Raumfahrtunternehmen OHB Bremische Mission bringt vier weitere Galileo-Satelliten ins All

Eine Ariane-5-Rakete hat vier neue Satelliten für das europäische Navigationssystem Galileo ins All gebracht. Eine Mission, die zum Großteil bremisch geprägt ist.
12.12.2017, 20:03
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Bremische Mission bringt vier weitere Galileo-Satelliten ins All
Von Peter Hanuschke

Das europäische Navigationssystem Galileo bietet bereits seit einem Jahr erste Dienste an. In der Nacht auf Mittwoch sollte das System komplexer werden: Vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana in Südamerika ist am Dienstagabend pünktlich um 19.36 Uhr mitteleuropäischer Zeit eine Ariane-5-Rakete mit vier Galileo-Satelliten an Bord gestartet. Bis alle Satelliten ausgesetzt sind, sollte die Mission knapp vier Stunden dauern – eine Mission, die zum Großteil bremisch geprägt ist.

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Nicht nur die vier Satelliten kommen aus Bremen – sie werden beim Raumfahrtunternehmen OHB gefertigt –, sondern auch die Oberstufe der Trägerrakete stammt aus Bremen, und zwar wird sie bei der Ariane-Group entwickelt und gebaut. Daran ist auch OHB mit seiner Tochterfirma MT Aerospace beteiligt. Sie liefert unter anderem Strukturbauteile und Oberstufentanks.

Die Intelligenz kommt aus Bremen

Auch wenn die Schubkammer der Oberstufe beim Ariane-Group-Standort in Ottobrunn bei München gefertigt wird, wird bei den Verantwortlichen deutlich, welchen Stellenwert Bremen für das gesamte Trägerraketenprogramm hat: „Der Schub kommt aus Ottobrunn, aber die Intelligenz aus Bremen“, sagt Jens Lassmann, Standortleiter von Ariane-Group in Bremen, dem Gemeinschaftsunternehmen des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns Airbus und des französischen Triebwerkherstellers Safran.

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Auch wenn der Start der Trägerrakete Ariane 5 der 82. in Folge ohne Probleme ins All war, ist das nie Routinearbeit: „Jede Mission ist anders, und hinter jeder Mission steckt Hochleistungs-Engineering“, sagt Sören Scholz, Leiter des Ariane-Programms in Bremen. Und diese Mission über vier Stunden sei nicht nur die bisher längste für eine Ariane 5 gewesen. Auch die Rakete müsse mehrmals gezündet werden, um die Satelliten richtig zu positionieren. Mit den vier Satelliten mit den Namen „Nicole“, „Zofia“, „Alexandre“ und „Irina“ sind insgesamt 22 Galileo-Satelliten im All – davon sind 18 von OHB gebaut.

Europa will unabhängig werden

Mit dem milliardenschweren Prestige­projekt will Europa unabhängig vom amerikanischen GPS werden. Nach Angaben der Betreiber rüsten Handyhersteller inzwischen Modelle neben GPS- auch mit Galileo-Empfängern aus. Außerdem sollen Galileo-Dienste unter anderem dazu dienen, Hilfseinsätze schneller und besser durch eine wesentlich bessere Zielgenauigkeit gegenüber bisherigen Systemen zu koordinieren.

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Die Anfang des Jahres bekannt gewordenen Probleme mit Atomuhren an Bord mancher Satelliten, die sich bereits im Orbit befinden, hat Galileo inzwischen nach eigenen Angaben im Griff. „Für uns ist das Thema der Uhren hinter uns“, sagte der Direktor für Satellitennavigation bei der europäischen Raumfahrtagentur Esa, Paul Verhoef, am Montag.

Für eine weltweite Abdeckung benötigt das System insgesamt 24 Satelliten. Dafür sind die weiteren Starts bereits geplant, und zwar für Juli 2018 und für 2020.

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