Wegen Hapag-Lloyd

Bremische Häfen schlagen weniger Waren um

In den bremischen Häfen wird es beim Umschlag in diesem Jahr einen Rückgang geben. Grund dafür: Der Abzug von vier Transatlantik-Diensten von Hapag-Lloyd zu Jahresbeginn von Bremerhaven nach Hamburg.
16.12.2019, 15:09
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Bremische Häfen schlagen weniger Waren um
Von Peter Hanuschke
Bremische Häfen schlagen weniger Waren um

Der Hafen in Bremerhaven mit seinem Containerumschlag verzeichnete einen Rückgang um 6,5 Prozent auf 58 Millionen Tonnen.

Mohssen Assanimoghaddam/dpa

In den bremischen Häfen läuft es nach Plan – das Minus von 4,3 Prozent beim Gesamtgüterumschlag liegt im erwarteten Bereich. An Deutschlands einzigem Tiefwasserhafen Jade-Weser-Port, an dem Bremen beteiligt ist, ging dagegen in etwa die gleiche Menge an Standardcontainern über die Kaikante wie im Vorjahr. Beiden Häfenstandorten werden gute Perspektiven vorausgesagt – wobei die Voraussetzungen dafür in Bremerhaven mit der Vertiefung der Außenweser zunächst noch geschaffen werden müssten.

Erwartet wurde der Rückgang – der Gesamtgüterumschlag liegt bei 71,2 Millionen Tonnen – durch die Verlagerung von vier Transatlantik-Diensten von Hapag-Lloyd zu Beginn dieses Jahres von Bremerhaven nach Hamburg. Der Umschlag ist mit 4,96 Millionen Standardcontainern (TEU) um neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken. „Die bremischen Häfen sind grundsätzlich gut aufgestellt“, sagte Robert Howe, Geschäftsführer der stadtbremischen Hafengesellschaft, am Montag bei der Präsentation der Häfenbilanz im Rathaus. Für die Zukunft sei es allerdings erforderlich, die Hafeninfrastruktur weiter auszubauen.

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Konkret meinte Howe damit unter anderem die Vertiefung der Fahrrinne in der Außenweser: Die sei ein absolutes Muss. In Bremerhaven seien in diesem Jahr zwar auch die derzeit größten Containerschiffe abgefertigt worden, aber Gespräche mit den Reedereien hätten deutlich gemacht, dass nur eine Außenweser-Vertiefung dauerhaft dafür sorgen könnte, dass Bremerhaven weiter in den Fahrplänen bleibe. Denn ohne Vertiefung sei das Ein- und Auslaufen der Großcontainerschiffe weiterhin stark von den Gezeiten abhängig.

Am Jade-Weser-Port seien die Voraussetzungen für die Abfertigung der Großcontainerschiffe optimal. „Insofern gehe ich weiter davon aus, dass der Tiefwasserhafen perspektivisch eine Erfolgsgeschichte wird“, so Frank Dreeke, Vorsitzender der Bremer BLG Logistics Group, die über das Joint Venture Eurogate Terminals in Deutschland und Europa betreibt. Ausgelegt ist der 2012 eröffnete Jade-­Weser-Port für eine Kapazität von 2,7 Millionen TEU. In diesem Jahr wird der Umschlag bei etwa 655 000 TEU liegen. Trotz der guten Voraussetzungen dort konnte Dreeke keine Prognose für die Umschlagsentwicklung im kommenden Jahr abgeben. Gleiches galt für die bremischen Häfen, wo die BLG den Neustädter Häfen und in Bremerhaven drei Terminals betreibt, zwei davon mit Beteiligungen der Reedereien Maersk und MSC.

Es gebe viele Brennpunkte in der Welt, dazu kämen Handelskonflikte, deren Auswirkungen nicht abschätzbar seien, so Dreeke. „Die Euphorie der vergangenen Jahre gibt es derzeit nicht mehr, als es immer hieß, da legen wir beim Umschlag noch eine Schippe drauf.“ Es sei davon auszugehen, dass es eine kleine Delle geben werde. Das gelte auch für den Autoumschlag, der in diesem Jahr bei 2,1 Millionen Fahrzeugen und einem Minus von 3,3 Prozent lag.

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Der Rückgang beim Gesamtgüterumschlag sage nichts über die Leistungsfähigkeit der bremischen Häfen aus, stellte Staatsrat Tim Cordßen klar, der die wegen Krankheit fehlende Häfensenatorin Claudia Schilling (SPD) vertrat. Die Hapag-Lloyd-Entscheidung sei gefallen, um das Terminal Altenwerder stärker auszulasten, an dem die Reederei beteiligt ist.

Dass die bremischen Häfen gut aufgestellt seien, zeige sich auch an der Entwicklung im Massengutumschlag: Der konnte im Vergleich zum Vorjahr um 14,2 Prozent auf 9,8 Millionen Tonnen zulegen. Die Leistungsfähigkeit zeige sich auch an anderer Stelle: Die Hafenanlagen in Bremen-Stadt konnten mit 13,2 Millionen Tonnen ihren Umschlag um 7,2 Prozent steigen. Ebenso habe das Kreuzfahrtgeschäft erneut zugelegt und mit 246 000 Passagieren ein Plus von 3,7 Prozent erreicht.

Cordßen betonte, dass man im nächsten Jahr über 100 Millionen Euro in die Infrastruktur investiere, unter anderem werde damit die Nordmole zum Fischereihafen erneuert. Was die Vertiefung der Außenweser angeht, würde es das Hafenressort begrüßen, wenn dieses Vorhaben mit auf die sogenannte Prioritätenliste des Bundesverkehrsministerium für Infrastrukturvorhaben aufgenommen wird. Denn das könnte eine wesentliche Beschleunigung des Planfeststellungsverfahrens bedeuten.

+++ Dieser Text wurde aktualisiert um 22:21Uhr +++

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