Bremer Werft "Bootsbau Vegesack" vor dem Aus CDU gibt Rot-Grün Mitschuld an Insolvenz

Bremen. Nach Bekanntwerden der Zahlungsunfähigkeit der Bremer Bootsbau Vegesack (BBV) hat der CDU-Abgeordnete Jörg Kastendiek dem rot-grünen Senat eine Mitschuld gegeben. Er spricht von "Geburtsfehlern" und einem "mangelhaften Betreiberkonzept".
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CDU gibt Rot-Grün Mitschuld an Insolvenz
Von Patricia Brandt

Bremen. Nach Bekanntwerden der Zahlungsunfähigkeit der Qualifizierungswerft Bremer Bootsbau Vegesack (BBV) hat der CDU-Abgeordnete Jörg Kastendiek dem rot-grünen Senat eine Mitschuld gegeben. Er spricht von "Geburtsfehlern" und einem "mangelhaften Betreiberkonzept".

Kastendiek verlangt nun Auskunft, wie viel Geld der Senat in den zurückliegenden Jahren in das Projekt gesteckt hat. Dass es überhaupt so weit gekommen ist, sieht Kastendiek als Fehler der rot-grünen Regierung. Bereits im Frühjahr 2008 habe die CDU-Fraktion auf ein schlüssiges Betreiberkonzept gedrängt. Diese Forderung sei damals von den Verantwortlichen einfach heruntergespielt worden. „Die Insolvenz bestätigt unsere Bedenken, die wir von Anfang an geäußert haben: Es fehlte ein tragfähiges Konzept“, sagt Kastendiek. Durch das Aus der BBV sieht er die Zukunft der maritimen Meile in Bremen-Nord gefährdet.

Auch die Linke meldet sich nach dem Aus des Qualifizierungsprojektes zu Wort. Sie befürchten, dass ähnlichen Projekten das gleiche Schicksal droht. Die Insolvenz der Bremer Bootsbau ist nur der Anfang eines Projektesterbens, das viele soziale Stadtteilprojekte treffen wird“, kommentiert Claudia Bernhard, arbeitsmarktpolitische Sprecherin. Sie fordert den Senat auf, Verantwortung für das Überleben solcher Projekte zu übernehmen und dafür auch Geld in die Hand zu nehmen.

Insolvenz beim Amtsgericht angemeldet

Die Qualifizierungswerft Bremer Bootsbau Vegesack hat am Dienstag beim Amtsgericht Insolvenz angemeldet. Weder die Banken noch Wirtschafts- oder Arbeitsressort mochten der angeschlagenen Gesellschaft zuletzt noch unter die Arme greifen. Zu groß war offenbar die Sorge, dass die BBV ein Fass ohne Boden ist.

Es ist bereits das zweite Mal, dass die Werft auf dem früheren Vulkan-Gelände zahlungsunfähig ist. Erst 2007 wendete der Bremer Rechtsanwalt Detlef Stürmann das Aus der BBV ab, deren Kerngeschäft in der Qualifizierung und Beschäftigung von arbeitslosen Menschen in maritimen Gewerken bildet. Doch die BBV geriet wieder in unruhiges Fahrwasser.

In den vergangenen sechs Monaten habe es Überlegungen gegeben, die Werft mit zurzeit 13 Festangestellten und 80 Qualifizierungs-Teilnehmern umzustrukturieren, berichtete Holger Bruns, Sprecher des Wirtschaftsressorts, auf Anfrage. Die Rede war demnach von einer Fusion mit einem weiteren Beschäftigungsträger. Doch zuletzt war auch dies kein Thema mehr: "Für die Neuaufstellung wäre ein Zuschuss von 470.000 Euro notwendig gewesen, um die Risiken abzufedern." Doch dieses Geld wollten weder Wirtschafts- noch Arbeitsressort hinblättern. Der Grund: Es ist bereits reichlich öffentliches Geld an die Maritime Meile in Vegesack geflossen. Mehr als zwei Millionen Euro hat Bremen in das zur BBV gehörige Tourismusprojekt Schaufenster Bootsbau gesteckt.

Die Insolvenz betrifft auch dieses Tourismusprojekt. "Welche Auswirkung die Insolvenz auf das Schaufenster hat, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu beantworten", meinte Bruns. Das Schaufenster hat die Massen bisher nicht locken können. 8000 Besucher weist die Statistik für dieses Jahr aus. Zu wenig. Das Ressort war von mindestens 10.000 Besuchern ausgegangen.

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