Elektromobilität

Bremer Youtuber testet E-Autos

Für seinen eigenen Youtube-Kanal dreht der Bremer Unternehmer Dennis Witthus regelmäßig Videos über E-Autos. Damit begeistert er Fans ins ganz Deutschland.
10.02.2018, 06:00
Lesedauer: 5 Min
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Bremer Youtuber testet E-Autos
Von Stefan Lakeband
Bremer Youtuber testet E-Autos

Dennis Witthus und sein Tesla: Der Unternehmer aus Blumenthal ist ein Fan des US-Herstellers. Sogar im Urlaub dreht er Videos über den Alltag mit E-Autos.

Christian Kosak

Bei 251 Kilometern pro Stunde ist Schluss. „Das reicht mir jetzt.“ Dennis Witthus nimmt den Fuß vom Gaspedal, atmet tief durch. „Ich muss gestehen: Ich bin ein alter Schisser.“ Die Sonne scheint, die Autobahn ist frei an diesem Frühlingstag, und Witthus steuert seinen Tesla nun deutlich langsamer Richtung Cuxhaven. Später wird er sagen: „Das war ein unbeschreibliches Gefühl.“

Der Ausflug an die Nordsee ist für den 44-Jährigen nicht nur Privatvergnügen. Er will wissen, wie schnell sein roter Tesla wirklich fahren kann – und er lässt Tausende Menschen daran teilhaben. Auf Youtube veröffentlicht der Bremer regelmäßig Videos von sich und seinem Elektroauto. Das Interesse daran ist groß, mehr als 3000 Menschen folgen seinem Kanal. Witthus zufolge liegt das weniger an ihm als an seinem Wagen: „Die Leute wollen wissen, wie praktisch E-Autos im Alltag sind.“

Wenn Witthus nicht gerade vor der Kamera steht, ist er Chef von Witthus Hammer, einem Fachmarkt für Heimtextilien in Blumenthal. Er hat 40 Mitarbeiter, fährt täglich ins Büro und hatte lange Zeit nichts mit Elektromobilität zu tun – bis seine Tochter etwas erzählte, dass sie in den Kindernachrichten gesehen hatte: „Ich würde mir nie einen VW kaufen. Die betrügen.“ Es war das Jahr 2015, erstmals gelangten die Abgas-Betrügereien deutscher Autohersteller ans Licht der Öffentlichkeit. Witthus war enttäuscht. Sein erstes Auto war ein Golf Diesel. Er überlegte, was er tun sollte, und landete bei dieser einen Frage, die auch viele seiner Zuschauer bei Youtube beschäftigt: „Kann ich es wagen, ein E-Auto zu kaufen?“

Wunsch nach realistischen Tests

Witthus recherchiert. „In der Automobilpresse werden E-Autos häufig schlecht dargestellt“, sagt er. Was er sich wünscht, ist ein realistischer Test. Finde ich genug Ladestationen? Komme ich ohne Probleme von A nach B? Der Unternehmer beantwortet sich diese Fragen also kurzerhand selbst.

Das große Display ist die Steuerzentrale im Tesla – es zeigt unter anderem die Route und die nächstgelegenen Schnellladestationen an.

Das große Display ist die Steuerzentrale im Tesla – es zeigt unter anderem die Route und die nächstgelegenen Schnellladestationen an.

Foto: Christian Kosak

Es geht los mit einem Renault Zoe, dem Elektroauto mit den meisten Zulassungen im vergangenen Jahr. Mit seinem neuen Wagen dreht er erste Videos, schaut, was ihm gefällt und was nicht. Vor einem Jahr bestellt Witthus dann seinen Tesla. Ein Model S in einem satten rot. „Wenn man sich mit E-Mobilität beschäftigt, landet man irgendwann automatisch bei Tesla“, sagt der 44-Jährige. Und bislang ist er begeistert.

Er fährt mit dem Tesla durch Bremen, auf Geschäftsreisen, er fährt mit ihm in den Urlaub. Meist ist die Kamera dabei. Mit ihr hält er fest, wie schnell das Elektroauto beschleunigt, wie man es lädt, wie schnell es fährt – aber auch, was für Probleme es gibt. Nachdem er den Wagen bekommen hat, stellt er fest: Der Autopilot funktioniert nicht. Und auf dem Weg zu einer Konferenz zeigen ihm das Cockpit eine Schadensmeldung an. Der Frontmotor ist defekt, Witthus soll langsam weiter fahren. Am Ende wird das Auto abgeschleppt. In seinen Videos dramatisiert der Unternehmer nichts, er beschönigt aber auch nichts. „Ich will einfach nur zeigen, wie es ist, so ein Auto zu nutzen.“

