Verluste in Millionenhöhe bei Zeamarine

Bremer Zech-Reederei in finanziellen Problemen

Bei der Reederei Zeamarine des Bremer Investors Kurt Zech läuft es nicht rund. Die Rede ist von Verlusten in Millionenhöhe angesichts des schwierigen Umfelds. Wie der Bremer das Ruder herumreißen will.
16.12.2019, 19:17
Lesedauer: 4 Min
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Bremer Zech-Reederei in finanziellen Problemen
Von Florian Schwiegershausen
Bremer Zech-Reederei in finanziellen Problemen

Mehrzweck-Schiffe wie die „Zea Bremen“ fahren für Zeamarine. Das Unternehmen ist 2018 aus einem Joint Venture mit der US-Reederei Intermarine entstanden.

Zeaborn

Zeamarine, eine der Reedereien des Bremer Unternehmers Kurt Zech, stehen unruhige Zeiten bevor. Das Unternehmen soll laut dem Branchendienst „Hansa-Online“ im operativen Geschäft jeden Monat Millionenverluste machen. Demnach sollen sich die finanziellen Probleme auch auf die gesamte Zeaborn-Gruppe auswirken. Um das Ruder herum zu reißen, hat sich Kurt Zech als neuen Verantwortlichen bei Zeaborn Sven Laudehn ins Haus geholt.

Der ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Alldatax und kennt sich mit Restrukturierungen aus. Laudehn hatte die Beluga-Reederei, die einst Niels Stolberg gehörte, liquidiert. Zeamarine gilt als einer der führenden Anbieter in der Befrachtung von globalen Tramp- und Liniendiensten für den Seetransport von Schwerlast-, Breakbulk- und Projektladungen. Zur gecharterten Flotte gehören derzeit 94 Mehrzweck-Schwergutschiffe mit Tragfähigkeiten zwischen 6300 und 30 000 Tonnen. Holger Römer, Sprecher der Zech-Gruppe, bestätigt die Berichterstattung des Branchendienstes. Zu mehr will er sich momentan nicht äußern, aber womöglich zu einem späteren Zeitpunkt.

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Einhergehend mit der Berufung von Laudehn hat sich gleichzeitig Jan-Hendrik Többe aus der Geschäftsführung zurückgezogen. Er bleibt bei Zeaborn aber Gesellschafter genauso wie Ove Meyer, der sich bereits im Juli aus dem operativen Geschäft zurückgezogen haben. Beide gelten als die Architekten von Zeaborn und kannten sich aus den Zeiten, als sie gemeinsam in einer Unternehmensberatung gearbeitet hatten.

Mit dem Bremer Unternehmer Kurt Zech fanden sie den Investor, der von dem Engagement überzeugt war. Zusammen mit Zech, der damals 90 Prozent der Anteile hatte, gründeten sie die Reederei. Seitdem kannte das Unternehmen Zeaborn nur den Weg nach oben – und das in Zeiten, in denen sich die deutschen Banken weitestgehend aus der Schiffsfinanzierung zurückzogen.

Schiffe antizyklisch kaufen

Mit ihrer antizyklischen Geschäftspolitik kauften sie in dem Umfeld, das für Reeder infolge der weltweiten Finanzkrise schwierig ist, weltweit zu guten Preisen günstig Mehrzweck-Schiffe (MPP-Schiffe) ein. Diese Frachter können Schwergut und Massengut aller Art transportieren. Fast jedes Jahr wurde die Übernahme einer weiteren Reederei verkündet. Dazu gehörten in Hamburg die E. R. Schiffahrt von Erck Rickmers sowie das Schiffsmanagement der insolventen Rickmers-Holding. Durch dieses rasante Wachstum wurden Meyer und Többe zu gern angefragten Gesprächspartnern – beispielsweise auch auf der Fachmesse „Breakbulk Europe“ in Bremen, wenn es darum ging, Erfolgsgeschichten mit einer gewissen Bodenständigkeit zu erzählen.

Bei den Übernahmen handelte es sich immer um Reedereien, die ihren Sitz irgendwo zwischen Ostfriesland und Schleswig-Holstein hatten. Im Mai 2018 – Zeaborn hatte inzwischen Harren & Partner als größte Bremer Reederei überholt – ging es unternehmerisch auf die andere Seite des Atlantiks. Das Joint Venture Zeamarine wurde gegründet. Damals vereinbarten der US-amerikanische Fonds New Mountain Capital und Zechs Reederei, die Aktivitäten der Mehrzweckschiffe von Zeaborn Chartering, der Rickmers-Line sowie Intermarine zusammenzuführen und eine der größten Multipurpose-Flotten der Welt zu schaffen.

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Intermarine war eine Reederei, die 1990 in New Orleans im US-Bundesstaat Lousiana gegründet wurde. New Mountain Capital war zehn Jahre lang an der Firma beteiligt. Im April übernahm die Zeaborn-Gruppe dann die restlichen 25,1 Prozent an Zeamarine. Gleichzeitig bestellte Zeaborn im Januar in China neue Schiffe. Spätestens bei der Gründung von Zeamarine fragten sich Branchenexperten, wie sich denn angesichts unterschiedlicher Unternehmenskulturen, alles zu einer Firma zusammenfügen lässt.

Schließlich gebe es genügend Beispiele, bei denen es bei der Zusammenführung eines Unternehmens aus Bremen und eines aus Hamburg Schwierigkeiten gebe. Wie solle das erst recht zwischen einem deutschen und einem US-Unternehmen funktionieren? War zu Beginn von Zeaborn als Zielmarke eine Flotte von 100 Schiffen ausgegeben, sprach Ove Meyer, dabei immer bodenständig, angesichts des erfolgreichen Ausbaus irgendwann von einem Flottenziel bei insgesamt 250 Schiffen. Mit Meyer begann im Sommer auch das Personalkarussell.

Als Erster zog er sich als Geschäftsführer aus dem operativen Geschäft heraus und war von da an nur noch Zeaborn-Gesellschafter. Bei Zeamarine ging dann der Vorstandsvorsitzende ebenso wie der Finanzchef. Das Umfeld für MPP-Schiffe bleibt schwierig, da immer noch viele Schiffe unterwegs sind und nicht die erhofften Preise für die Ladung zu erzielen sind. Und Trumps protektionistische Handelspolitik beschert der Weltwirtschaft alles andere als positive Impulse.

Millionen-Zahlung zum Jahresende

Da ja auch der Hamburger Bertram Rickmers an Zeamarine beteiligt ist, soll er laut „Hansa Online“ zum Jahresende eine Summe im zweistelligen Millionenbereich erhalten. Diese Summe könnte laut dem Branchendienst für Zechs Schiffsengagement zu einer schweren Hürde werden. Zeamarine ist mit 75 MPP-Schiffen gerade die Nummer Vier der Welt, Zeaborn ist beim Schiffsmanagement mit 130 Schiffen unterwegs.

Für Kurt Zech, dessen Unternehmen seinen Ursprung in der Baubranche hat, ist die Schiffssparte eine von mehreren Beteiligungen, die quer durch verschiedene Branchen gehen und vom Hotelgewerbe bis zur Landwirtschaft reichen. In Bremen will er das Parkhaus Mitte abreißen, um die Fläche zusammen mit Kaufhof und Karstadt für eine neue City-Galerie zu entwickeln. Doch seine größte Baustelle scheint für die nächste Zeit eher auf dem Wasser zu liegen.

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