Handelskammer-Report Frühjahr 2010 Bremer Unternehmen spüren den Aufschwung

Bremen. Unternehmer wie Julius Runge aus Bremen sind immer ein guter Indikator dafür, wie sich die Wirtschaft insgesamt entwickelt. Seit Februar stellt Runge jedenfalls fest, dass der Auftragseingang bei Tegro massiv angezogen hat. Ein gutes Signal.
26.05.2010, 00:12
Lesedauer: 4 Min
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Von Günther Hörbst

Bremen. Unternehmer wie Julius Runge sind immer gute Ansprechpartner für Menschen, die berufsbedingt herausfinden möchten, wie sich die Geschäftsaussichten der Wirtschaft entwickeln. Der geschäftsführende Gesellschafter des Fördertechnik-Unternehmens Tegro beliefert Logistiker, die Autoindustrie, Werften, Dienstleister sowie Ver- und Entsorger. Seine Kunden bestellen bei dem Bremer Unternehmen Fördertechnik, Industriebedarf und Produkte für den Arbeitsschutz - und sind somit ein guter Indikator dafür, wie sich die Wirtschaft insgesamt entwickelt.

Seit Februar stellt Runge jedenfalls fest, dass der Auftragseingang bei Tegro massiv angezogen hat. Ein gutes Signal dafür, dass Unternehmen wieder mehr Geld haben, um zu investieren und Bestellungen abzuarbeiten. 'Im Moment zeigt die Tendenz bei der Konjunktur deutlich auf grün', sagt der Unternehmer. Diese Einschätzung deckt sich auch mit der neuen Konjunkturumfrage Frühjahr 2010 der Handelskammer Bremen. 'Die Konjunktur-Ampel ist weitgehend auf grün umgesprungen', fasst Matthias Fonger, Hauptgeschäftsführer im Haus Schütting, die überwiegend positiven Ergebnisse zusammen.

Es sei erkennbar, dass nun der Aufschwung auch in Bremen deutlich spürbar werde. Treiber des positiven Wirtschaftstrends seien vor allem die Industriebetriebe sowie die Exportwirtschaft. 'Sie sind die Lokomotive des bremischen Aufschwungs', sagt Cornelius Neumann-Redlin, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände im Lande Bremen. 'Der Aufschwung kommt. Die Unternehmen sind mehrheitlich sehr positiv gestimmt.'

Wirtschaft für 2010 optimistisch

Das schlägt sich deutlich im Geschäftsklima-Index des Kammer-Reports nieder. Er kletterte von zuletzt 103,3 auf 113,7 Punkte. Der Index fasst die gegenwärtige und die erwartete künftige Geschäftslage mittels einer Formel in eine griffige Zahl. 'Die Erwartungen', heißt es in der Konjunktur-Umfrage unter 225 Firmen aus Bremen, 'für den weiteren Geschäftsverlauf 2010 sind in breiten Teilen der Wirtschaft deutlich gestiegen.' Jedes dritte Unternehmen der Industrie erwartet eine günstigere Geschäftsentwicklung im weiteren Lauf des Jahres. Nur noch acht Prozent sind da pessimistisch. Das bedeutet einen Rückgang um die Hälfte seit der letzten Konjunkturerhebung Ende 2009.

Kräftig erholt hat sich der Export. 37 Prozent der befragten Unternehmen erwarten deshalb, dass die Ausfuhren weiter zunehmen. Die Pessimisten sind hier kaum noch vorhanden, lediglich zwei Prozent rechnen mit geringeren Exporten. 'Dieser Bereich ist sehr entscheidend für Bremen', sagt Fonger. 'Kein anderes Bundesland hat eine derart hohe Exportquote wie Bremen. 50 Prozent aller hier gefertigten Waren und Dienstleistungen werden exportiert.'

Dass das Geschäft mit den Ausfuhren so gut läuft, hat auch mit der Krise des Euros zu tun. 'Der sinkende Wert des Euros verbilligt die Ausfuhren derzeit', sagt Fonger. 'Davon profitieren die Unternehmen. Dass viele Rohstoffe auf Dollar-Basis importiert werden müssen, sei zwar richtig. Doch unter dem Strich wirke sich der niedrige Euro-Kurs immer noch positiv aus.

Allerdings tut er das nur in diesem besonderen Fall. Ansonsten beschleicht viele Unternehmer große Sorge wegen der Währungskrise in Europa. 'Die Situation auf den Finanzmärkten belastet viele Firmen stark', sagt Fonger. 'Mit der Stabilität der Märkte steht und fällt die weitere Entwicklung für 2010.' Das bestätigt auch Unternehmer Runge. 'Die Euro-Schwäche dämpft den Optimismus doch deutlich. Vor allem im Gespräch mit meinen Kunden merke ich das sehr. Sie fürchten das nächste große Loch.'

Auch Cornelius Neumann-Redlin berichtet von ähnlichen Sorgen seiner Klientel. 'Die Unternehmen befürchten, dass ihnen die Euro-Krise alles wieder kaputt macht, was sie sich in den letzten Monaten mühevoll aufgebaut haben nach der großen Wirtschaftskrise 2009.' Dennoch ist der Unternehmensverbände-Geschäftsführer optimistisch. Dies auch wegen der Tatsache, dass die Zahlen bei den Zeitarbeitsfirmen wieder deutlich gestiegen sind. 'Das ist immer ein Indikator für Festeinstellungen', sagt er. Handelskammer-Mann Fonger sekundiert: 'Im produzierenden Gewerbe und im Bereich Dienstleistungen ist mit Neueinstellungen zu rechnen.

Das Sorgenkind der Bremer Wirtschaft ist und bleibt jedoch die Bauwirtschaft. Der Konjunkturreport spricht von nur leichter Entspannung. Der Geschäftsklima-Index verharre auf unbefriedigendem Niveau, der Auftragseingang verlaufe schleppend, die Preisentwicklung lasse wenig Freude aufkommen. Das kann Dieter Smieja, Geschäftsführer des Baugewerbe-Verbandes Bremen, nur bestätigen 'Die Preise sind nicht so, wie man es sich als Unternehmer wünscht', sagt er. 'Firmen müssen auch mal was investieren können, Rücklagen bilden. Das lässt aber das Preisgefüge derzeit nicht zu.'

Die Konjunkturlage selbst will Smieja aber nicht so negativ beurteilen. Der ungewöhnlich lange und harte Winter habe von Dezember bis März quasi das Geschäft zum Erliegen gebracht. 'Das wird jetzt nachgeholt', sagt er. 'Deshalb haben die Betriebe gut zu tun.' Auch die Auftragslage nennt er befriedigend. Durch das Konjunkturpaket II und den spürbaren Aufschwung sei wieder Bewegung in die Branche gekommen.

2010 ist nicht das Jahr, um das sich die bremische Bauwirtschaft sorgt. 'Für dieses Jahr ist die Prognose nicht schlecht.' 2011, sagt Smieja, da könne es noch mal bitter werden. 'Am 31. Dezember laufen die Konjunkturprogramme aus. Und zwar schlagartig. Und dann sind wir mitten im Winter.' Ein Problem der Baufirmen ist es auch, an die nötigen liquiden Mittel zu kommen. Das Problem der Kreditversorgung hat sich übrigens insgesamt wieder verschärft: 33 Prozent (zuvor 27 Prozent) beklagen verschlechterte Kreditkonditionen.

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