Mit dem E-Auto nach Italien

Für Reisen bis zu 300 Kilometer sei das Auto ideal, sagt Witthus, bei weiteren Strecken nehme er lieber die Bahn. Mit seiner 100-Kilowatt-Batterie schafft der Tesla sogar die 500 Kilometer, ohne zu laden. Dann muss der Wagen an die Steckdose oder die Ladesäule. Dass so auch weite Reisen ohne Probleme möglich sind, zeigt Witthus ebenfalls in seinen Youtube-Videos. Vergangenen Sommer ist er mit seiner Frau und den beiden Kindern nach Italien gefahren. 1300 Kilometer mit einem Elektroauto, das man nicht in wenigen Minuten volltanken kann, sondern bei dem es einen Moment länger braucht, bis die Batterie voll ist. Für Witthus ist das kein Problem. „Für viele Autofahrer gilt eine Pause als Makel“, sagt er. „Aber selbst wenn sie mit einem Verbrennungsmotor unterwegs sind, halten Sie ja zwischendurch mal an.“ Witthus nutzt die Ladestopps meist, um eine Kleinigkeit zu essen oder einen Kaffee zu trinken.

Dennis Witthus lädt seinen Tesla. Die Batterie reicht für etwa 500 Kilometer.

Dennis Witthus lädt seinen Tesla. Die Batterie reicht für etwa 500 Kilometer.

Foto: Christian Kosak

Dass die Ladestopps bei längeren Reisen nicht zu einem unüberwindbaren Hindernis werden, dafür sorgt Tesla mit einem eigenen Netz an Ladestationen. Die sogenannten Supercharger laden die Batterien innerhalb von 20 bis 40 Minuten so voll, dass die Autos des US-Herstellers ohne Probleme weiterfahren können; in ganz Europa gibt es mittlerweile mehr als 8000 dieser Schnellladeplätze. „Sie sind der große Vorteil von Tesla.“ Längst nicht jedes E-Auto könne so schnell laden wie der Tesla.

Dass Tesla-Fahrer wie Witthus ihre Reiseroute günstig planen, dafür sorgen die Fahrzeuge selbst. Auf dem großen Display in der Mittelkonsole zeigt das eingebaute Navigationssystem die optimale Strecke an – und auch, an welchem Supercharger das Auto geladen werden muss und wie lange.

Fasziniert von Tesla

Das Thema reizt viele Autofahrer, das zeigt ein Blick auf die beliebtesten Internet-Videos von Witthus: „Tesla als Neu oder Gebrauchtwagen?“; „Tesla fährt ohne Fahrer in die Garage“; „So wird der Telsa-Wandadapter installiert“. All diese Themen haben deutlich mehr als 10.000 Klicks. Für viele ist Tesla etwas Mystisches, etwas Besonderes. Auch für Witthus. Ein Fan sei er zwar nicht. „Aber ich bin fasziniert.“

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Dazu trägt auch der Autopilot bei, den es bei Tesla zu einem Aufpreis von mehreren Tausend Euro gibt. Kameras, Radar und Ultraschallsensoren sorgen dafür, dass der Wagen auf der Autobahn fahren kann, ohne dass der Fahrer eingreifen muss. Der Tesla hält und wechselt die Spur, reguliert den Abstand zu anderen Fahrzeugen und parkt sogar automatisch ein.

„Viele sehen darin eine Spielerei“, sagt Witthus. Er aber nicht. „Der Wagen hat amerikanische Maße. Automatisches Einparken ist da manchmal hilfreich.“ Und auch der Preis lässt nicht auf ein Spielzeug schließen. In der Grundausstattung kostet der Wagen etwa 70.000 Euro, mit allen Extras werden bis zu 160.000 Euro fällig. Viel Geld, das sagt auch der Unternehmer. Allerdings: Ein BMW X5 und andere SUVs starten in einer ähnlichen Preisklasse.

Eine eigene Ladesäule

Für Erfolg und Misserfolg von E-Autos werde wohl nicht der Preis entscheidend sein, sagt Witthus. „Momentan ist der Ansatz falsch: Die Ladeinfrastruktur darf nicht nur anhand des jetzigen Bedarfs ausgebaut werden.“ Es müsse viel mehr passieren. Denn keine Ladestation zu finden, sei die größte Angst bei der Elektromobilität, was viele Fahrer abschrecke. Um etwas dagegen zu tun, hat Witthus vor seinem Hammer-Markt eine eigene Ladesäule gebaut. Für seine Kunden, und natürlich für sich selbst. Denn Witthus besitzt nicht nur einen Tesla; auch der Renault Zoe ist mittlerweile fester Bestandteil seiner Firmenflotte.

Momentan macht der Familienvater eine Pause: Sein Youtube-Kanal ruht, Witthus sammelt neue Ideen. Im März soll es dann weitergehen. Mit Witthus, seinem Tesla und der Frage: Kann ich es wagen, ein Elektroauto zu kaufen?

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