Bremer Unternehmer

Kurt Zech: Chronik eines Aufstiegs

Die Zech-Gruppe zählt mittlerweile um die 10.000 Mitarbeiter, die Bilanzsumme liegt bei fast 1,6 Milliarden Euro. Wir zeichnen den Weg des Unternehmens nach.
09.04.2020, 08:00
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Kurt Zech: Chronik eines Aufstiegs
Von Stefan Lakeband
Kurt Zech: Chronik eines Aufstiegs

Der Unternehmer Kurt Zech.

Frank Thomas Koch

Nach dem Zweiten Weltkrieg standen die Zeichen auf Neuanfang. Für Deutschland, für Bremen, für Gustav Zech. Schon 1909 hatte er mit einer Baufirma den Grundstein der heutigen Zech-Gruppe gelegt, damals noch in der Nähe von Breslau im heutigen Polen. Nach dem Krieg wurden die Karten neu gemischt, Zech fing mit seiner Familie von vorne an – dieses Mal mit einem kleinen handwerklichen Betrieb in Bremen.

Zusammen wuchsen sie, Zech und die Hansestadt. Der Bauunternehmer half beim Wiederaufbau. So richtig aber nahm das Imperium Zech erst Gestalt an, nachdem Kurt Zech, Enkel des Firmengründers, die Geschäfte 1978 von seinem Vater übernommen hatte. Aus zwei Mitarbeitern, einem Lkw und einer gebrauchten Betonmischmaschine, so heißt es, entstand eine Unternehmensgruppe, zu der heute rund 350 Firmen und Beteiligungen gehören.

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Kaufen, um zu behalten

Was in den Jahrzehnten darauf folgte, war ein Aufstieg zu einem der wichtigsten deutschen Bauunternehmen. Über die Jahre wuchs die Firma, wurde zu einer ganzen Firmengruppe, die sich mittlerweile auf mehrere operative Bereiche verteilt, darunter Bau, Immobilien und Hotels. „Im Laufe von drei Generationen haben wir die Vielfalt unserer Geschäftsfelder kontinuierlich erweitert“, heißt es dazu beinahe lapidar auf der Website der Gruppe. Zech ist längst nicht mehr nur der Bauunternehmer, er ist der Immobilienentwickler, der Agrarunternehmer, der Reeder. Er hat Wohnhäuser, Einkaufszentren, Staudämme bauen lassen; in vielen Bremer Großprojekten steckt ein Stück Zech. Im Weserstadion, im Flughafen Bremen, im Schnoor, im Universum.

Auch international ist Zech unterwegs. Er hat Standorte in Österreich, Rumänien, China. In Brasilien übernahm er 2009 die Tochter des Essener Baukonzerns Hochtief.

Sowieso, die Übernahmen. Viele Unternehmen der Zech-Gruppe hat Zech nicht selbst gegründet, er hat sie an sich gebunden, als sie in Not waren, am Abgrund standen, nicht weiter wussten. "Krisenfälle wecken meinen Ehrgeiz", sagte Zech vor zwei Jahren dem Magazin „Stern“. Und: "Viele Firmen haben gute Kerne.“

Zech kauft, um zu behalten. Jede Übernahme ist gut durchgerechnet, nichts wird dem Zufall überlassen. Oft bescheren sich die Firmen des Imperiums gegenseitig Aufträge. Dass das so ist, wird nicht immer klar. Häufig behalten die Unternehmen nach der Übernahme ihren Namen. "Drei Viertel vom Erfolg werden von Firmen erwirtschaftet, die nicht Zech heißen“, sagte Zech dem Nachrichtenmagazin.

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Neue Heimat Europahafen

Eine der wenigen Ausnahmen dürfte die Reederei Zeaborn sein, die Zech vor gut sechs Jahren selbst gründete. Anfang des Jahres musste eine Tochtergesellschaft Insolvenz anmelden.

Trotzdem scheint es, als kenne der Konzern nur eine Richtung: nach oben. Die Zech-Gruppe hat mittlerweile 10.000 Mitarbeiter, die Bilanzsumme liegt bei fast 1,6 Milliarden Euro. Mit einer Eigenkapitalquote von 38 Prozent kann das Geflecht durchaus als robust bezeichnet werden.

Momentan residiert die Zech-Gruppe noch in der Vahr, in der ehemaligen IBM-Firmenzentrale. Das soll sich bald ändern: Zech baut aktuell ein Ensemble von vier Häusern am Europahafen in der Überseestadt. Eines will er selbst mit seiner Gruppe beziehen. Kostenpunkt für alles zusammen: rund 300 Millionen Euro.

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