Plattform soll in die USA gebracht werden

Bremer „Weltraumbalkon“ für die ISS fertig

Die Plattform Bartolomeo wird liebevoll als Balkon bezeichnet und soll im März an die Raumstation ISS andocken. Hier können sich Institutionen einmieten, um Versuche zu machen.
14.01.2020, 23:00
Lesedauer: 3 Min
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Bremer „Weltraumbalkon“ für die ISS fertig
Von Stefan Lakeband
Bremer „Weltraumbalkon“ für die ISS fertig

Rund 50 Leute haben an der Entwicklung von Bartolomeo mitgearbeitet, darunter Konstrukteurin Lena Arens (links) und Mechatroniker Toni Meyer. Im März soll die Plattform ins All gebracht werden.

Christina Kuhaupt

Zwei dicke Greifer, die zupacken – und Bartolomeo hält. So soll es im März laufen, wenn die gleichnamige Plattform für Experimente am Columbus-Modul der internationalen Raumstation ISS andocken soll. Entwickelt und gebaut wurde sie bei Airbus Defence and Space (DS) in Bremen. Hier laufen aktuell noch die letzten Tests an Bartolomeo, in der kommenden Woche soll die oft als „Balkon“ bezeichnete Plattform in die USA geschickt werden.

Auf den ersten Blick scheint Bartolomeo recht simpel: Eine Platte aus Metall, Anschlüsse und Griffe auf allen Seiten. „Es gibt aber das, was man sieht“, sagt Bartolomeo-Programmleiter Andreas Schütte, „und das, was man nicht sieht.“ Soll heißen: Die wahren Herausforderungen stecken im Detail. In der Plattform, die aus zwei zusammengesetzten Platten besteht, verlaufen Kabel, die allein schon rund 80 Kilogramm schwer sind. Sie haben eine entscheidende Aufgabe: die Experimente mit Strom zu versorgen. Denn darum geht es bei Bartolomeo.

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Plattform ist kein begehbarer Anbau

Anders als die Bezeichnung Balkon vermuten lässt, ist die Plattform kein begehbarer Anbau der Raumstation. Firmen und Institutionen sollen durch sie eine zusätzliche Möglichkeit erhalten, Versuche an Bord der ISS zu machen. Denn das ist bislang nicht so einfach. Wer ein Experiment zur Raumstation schicken will, muss sich an Institutionen wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) oder die Europäische Raumfahrtagentur Esa wenden. Nur gibt es hier lange Wartelisten, der Platz auf der ISS ist begrenzt.

Die Airbus-Plattform schafft nun zusätzlichen Raum. Firmen und Institutionen sollen sich bald mit ihren Versuchsaufbauten auf dem „Weltraumbalkon“ einmieten können. Das gehe schneller und sei günstiger, sagt Schütte. Der Platz für ein Standardexperiment für ein Jahr koste rund drei Millionen Euro, für kleine Versuche würden „weit unter 200.000 Euro“ fällig. Platz für insgesamt zwölf Experimente soll es auf Bartolomeo geben. Die Plattform selbst hat eine Größe von 1,9 mal 1,4 Meter und wiegt ungefähr 430 Kilogramm.

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Seit Ende 2017 haben rund 50 Leute daran gearbeitet. Nachdem Bartolomeo kommende Woche per Flugzeug zum Kennedy Space Center nach Florida gebracht sein wird, stehen in den USA weitere Tests an. Geplant ist, dass die Plattform im März an Bord einer SpaceX-Rakete zur ISS gebracht wird.

Andocken per Roboterarm

Dort soll Bartolomeo mit Hilfe des Roboterarms der Raumstation angedockt werden. Ein schwieriges Unterfangen. „Wenn alles schief gehen würde, wäre das ein riesiges Problem“, sagt Systemingenieur Ingo Retat. In der Plattform stecken laut Schütte Investitionen in „ordentlicher zweistelliger Höhe“. Zuletzt war die Rede von etwa 40 Millionen Euro. Deswegen wurden – wie in der Raumfahrt üblich – wichtige Systeme mehrfach verbaut – für den Fall, dass es an einer Stelle einen Ausfall geben sollte. So gibt es etwa mehrere Greifer, die Bartolomeo an den Befestigungspunkten von Columbus festhalten sollen.

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Ist die Plattform dann fest mit dem ISS-Modul verbunden, müssen die Astronauten an Bord der Raumstation in einem Außeneinsatz nur noch ein Kabel verlegen. Die Montage, die weitestgehend ohne menschliche Hilfe auskommt, macht sich auch im Preis bemerkbar. Ein ganztägiger Außeneinsatz für zwei Astronauten kostet laut einer Faustformel etwa 20 Millionen Euro, sagt Retat. Geld, das gespart werden soll. Denn Bartolomeo soll seine Entwicklungskosten wieder einspielen. Auf rund zehn Jahre sei der Betrieb der Plattform ausgelegt, sagt Schütte. Dann würde Bartolomeo aber die Raumstation überleben, denn der Betrieb der ISS ist gar nicht so lange gesichert.

Einen ersten Kunden gibt es bereits: Die Esa hat einen Platz für ein Instrument gebucht, mit dem die Plasmadichte in der Erdatmosphäre aus 400 Kilometern Höhe überwacht werden soll. Namensgeber für Bartolomeo war der jüngere Bruder von Amerika-Entdecker Christoph Columbus – der wiederum war Pate für das ISS-Moduls, das ebenfalls bei Airbus DS in Bremen gebaut wurde.

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