Flughafen Bremen

Bula fliegt

Der Aufsichtsrat hat den Bremer Flughafenchef Jürgen Bula mit sofortiger Wirkung von seiner Tätigkeit enthoben. Nun sollen Wirtschaftsprüfer sollen die Unternehmenszahlen durchleuchten.
10.11.2017, 20:40
Lesedauer: 3 Min
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Bula fliegt
Von Maren Beneke
Bula fliegt

Jürgen Bula ist als Geschäftsführer des Bremer Airports durch den Aufsichtsrat abgesetzt worden.

Frank Thomas Koch

Die Mitteilung des Flughafens Bremen kam um kurz nach halb drei. Nur wenige Minuten zuvor war das durchgesickert, was dann in ausführlicher Form von Unternehmen und Aufsichtsrat begründet wurde: Das Gremium entbindet Flughafen-Chef Jürgen Bula mit sofortiger Wirkung von seinem Amt. Es hat sich diese Entscheidung offenbar nicht leicht gemacht. Denn schon Donnerstagabend begannen die Beratungen über die Zukunft des Geschäftsführers. Erst am Freitag wurde dann die Entscheidung getroffen: Es geht nicht mehr anders.

Dass es am Ende so kommen würde, hat sich aber ganz offensichtlich schon früher abgezeichnet. Denn die Mitteilung der Flughafen Bremen GmbH war nicht etwa kurz und knapp gehalten, sondern voller Begründungen, warum man sich zu diesem Schritt entschlossen hat. Darüber hinaus haben sich die Aufsichtsratsmitglieder einen Maulkorb verpasst. Wohl auch, so heißt es in der Stellungnahme, weil „interne Vorgänge und Gerüchte in die Öffentlichkeit lanciert werden“.

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Und so war es dann auch an diesem Nachmittag: Über die Pressemitteilung hinaus waren weder der Flughafen, noch das Wirtschaftsressort, das mit Staatsrat Ekkehart Siering den Aufsichtsratsvorsitzenden stellt, noch der Betriebsratsvorsitzende Andree Hoberg bereit, etwas zu der Entscheidung zu sagen. Selbst Aufsichtsratsmitglied Onno Dannenberg, der in den Wochen zuvor mehrfach öffentlich das Aus Bulas als Flughafenchef gefordert hatte, blieb am Freitag still.

Andere konnten sich da schon freier äußern. Jörg Kastendiek zum Beispiel, wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion. Bula sei nicht mehr tragbar gewesen, findet er. „Das ist die einzig richtige Entscheidung, damit die Gesellschaft nun wieder in ruhiges Fahrwasser kommt.“ Rainer Kuhn, Verdi-Bezirksgeschäftsführer Bremen-Niedersachsen, sagte: „Auch wenn es lange gedauert hat, hat der Aufsichtsrat nun Verantwortung übernommen.“

Aufsichtsrat lässt Unternehmenszahlen durchleuchten

Fest steht jedenfalls, das lässt sich aus der Mitteilung heraus lesen, dass es nicht den einen Grund gibt, warum Jürgen Bula seinen Posten räumen muss. Vor einigen Wochen war bekannt geworden, dass Siering den Flughafenchef abgemahnt hatte. Bula soll während Tarifverhandlungen im Juni viel Alkohol getrunken haben und daraufhin zwischenzeitlich von den Gesprächen entbunden worden sein.

Diese Vorgänge wurden allerdings erst Monate später öffentlich – kurz bevor turnusgemäß die Beratungen über eine Vertragsverlängerung gestartet wären. Ärger hatte es auch bei der Abfertigung von Flugzeugen gegeben. Im April etwa legten die Mitarbeiter einer Flughafentochter die Arbeit nieder. Es gab immer wieder Chaos am Gepäckband, das auch den Flugpassagieren nicht verborgen blieb.

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Medienberichten zufolge soll sich mittlerweile auch die Gewerbeaufsicht eingeschaltet haben, weil Aushilfen bei der Gepäckabfertigung offenbar nicht die entsprechenden Sicherheitsanweisungen erhalten haben. Und auch die Unternehmenszahlen der Flughafen Bremen GmbH lässt der Aufsichtsrat nun noch einmal durchleuchten. Er will eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit einer Sonderprüfung beauftragen.

Die Gremienmitglieder wollen ganz offensichtlich sicherstellen, dass die Zahlen, die ihnen in der Vergangenheit präsentiert wurden, auch stimmen. Radio Bremen berichtete, dass sich die Gutachter mit dem Umgang mit Investitionen auseinandersetzen sollen. Öffentlich bekannt wurde diese Woche außerdem, dass der Chef der Finanzabteilung des Flughafens erst kürzlich seinen Job gekündigt hat. Auch das soll, so bestätigte Aufsichtsrat Dannenberg damals, direkt mit der Personalie Bula zusammenhängen.

Freigestellt, nicht gekündigt

Der Flughafen Bremen benötige dringend einen personellen und organisatorischen Neuaufstellungsprozess, heißt es in der Mitteilung des Flughafens. Der Ton der Veröffentlichung ist scharf: Von „schweren Störungen zwischen Geschäftsführer und Mitarbeitern“ ist darin genauso die Rede wie von einem „erschütterten Vertrauensverhältnis“ zwischen Aufsichtsrat und Bula.

Unterm Strich ist Jürgen Bula, der für acht Jahre Geschäftsführer war, seit Freitag freigestellt. Er ist also damit nicht gekündigt. Das heißt: Die Freie Hansestadt als Flughafeneignerin zahlt sein Gehalt zunächst weiter. 2015 belief sich Bulas Lohn laut Beteiligungsbericht auf 275.000 Euro. Offiziell läuft der Vertrag erst 2019 aus. Kommissarisch übernimmt nun erst einmal Petra Höfers den Posten als Geschäftsführerin.

Die 56-jährige Juristin ist seit 2015 im Unternehmen und kümmert sich als Mitglied der Geschäftsleitung um die Bereiche Personal-, Sozial- und Tarifwesen. Eine Lösung auf Dauer soll Höfers aber wohl nicht sein. Denn, auch das geht aus der Mitteilung hervor, nun soll sich eine Personalberatungsagentur darum kümmern, einen geeigneten Kandidaten für die Bula-Nachfolge zu finden. Ein externer Bewerber soll es demnach werden. Wann genau der neue Mann oder die neue Frau an der Spitze des Flughafen Bremen die Arbeit aufnehmen kann, steht noch nicht fest.

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