Bremen Sebaldsbrück

CAP-Markt dicht: Zu viele Diebstähle

Bremen. Erst vor einem Dreivierteljahr hat der CAP-Markt in Sebaldsbrück geöffnet. Nun ist das kleine Lebensmittelgeschäft, in dem behinderte Menschen eine Arbeit fanden, schon wieder dicht. Dem Betreiber fehlen nicht etwa Kunden, sondern ihm machen Ladendiebe und Räuber zu schaffen.
27.01.2010, 06:01
Lesedauer: 2 Min
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Von Rose Gerdts-Schiffler

Bremen. Erst vor einem Dreivierteljahr hat der CAP-Markt im ehemaligen Eisenbahnerviertel Sebaldsbrück geöffnet. Nun ist das kleine Lebensmittelgeschäft, in dem behinderte Menschen eine Arbeit fanden, schon wieder dicht. Vorübergehend zumindest. Dem Betreiber fehlen nicht etwa Kunden, sondern ihm machen Ladendiebe und Räuber zu schaffen.

Erwin Bienewald ist Geschäftsführer der Stiftung Maribondo da Floresta. Die Stiftung betreibt in Bremen und im niedersächsischen Umland unter anderem Kantinen, eine Mosterei, eine Werkstatt und drei kleine Supermärkte. 150 Behinderte finden Arbeit in den verschiedenen Projekten. Im CAP-Markt in der Forbachstraße sind 40 Prozent der Mitarbeiter schwerbehindert. 'Es ist ein Integrationsbetrieb', wirbt Erwin Bienewald für das einzige Geschäft weit und breit in der Siedlung.

Dabei muss der Geschäftsführer gar nicht um Unterstützung bitten. Nicht nur der Leiter der Polizeiinspektion Ost, Jörg Meier, hat sich Dienstagmorgen zu der von Bienewald einberufenen improvisierten Pressekonferenz in dem Laden eingefunden, sondern auch Dutzende von meist älteren Kunden. In Viererreihen stehen sie dicht gedrängt um Bienewald herum und hoffen inständig, dass der Lebensmittelladen nicht dichtmacht.

'Sonst gibt es hier doch für uns alte Leute nichts. Wir brauchen den Laden', sagt die 81-jährige Henrike Diekau. Brot, Wurst und Käse gibt es hier ebenso wie Briefmarken oder Zigaretten, Weinbrand und Waschpulver. Viele Jahre lang gab es am selben Standort einen Edeka-Laden. Als die Betreiber aus Altersgründen aufgaben, waren die Anwohner froh, dass der CAP-Markt das Geschäft übernahm.

'Wir gehen dahin, wo sonst keiner der Großen hingeht', erklärt Erwin Bienewald das Konzept der Stiftung. Neben einem der großen Marktführer hätte sein Betrieb zudem keine Chance zu bestehen. Doch nun wurden die Mitarbeiter innerhalb von nur zehn Tagen zweimal überfallen. Mehrere Tausend Euro haben die maskierten und bewaffneten Täter erbeutet. 'Unsere Kollegen haben Angst, hier zu arbeiten', sagt Bienewald. Hinzu kämen mehrere Einbrüche und -versuche, tägliche Ladendiebstähle und junge Männer, die nur auf einen günstigen Moment warteten, um mit Rucksäcken voll gestohlener Ware wieder aus dem Geschäft zu stürmen. 'Das ist Rio in Sebaldsbrück.'

Indes sind weder die Diebstähle noch die Plünderungen der Polizei bekannt. 'Wir können uns nur kümmern, wenn Sie uns sofort informieren', appelliert Inspektionsleiter Meier an den Geschäftsführer der Stiftung. Nur so könne man 'gezielte Maßnahmen fahren' und präventiv eingreifen.

Bienewald bleibt skeptisch. 'Ich weiß doch, was die Polizei für Personalnöte hat. Da sind wir nichts anderes als eine Aktennotiz.' Die Aussage, dass das Wohngebiet keinen Kriminalitätsschwerpunkt bildet, tröstet ihn nicht. Schließlich willigt er aber ein, gemeinsam mit der Polizei an einem effektiveren Sicherheits-Konzept für den Markt zu feilen. Denn so könne es nicht weitergehen. Vorschläge gibt es genug: 'Die Tür', finden Kunden, 'die ist doch nicht sicher'. Andere verweisen auf fehlende Videokameras oder darauf, dass beim Einräumen der Ware niemand mehr auf die Kundschaft achte. Eine ältere Frau fügt unter dem Beifall der Umstehenden hinzu: 'Vielleicht sollte der Laden grundsätzlich im Winter um 16 Uhr schließen. Mit dem Hinweis: "Wir haben für Sie im Hellen geöffnet".'

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