Brexit-Umfrage der IHK Nord

Brexit verunsichert Betriebe im Norden

Noch immer ringen EU und Großbritannien um ihre Handelsbeziehungen ab dem kommenden Jahr. Die Handelskammer Bremen bereitet ihre Mitgliedsunternehmen schon einmal auf einen harten Brexit vor.
10.11.2020, 20:20
Lesedauer: 2 Min
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Brexit verunsichert Betriebe im Norden
Von Joerg Helge Wagner
Brexit verunsichert Betriebe im Norden

Bleibt es so reibungslos? Lkw aus der EU verlassen die Fähre im britischen Dover.

Andy Rain / dpa

Bremen. Der Countdown läuft: Mit dem Jahreswechsel endet auch der Übergangszeitraum für den Brexit. Doch noch immer gibt es keinen Vertrag zwischen dem Vereinigten Königreich und der Europäischen Union, der die Handelsbeziehungen ab Januar regelt. Das ist vor allem für viele norddeutsche Unternehmen eine Herausforderung, die sich auf dem britischen Markt engagieren. Fast zwei Drittel von ihnen befürchten eine Verschlechterung ihrer Geschäfte im Falle eines harten Brexits, wie eine Umfrage der IHK Nord im Oktober ergeben hat. In diesem Zusammenschluss von zwölf Handelskammern der Küstenländer ist auch die Handelskammer Bremen vertreten.

„Insgesamt 571 Unternehmen beteiligten sich an der Umfrage, darunter 48 aus Bremen“, sagt Frank Zühlke vom Arbeitskreis Außenwirtschaft. „Das ist ein guter Rücklauf.“ Und fast die Hälfte dieser Unternehmen gab an, gut oder gar sehr gut auf das Ausscheiden der Briten aus Zollunion und Binnenmarkt vorbereitet zu sein. 21 Prozent haben sogar eine betriebsinterne Taskforce eingesetzt, um sich mit Zoll- und Steuerfragen oder möglichen Änderungen im Arbeitsrecht zu befassen. Andererseits hat auch ein fast ein Drittel bislang noch gar nichts unternommen, um neue Geschäftsbeziehungen zu Großbritannien vorzubereiten.

Die Unternehmen bräuchten „für ihre Investitionen und Geschäftsaktivitäten langfristige Rechtssicherheit und möglichst wenig neue Bürokratie“, forderte die Bremer IHK-Nord-Vorsitzende Janina Marahrens-Hashagen. Denn das größte Risiko sind für 83 Prozent der Befragten zusätzliche Handelsbeschränkungen. Danach folgen Rechtsunsicherheiten (39 Prozent), Wechselkursschwankungen (38 Prozent) und eine sinkende Nachfrage (35 Prozent). Folglich wünschen sich 85 Prozent ein Handelsabkommen mit freiem Warenverkehr.

In Bremen haben nach Auskunft der hiesigen Handelskammer 247 Unternehmen starke Beziehungen zu Großbritannien. „Schwierig wird es für rund dieser 50 Unternehmen, die bislang keine Beziehungen zu Drittländern haben“, erklärt Anja Markmann von der Abteilung Internationale Themen. Denn bei einem harten Brexit, also einem Ausstieg ohne neues Handelsabkommen, müssten sie Import- und Exportabläufe so gestalten wie beispielsweise gegenüber China.

„Wie viele Zölle kommen auf uns zu?“ – das ist laut Markmann die häufigste Frage in Sachen Brexit. Betroffen seien vor allem die Branchen Lebensmittel, Pkw, Mess- und Steuerungstechnik, Pharmazie und Metall. Aber auch die Fischerei: „Das Nationalgericht Fish'n'Chips ist nicht automatisch rein britisch, dann kann der Fisch durchaus auch aus Bremerhaven kommen“, sagt Markmann. Großbritannien habe immerhin schon die möglichen Zölle veröffentlicht. „Stellen Sie sich bei der Kalkulation von Kosten und bürokratischem Aufwand auf einen harten Brexit ein“, rate man deshalb.

Und das betrifft auch den Import. Bei Lebensmitteln – sei es nun Käse, Konfekt oder Whisky – könne es plötzlich wieder neue Kennzeichnungs- und Zulassungspflichten geben, auch wenn die Marken schon seit Jahrzehnten auf dem EU-Markt vertreten sind. Unklar sei auch, ob deutsche Produkte, die britische Anteile enthalten, weiter mit EU-Präferenz in Drittländer exportiert werden könnten. Und Markmann nennt noch ein drittes Problemfeld: „Dienstleistungen, die Deutsche in Großbritannien für Kunden in der EU erbringen, werden womöglich mit einer anderen Umsatzsteuer belegt.“

Die Unwägbarkeiten des Brexit sind auch Thema einer Online-Veranstaltung der Handelskammer Bremen am 19. November. Bei dem Webinar geht es um Fragen nach der wirtschaftlichen Lage im Vereinigten Königreich oder darum, wie künftig Transporte von und nach Großbritannien ablaufen. Es referiert unter anderen Ulrich Hoppe, Hauptgeschäftsführer der Deutsch-Britischen Industrie- und Handelskammer London. Anmelden kann man sich auf der Homepage der Kammer.

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