"Faire Wochen 2012"

Bremer verkauft online Kaffee

Bremen. Heute ist der Tag des Kaffees. Ein Tag wie gemacht für Holger Wieland. Der Bremer Unternehmer vertreibt in seinem Online-Shop persönlich ausgewählte und auch fair gehandelte Kaffeesorten.
28.09.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Bremer verkauft online Kaffee
Von Timo Sczuplinski

Bremen. Die einen mögen ihn schwarz, die anderen mit Sahne. Und praktisch alle mögen ihn heiß. Heute ist der Tag des Kaffees. Und gleichzeitig auch der Abschluss der "Fairen Wochen 2012". Ein Tag also wie gemacht für Holger Wieland. Der Bremer Unternehmer vertreibt in seinem Online-Shop persönlich ausgewählte und auch fair gehandelte Kaffeesorten. Wieland wünscht sich, dass sich die Leute wieder mehr mit dem Produkt auseinandersetzen.

Der Tag von Holger Wieland beginnt nicht gerade typisch für einen Kaffee-Experten. Er beginnt mit Tee. "Ein halber Liter. Zur Flüssigkeitsaufnahme. Die Zubereitung und der Genuss von Kaffee kosten mir morgens zu viel Zeit", sagt der 45-Jährige. Die braune Bohne steht für ihn auch noch früh genug im Fokus. Denn Kaffee ist Wielands Job. Seit 2010 betreibt er von seinem Bremer Büro aus einen Online-Shop: die Kaffee-Welt Bremen. Eine Verkaufsplattform für fair gehandelte Produkte und gleichzeitig eine Informationsecke über die Vielfalt des Kaffees.

Kaffee-Trinker ist fast jeder in Deutschland. Über 80 Prozent der Menschen brauchen regelmäßig ihre Dosis. Mit fast 150 Litern pro Person und Jahr ist es das am meisten konsumierte Getränk. Noch vor Wasser und Bier. 2200 Containerfrachter schiffen die Bohnen jährlich über die Weltmeere, die führenden Großröster bestimmen grundlegend die Mischungen und den Geschmack für die Massen, ehe der geröstete Kaffee dann oft bloß in den wenig genauen Kategorien "mild", "kräftig" oder "entkoffeiniert" im Regal landet. Kaffee-Vielfalt: meist Fehlanzeige.

Dabei habe der Kaffee in Sachen Geschmack so viel mehr zu bieten, sagt Holger Wieland. Er sollte es wissen. Der Unternehmer ist seit Jahren in der Kaffeebranche unterwegs. In Bremerhaven studierte er Lebensmitteltechnologie. Sechs Jahre lang arbeitete er im Röstanlagen-Bau, fünf weitere für den Fairtrade-Händler Gepa. Reisen in den sogenannten Kaffeegürtel waren sein Job. Dorthin, wo der Kaffee gedeiht – in Ländern zwischen dem 30. Grad nördlicher und dem 30. Grad südlicher Breite entlang dem Äquator. Kolumbien, Brasilien, Venezuela, Costa Rica, Indonesien, Vietnam, Malaysia.

Reisen, auf denen er direkt mitbekam, welch arbeitsintensives Produkt Kaffee ist. "Ein Produkt, das den meisten Bauern leider nur viel zu wenig Gewinne einbringt. Für mich ist es wichtig, dass ein großer Teil der Wertschöpfung im Anbaugebiet selbst bleibt", sagt Wieland. Weil das für ihn zu selten geschieht, setzt er auf fair gehandelte Produkte, die dem Plantagenbauern einen gewissen Grundanteil sichern sollen – und seinen Kunden möglichst ein Geschmackserlebnis.

Holger Wieland rollt ein Metalltor nach oben. Im Raum dahinter hat er sein Kaffee-Lager aufgebaut. Ein Paradies für Koffeinjunkies und Genießer. Über 200 Produkte umfasst sein Sortiment. Und regelmäßig kommen aus allen Teilen der Welt neue Muster – Kaffeeprodukte zum Probieren. "Gorilla Superbar Crema" etwa. "Ein ganz schöner Wachmacher", sagt Wieland. Er vertreibt vor allem die Kaffees kleinerer Röster, auch aus der Bremer Region. "Hemken" und "Kassiopeia" aus dem Steintorviertel oder Produkte der Lilienthaler Rösterei "de koffieman".

"Im Gegensatz zu den großen Kaffeemarken, die im Discounter verkauft werden, stehen die Inhaber dort noch an den Röst-Maschinen und bürgen für Qualität und Geschmack ihres Kaffees", sagt er. Statt im Schnellverfahren der Großindustrie, würden sich die kleineren Röstereien meist die nötige Zeit zum Rösten lassen: 20 Minuten bei rund 200 Grad statt 90 Sekunden bei bis zu 350 Grad. Die, wenn man so will, romantische und sicherlich schonendere Variante der Veredelung. Das Rösten sei die wichtigste Phase im Leben einer Kaffeebohne, meint Wieland. Je dunkler der Röstgrad, desto vollmundiger das Geschmackserlebnis. Je heller, desto fruchtiger. Wieland erzählt gern über sein Lieblingsprodukt. In seinem Online-Shop hat er ein Kaffee-Lexikon geschaffen. Wie bereite ich welchen Kaffee am besten zu? Per Presstempelkanne, Siebträger oder durch den Filter?

Zwar hat sich Wielands Umsatz mit seiner Kaffee-Welt in diesem Jahr schon mehr als verdoppelt. Die großen Massen erreicht er mit seinem Angebot aber nicht. Über eine halbe Million Tonnen Kaffee verbrauchen die Deutschen pro Jahr insgesamt. Der Marktanteil von Fair-Trade-Sorten steigt ebenfalls seit Jahren, liegt aber weiter im unteren einstelligen Prozentbereich. Qualitativ hochwertige Kaffees setzen sich ebenfalls durch; zwar auch nur als Nischenprodukt, aber den Erfolg belegen die zahlreichen Röstereigründungen der letzten Jahre.

Zurück im Büro von Holger Wieland. Die Teezeit ist passé. Nun ist der erste Kaffee des Tages an der Reihe. Zeit zum Genießen. Sein Lieblingsgeschmack: "Eher würzig, wenig Säure, mit 20 bis 30 Prozent Robusta-Anteil", sagt er. Wie die meisten Deutschen ihren Kaffee wohl trinken? Eine Studie besagt: Nicht fruchtig, beerig oder vollmundig. Ganz einfach süß, mit Zucker. Immerhin nicht nur mild oder kräftig wie im Supermarktregal. Wieland kann damit leben.

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