Nachfrage deutlich gestiegen Carsharing wird immer beliebter

Bremen. In Deutschland wächst das Angebot von Gemeinschaftswagen. Mehr als 453.000 Autofahrer teilten sich 2012 mindestens einmal den Wagen mit anderen Nutzern. Auch die Nachfrage beim Bremer Carsharing-Unternehmen Cambio ist gestiegen.
27.02.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Ilka Rickers

Bremen. In Deutschland wächst das Angebot von Gemeinschaftswagen. Mehr als 453000 Autofahrer teilten sich im vergangenen Jahr mindestens einmal den Wagen mit anderen Nutzern, wie der Bundesverband Carsharing gestern in Berlin mitteilte. Auch die Nachfrage beim Bremer Carsharing-Unternehmen Cambio ist gestiegen.

Der Anbieter Cambio in Bremen ist mit der Bilanz des vergangenen Jahres zufrieden: "Wir haben immer noch Zuwachs in den verschiedenen Altersgruppen", sagt Kerstin Homrighausen, Geschäftsführerin des Carsharing-Unternehmens. Im letzten Monat wurde nach Cambio-Angaben die Mitgliederzahl von 9700 überschritten.

Derzeit werden 179 Autos zur Verfügung gestellt, die sich an 48 verschiedenen Standorten befinden, drei davon sind in Bremerhaven. In Bremen wurden in diesem Jahr an der Universität und in der Bismarckstraße neue Stationen errichtet. Die meisten Anlaufpunkte befinden sich in der Nähe des Zentrums. Dort sei die Nachfrage am größten, sagt Jutta Kirsch von der Cambio-Marketingabteilung. Inzwischen gebe es jedoch auch zunehmend Kundenanfragen aus entfernteren Stadtteilen wie Arsten oder Huckelriede. Dort gebe es zwar Stationen, sie reichten aber für den wachsenden Bedarf nicht mehr aus, so Kirsch.

Allein die Hälfte der Cambio-Autonutzer sei zwischen 30 und 50 Jahre alt. Zu den Mitgliedern gehören laut Kirsch aber auch viele ältere Stammkunden, die in Bremen mit dem Modell Carsharing groß geworden seien. "Uns gibt es hier in Bremen immerhin bereits seit mehr als 20 Jahren." Bei den Jüngeren sieht sie noch Nachholbedarf. Erst seit letztem Sommer gebe es eine neue Regelung, nach der auch schon 18-Jährige den Verleihdienst nutzen dürfen. Nach der vorherigen Regelung musste ein Kunde älter als 25 Jahre sein oder seit mindestens zwei Jahren einen Führerschein besitzen, um sich ans Steuer eines Gemeinschaftsautos setzen zu dürfen. "Die Aufhebung dieser Altersgrenze hat uns einige neue Kunden gebracht, obwohl wir damit gar nicht groß Werbung gemacht haben", fügt Geschäftsführerin Homrighausen hinzu.

In anderen Städten wie Aachen, Hamburg oder Köln können sich Carsharing-Kunden auch Elektroautos leihen. Dieses Angebot gibt es in Bremen noch nicht. "Das öffentliche Interesse ist zwar da", weiß Jutta Kirsch. "Wir haben uns aber bewusst dagegen entschieden, weil der Aufwand zu groß ist und es sich für uns derzeit finanziell nicht lohnt."

Das Unternehmen konzentriere sich stattdessen darauf, sein Stationsnetz weiter auszubauen. Anders als bei flexiblen Carsharing-Anbietern wie etwa Car2go oder Drive-Now warten die Fahrzeuge von Cambio auf festen Parkplätzen auf ihre Abholer. Genau dorthin müssen sie auch wieder zurückgebracht werden. "Der Vorteil für die Kunden sind reservierte Parkplätze. Die Standorte befinden sich meist in Wohngebieten, wo Parkraum sonst Mangelware ist." Die Wege zur nächsten Station seien kurz "und man kann überall reservieren, wo man gerade ist", erklärt Cambio-Chefin Homrighausen. Sogenannte "free floating"-Angebote, bei denen man das Auto einfach am Zielort stehen lassen kann, werde es zumindest bei Cambio in Bremen in den nächsten Jahren nicht geben, so Homrighausen.

Es sind vor allem die Autohersteller selbst, die auf das Geschäftsprinzip "free floating" setzen. Nach den gestern vorgelegten Zahlen des Bundesverbandes Carsharing fassen Daimler, BMW und Citroën auf dem Markt zunehmend Fuß: Ihre teils gemeinsam mit Autovermietern gestarteten Angebote in acht großen Städten hätten im vergangenen Jahr etwa drei Viertel der Neukunden angezogen.

145 stationäre Anbieter sind inzwischen in 343 Städten und Gemeinden präsent. Bei gut 43 Millionen Autos auf deutschen Straßen fallen die gut 12000 Fahrzeuge in den Carsharing-Fuhrparks allerdings noch kaum ins Gewicht. Der Bundesverband setzt jedoch auf weiteres Wachstum und hofft, dass sich bis 2020 zwei Millionen Menschen das Auto mit anderen teilen. Neben Bus- und Bahnfahren, Laufen und Fahrradfahren habe sich Carsharing als eine vierte umweltfreundliche Verkehrsform etabliert, sagte Verbandschef Willi Loose. Carsharing-Nutzer fahren nach seinen Angaben weniger als andere Autofahrer, die Fahrzeuge seien jünger und hätten kleinere Motoren als das Durchschnittsauto. Das senke den Schadstoffausstoß.

Das Umweltbundesamt empfiehlt daher den Ausbau von verkehrsmittelübergreifenden Mobilstationen, an denen man schnell und unkompliziert zwischen Bahn, Bus, Fahrrad und Carsharing wechseln kann. Ein aktuelles Förderprogramm der Behörde leistet Kommunen hierbei bereits finanzielle Unterstützung.

Lesen Sie auch

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+