Neues Carsharing-Modell in Bremen

Cambio ab Sommer mit Free-Floating-Autos

Der Carsharing-Anbieter Cambio ändert seine Strategie und bietet zu den Autos an festen Stationen bald zusätzlich Pkw im Free-Floating-System an. Was der Grund für diesen Schritt ist.
12.03.2020, 13:07
Lesedauer: 3 Min
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Cambio ab Sommer mit Free-Floating-Autos
Von Lisa Boekhoff
Cambio ab Sommer mit Free-Floating-Autos

Cambio-Kunden können in Bremen ab Sommer eines der 50 Free-Floating-Autos dort abstellen, wo das Parken nichts kostet - allerdings nur innerhalb von Walle, Findorff, der Innenstadt, der östlichen Vorstadt und der Neustadt.

Cambio

Die Mission ist betagt. Denn das Ziel ist immerhin 30 Jahre alt. Doch Cambio hält an seinem Plan aus Gründungstagen fest, das eigene Auto für Menschen überflüssig zu machen. Nur der Weg der Mission nimmt einen Schlenker mit einem neuen Angebot: In Zukunft sollen Fahrzeuge auch im sogenannten Free-Floating-Modell ausgeliehen werden können. Das bedeutet, dass Autos nach der Tour in einem bestimmten Gebiet frei geparkt werden dürfen – und nicht wie bisher an Stationen zurückgebracht werden müssen.

Kunden von Cambio hätten immer wieder nach dieser Option gefragt, sagt der Geschäftsführer der Carsharing-Anbieter-Gruppe, Joachim Schwarz, bei der Vorstellung der Pläne. Nun soll es sie geben. Im Sommer soll eine Flotte von 50 Autos für das Free-Floating bereit stehen. Dabei wolle man aber nicht die Stadt mit Autos überfluten. Weil es Stationen und Freiheit gebe, sei die Masse an Fahrzeugen gar nicht nötig. Denn der Kunde könne entweder fest und verlässlich ein Auto für eine bestimmte Zeit buchen oder spontan einsteigen und so lange fahren wie gewünscht. Schwarz sagt dagegen, das andere Anbieter sich Städte schon zu Gegnern gemacht hätten, weil deren reicher Fuhrpark den Parkraum belaste. Cambio wolle nur dort Autos einsetzen, wo es Nachfrage gebe.

In Bremen und Umgebung hat Cambio bereits eine Flotte von 380 Fahrzeugen. Die Preise für das Free-Floating-Angebot sollen sich nicht vom stationsgebundenen Ausleihen unterscheiden. Berechnet wird nach Stunde und Kilometer: Im Basistarif kosten acht Kilometer innerhalb einer Stunde 4,92 Euro. „Wer viel fährt, zahlt das“, sagt die Geschäftsführerin von Cambio Bremen Kerstin Homrighausen. Das Angebot soll in der Regel teurer als der ÖPNV sein. Zum Nahverkehr wolle man keine Konkurrenz aufbauen.

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Die Stadt Bremen hat Cambio keine Auflagen gemacht und auch beim Entwurf des Gebiets nichts mitentschieden. Flächen für das Free-Floating gibt es nicht. Nutzer müssen also kostenlose Parklücken finden. Und noch eine Herausforderung gibt es: Für dieses Angebot wird beim geplanten Anwohnerparken keine Ausnahme gemacht. Man habe die Stadt angefragt, Parkplätze zu bekommen, sagt Homrighausen: „Wir haben erzählt, was wir vorhaben.“ Auf die Fragen habe es aber noch keine Antworten gegeben. Die könnten aber noch kommen. „Wir dachten, dann fangen wir einfach so an.“ Sind andere Städte besser vorbereitet? „Vielleicht wagemutiger“, sagt die Bremer Geschäftsführerin. In den vergangenen Jahrzehnten seien Bremen und Cambio aber oft Vorreiter gewesen. Stadt und Unternehmen waren sich dabei bisher einig, Free-Floating skeptisch zu sehen. Das hat sich nun geändert. Erfahrungen der Kollegen und erste Studien zeigten, dass es eine gute Wirkung habe: „Es macht das Carsharing hipper, sorgt für Wachstum und eine andere Wahrnehmung.“ Die neue Flotte soll denn auch ganz anders aussehen. Viel verraten Schwarz und Homrighausen nicht: Welche Marke? Welche Farbe? Fest steht: Fünf Türen werden es sein. Ob Cityfahrt oder Ausflug an die Nordsee: Beides soll mit den Autos im freien Fluss möglich sein. Heute sind die Ausleihzeiten bereits oft knackig: Jede vierte Fahrt liegt bei einer Stunde oder darunter. Wie lange das Auto im Free-Floating-Modell maximal buchbar ist, das steht noch nicht fest.

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Cambio bietet das Free-Floating dort an, wo es bereits viele Kunden und Stationen gibt. In der Überseestadt ist da offensichtlich noch Luft nach oben: Bremens jüngster Stadtteil gehört nicht zum Geschäftsgebiet. Hilft die Option nicht gerade dort? Cambio macht deutlich, dass man nicht für einen „ganz furchtbar geplanten Stadtteil“ Sorge trage, wo man derzeit wenige Kunden habe. „Das Wachstum ist dort wirklich langsam“, sagt Homrighausen. In Bremen hat Cambio heute 18 300 Kunden. In diesem Jahr sollen es aber schon 20 000 sein, wenn es nach dem Bremer Verkehrsentwicklungsplan geht.

In einer App sollen die Autos gebucht werden können. Schwarz ist überzeugt, dass das neue Angebot bei der Trennung vom eigenen Auto hilft. Denn die Fahrzeuge ließen sich überall parken, danach könne man sich frei in der Stadt bewegen. „Das ist der Grund, warum um die ganze Free-Floaterei so ein unglaublicher Hype gemacht worden ist: Weil etwas entsteht, was man mit dem eigenen Auto nicht kann.“ Schwarz erklärt, man wolle sich mit diesem Schritt auch für die Zukunft aufstellen, wenn irgendwann das autonome Fahren komme.

+++ Dieser Artikel wurde um 9.22 Uhr aktualisiert. +++

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