Kur fürs Kino

Cinemaxx Bremen wurde umgestaltet

Die Rutsche ist noch da. Ansonsten ist das Cinemaxx in Bremen aber rundum umgestaltet worden. Für mehr Komfort ist ein Drittel der Sitze weggefallen. Die Preise steigen ab diesem Donnerstag wieder.
27.11.2019, 18:56
Lesedauer: 3 Min
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Cinemaxx Bremen wurde umgestaltet
Von Lisa Boekhoff
Cinemaxx Bremen wurde umgestaltet

Im Bremer Cinemaxx gibt es nun Sessel mit mehr Beinfreiheit.

Cinemaxx

Im Foyer liegt ein unverwechselbarer Duft in der Luft. Weder Chanel, Lavendel noch Popcorn: Im Kino riecht es nach neu. Selbst mit geschlossenen Augen ist die Kur, die sich das Haus verpasst hat, also zu schnuppern. Kleinigkeiten müssen noch erledigt werden, doch der Umbau des Cinemaxx in Bremen ist nun fertig. Einen höheren einstelligen Millionenbetrag hat das Unternehmen dafür investiert.

Die offenen Augen sehen dann elegantes Design, viel in Grau und Schwarz, dezente Spotlights, die Kassen aufgeräumt, die Schriftzüge schlicht und leuchtend. Alles anders, schick statt grell. Und doch musste eine Sache bleiben: die 42 Meter lange Rutsche quer durch die Etagen. „Das ist ein Highlight – und nicht nur bei Kindern beliebt“, sagt Sven Colmsee. Der Hamburger hat das Kino ein Jahr geleitet und den Umbau begleitet. Nun übergibt er an seinen Nachfolger die Führung des Multiplexes samt Rutsche.

Einbruch im Kinojahr 2018

Auf Talfahrt ging es dabei für die Bremer Kinos im vergangenen Jahr. Der Umsatz brach hier nach Zahlen der Filmförderungsanstalt (FFA) um fast ein Fünftel ein. Nur in Bielefeld gingen die Erlöse stärker zurück als in Bremen im Vergleich der Städte mit mehr als 200 000 Einwohnern. Überhaupt litten die Kinos in Deutschland 2018. Der Jahrhundertsommer, die WM und ein schwächeres Filmangebot ließen die Zuschauerzahlen deutlich fallen.

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Der Blick auf das erste Halbjahr zeigt für Bremen und Bremerhaven nun, dass die Zahl der Besucher zwar deutlich stieg um 9,6 Prozent auf annähernd 805.000 Zuschauer. Der Umsatz ging aber dennoch weiter zurück um 2,3 Prozent. Das ist nur mit den Eintrittspreisen zu erklären, die im Vorjahresvergleich um fast elf Prozent fielen auf im Schnitt 8,51 Euro.

Cinemaxx legte hier im Frühjahr 2018 mit einem Preis von 5,99 Euro los. Für den Chef der Kinokette mit Sitz in Hamburg war das eine Art Experiment, um herauszufinden, welche Wirkung solche Preisimpulse in Bremen und an anderen Standorten haben. „Wir wollen die Menschen auf dem Sofa aktivieren und nachhaltig verstärkt für das Medium Kino begeistern“, sagte Carsten Horn im Interview mit dem WESER-KURIER. Pläne für einen Umbau des 20 Jahre alten Kinos in der Nähe des Bahnhofs gab es da schon.

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"Die Kunden haben höhere Ansprüche", erklärt Colmsee die Neugestaltung. Nun sieht das Konzept mehr Atmosphäre vor. Statt Stehtischen gibt es auf allen Ebenen viele Sofaecken, denn die Besucher sollen schon vor und auch nach dem Film im Kino verweilen. Es gibt eine Zapfstation für Limos und M&Ms, aber auch eine Bar mit Gin, Whisky und Wein im Angebot. Neben Bremen sind auch die Cinemaxx in Göttingen, Regensburg und Wuppertal umgestaltet worden.

In den zehn Sälen in Bremen gibt es jetzt breitere Ledersessel mit mehr Beinfreiheit. Dadurch fällt die Zahl der Sitzplätze um ein Drittel: von 2800 auf 1880. Weil Kinosäle in der Regel deutlich weniger als zur Hälfte ausgelastet seien, heißt es von Cinemaxx, seien trotzdem ausreichend Sitze für die Gäste da, selbst wenn man über dem Schnitt liege. Nur wenn große Blockbuster anliefen, könne es hin und wieder zum Ausverkauf kommen – wie heute schon.

Tickets nun für 7,99 Euro

Die Konkurrenz in der Waterfront hat schon vorgelegt. 1,3 Millionen Euro flossen dort etwa in neue Ledersessel und eine neue Lounge des Cinespace. Gunnar Burmester, zusammen mit seinem Sohn Björn Geschäftsführer des Hauses, reagierte damit auf die Preise des Wettbewerbers. Die kosteten ihn erhebliche Marktanteile. Burmester kritisierte bereits im Sommer, wegen der Preise von Cinemaxx gebe es viel Gerede: Kino in Bremen werde „verramscht“. Die Hälfte der Erlöse gehe an die Verleiher und die seien teils sauer gewesen. Doch die Preise sind nun wieder angepackt worden. Die Karten für Filme liegen im Cinemaxx ab sofort bei 7,99 Euro – egal ob am Montag, am Wochenende oder Feiertag. Nur 3-D-Streifen kosten 10,99 Euro.

Das Cinespace in der Waterfront hat derweil einen Namenszusatz bekommen. Denn seit Ende Oktober gehört es zur Gruppe Cineplex Deutschland. Zum Zusammenschluss gehören 26 Familienunternehmen mit 90 Kinos. Die Partnerschaft ist sicher vor dem Hintergrund zu sehen, dass Cinemaxx an Marktmacht gewinnen dürfte. Die Eigentümer, Vue International, wollen Cinestar übernehmen und damit die zweite große Kinokette in Deutschland. Das Bundeskartellamt prüft dies.

Sven Colmsee geht zurück nach Hamburg – in sein Kino nach Wandsbek. Hat er einen Unterschied zwischen dem Publikum in beiden Städten bemerkt? „In Bremen läuft Action sehr gut. In meinem Haus ist Familien- und Kinderprogramm beliebter.“ Doch gerade dürfte auch in Bremen ein Film fürs jüngere Publikum besonders gefragt sein. Schließlich flimmert „Die Eiskönigin II“ über die Leinwände. „Und der läuft wahnsinnig gut!“, sagt Colmsee. Ob die Geschichte um Elsa, Anna und Schneemann Olaf oder „Star Wars“ und „Terminator“ – gerade scheint die Zeit für Fortsetzungen. Und eine Zeit auch für Bremer Actionfans.

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+++Dieser Text wurde um 11.04 Uhr aktualisiert+++

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