne

Doch die Müller-Brüder schmieden nun auch langfristige Pläne: Die Fahrzeugflotte, die derzeit aus fünf Kleintransportern besteht, soll ab dem kommenden Jahr nach und nach auf Elektro-Fahrzeuge umgestellt werden. Wenn alles nach Plan läuft, geht es dann an die Expansion: Zunächst einmal mit weiteren Filialen in der Elbstadt Hamburg, aber auch in Städten wie Frankfurt, Düsseldorf oder Berlin – also dort, wo es viele Büroangestellte gibt – können sich die Firmeninhaber neue Standorte vorstellen.

Auch über Kiel, Flensburg, Bremen und Oldenburg habe man schon nachgedacht, sagt Marian Müller. Doch nun eben zunächst einmal Hamburg. Während Lennart Müller aus familiären Gründen zunächst einmal seiner Heimatstadt Bremen treu bleibt, hat Marian Müller vor wenigen Tagen eine Wohnung in der Elbstadt gefunden und wird das Unternehmen mit seinen gut 100 Mitarbeitern nun von dort aus leiten. Nur mit einer Sache kann Marian Müller sich noch nicht so ganz anfreunden: „Als Werder-Fan hat man es in Hamburg natürlich nicht ganz so leicht.“

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