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Bunt und gesund

Die Manufaktur Pressgut stellt gesunde und frische Säfte aus Obst und Gemüse her. Wenn sich die Entwicklung der vergangenen Jahre fortsetzt, soll das Angebot nach und nach ausgeweitet werden.
21.07.2018, 19:55
Lesedauer: 3 Min
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Bunt und gesund
Von Silke Hellwig
Bunt und gesund

Thomas Bicheler hat sich vor drei Jahren mit der Saft- und Suppen-Manufaktur Pressgut selbstständig gemacht.

Fotos: Frank Thomas Koch

Thomas Bicheler ist mit ganzem Herzen dabei und gewissermaßen mit ganzem Portemonnaie. „All in“ nennt er das – er hat sich seiner Unternehmensgründung gewissermaßen ganz hingegeben. Vor drei Jahren eröffnete er einen Saftladen, eine Bezeichnung, die bei Pressgut nichts Abschätziges hat. Bicheler stellt nämlich tatsächlich Säfte her, ausdrücklich keine Smoothies, er presst Obst und Gemüse aus und macht daraus bunte, gesunde und frische, klare Getränke.

Sein Laden befindet sich gegenüber vom Klinikum Mitte in der Sankt-Jürgen-Straße. Das Ambiente ist freundlich, modern und hell. Große Tafeln hinterm Tresen fungieren als Getränkekarte, die nach Saison wechselt. Unter „Kaltgepresst“ sind derzeit die Sorten Grün I bis V aufgeführt, außerdem Rot, Weiß, mehrere Limo-Varianten und zwei Nuss-Sorten. Dahinter sind die Zutaten aufgelistet. Dazu gezählt Gewöhnliches wie Apfel und Ananas, Orange und Zitrone, aber auch Fenchel und Brennnessel, Sellerie und Petersilie, Weizen-, Zitronengras und Löwenzahn.

Lücke im Angebot

Bicheler weiß, welche Obst- und Gemüsesorten miteinander harmonieren. Er war viele Jahre als Koch in der Spitzengastronomie tätig. Das Restaurant, das er mit einem Partner führte, hatte einen Stern im Guide Michelin und 16 Gault-Millau-Punkte. Aber es kam der Tag, „da wollten und konnten wir einfach nicht mehr“. Entgegen gängigen Vorstellungen mache Sterne-Küche nämlich nicht über Nacht reich und glücklich. Der Aufwand für Spitzenleistungen sei – wie überall – hoch, materiell und ideell.

„Ich bin Koch aus Leidenschaft“, sagt Bicheler, damit war klar, dass seine berufliche Zukunft viel mit Genuss und Geschmack zu tun haben sollte. „Ich habe Freude daran, aus natürlichen Lebensmitteln Hochwertiges herzustellen.“ Seine Frau Astrid Beck ist Personal-Fitness-Trainerin. Von ihren Kunden wusste sie, dass das Angebot an gesunden Mahlzeiten zwar groß, aber dennoch lückenhaft ist.

Bicheler begann im Internet zu recherchieren, worauf es bei der Produktion von gesunden und schmackhaften Säften ankommt. „Welche Geschmackskomponenten sich wie ergänzen, konnte ich mir vorstellen, das ist schließlich mein Beruf.“ Seine erste Idee: Tagessaftpakete, Detox- und Kuren zum Säure-Basen-Ausgleich. Naheliegend erschien, die Säfte auch einzeln zu verkaufen. Nach und nach wuchs das Angebot, um Suppen, um vegane Gerichte wie „Quinoa-Burger mit Dinkel-Möhrenbun und Limettensoyanaise“ und um Desserts wie „Blaubeer-Rohkost-Törtchen“. Der Laden im Viertel habe sich dafür angeboten.

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„Wir haben eine relativ große Stammkundschaft“, sagt Bicheler. Eine offensichtlich dieser Gruppe zugehörige Kundin kommt am Morgen schnellen Schritts zur Theke, man kennt sich, man grüßt sich freundschaftlich. Sie fischt ihr Leergut aus der Fahrradtasche und füllt sie mit dem Vorrat für die nächste Woche. Die Säfte und Suppen haben ihren Preis, ihn ohne mit der Wimper zu zucken zu zahlen, erfordere eine gewisse Wertschätzung für die Mühe, die darin stecke, sagt Bicheler.

Die Säfte entstehen ausschließlich in Handarbeit. Bicheler zeigt den Produktionsbereich, in den ein schmaler Flur hinter der Theke führt. 100 Liter Saft produziere er hier pro Woche. Eine mächtige Presse steht im ersten Raum. „Das war eine große Hürde: die richtige Maschine zu finden.“ Bicheler wurde in den USA fündig. Seither werden Äpfel und Birnen, Ananas und Gurken mit dem Druck von acht Tonnen bis auf den letzten Tropfen ausgepresst.

Andere Zutaten eignen sich nicht für die Maschine, sie werden im Walzenentsafter zermahlen. Saftauspressen sei beinahe eine Wissenschaft für sich – die Zutaten enthalten unterschiedlich viel Flüssigkeit, darauf muss bei der Produktion geachtet werden. Die Zutaten kauft der Koch morgens ab 5 Uhr auf dem Großmarkt ein, so regional und saisonal wie möglich.

Umsatz wächst stetig

Das Weizengras wächst auf dem Dach nebenan. Er verwende keinerlei konservierende Zusätze, versichert Bicheler, die Haltbarkeit der Säfte liegt bei fünf Tagen. Das mache den Vertrieb schwierig. Es gibt einige Adressen in Bremen, wo Pressgut-Produkte erhältlich sind. Seine Großkunden täten sich derzeit noch leichter damit, die Suppen in ihr Sortiment zu nehmen – sie halten sich länger. Vor der Tür steht eine motorisierte Biene, ein dreirädriges Lieferfahrzeug – Pressgut liefert auch nach Hause oder ins Büro.

Außerdem handele es sich bei den Säften um „erklärungsbedürftige Produkte.“ Unter einer Süßkartoffel-Kokos-Suppe könnten sich die meisten Kunden etwas vorstellen, aber unter dem Saft namens „Weiß I“, in dem Bicheler „Ananas, Blumenkohl, Fenchel, Gurke und Zitrone“ kombiniert hat?

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Hinter der Theke steht eine Batterie winziger Gläser – zur Verkostung, niemand muss quasi die Katze in der Flasche kaufen. Pressgut-Säfte probieren kann man auch auf dem Findorff-Markt, Bicheler beteiligt sich an Aktionen wie dem „veganen Sommerfest“ im August am Schlachthof und ist Mitglied der „Bremer Stadtfabrikanten“.

Thomas Bicheler schmeißt seinen Saftladen mit vier Mitarbeitern auf 450-Euro-Basis, sich selbst zahle er im Grunde noch kein Gehalt. Der Umsatz wachse stetig, Bicheler beziffert ihn auf derzeit rund 10.000 Euro pro Monat. Wenn sich die Entwicklung der vergangenen Jahre fortsetze, will Bicheler sein Angebot nach und nach ausweiten. An Ideen für neue Kreationen mangele es nicht.

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